Die Europäische Kommission gesteht, die Taliban nach Brüssel einladen zu wollen

Euractiv berichtete bereits im vergangenen Monat über Pläne für politisch heikle Abschiebegespräche mit den Taliban in Brüssel. Diese Bestätigung beendet wochenlanges Schweigen seitens der Europäischen Union.

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Die EU wird sich mit dem Taliban-Regime treffen. [Foto: Dursun Aydemir/Anadolu via Getty Images]

Die Europäische Kommission hat erstmals Pläne für Gespräche in Brüssel mit den de facto regierenden Taliban-Behörden Afghanistans bestätigt, nachdem Euractiv als erstes über Vorbereitungen für ein politisch heikles Treffen berichtet hatte, bei dem es um Abschiebungen gehen sollte.

Diese Bestätigung beendet wochenlanges Schweigen aus Brüssel zu den Plänen, dass eine Taliban-Delegation auf Einladung Schwedens und der Kommission noch vor dem Sommer in die belgische Hauptstadt reisen soll, um Gespräche über die Rückführung von Afghanen zu führen.

Ein Sprecher der Kommission teilte Euractiv am Montag mit, dass die GD HOME, die Migrationsabteilung der EU-Exekutive, gemeinsam mit dem schwedischen Justizministerium an einem „möglichen technischen Folgetreffen“ mit afghanischen Beamten in Brüssel arbeite.

Erste offizielle Bestätigung Brüssels

Bislang hatte sich die Kommission geweigert zu bestätigen, ob solche Gespräche vorbereitet würden. Die Erklärung ist zudem die erste offizielle Bestätigung Brüssels hinsichtlich der Rolle Schwedens bei der Organisation eines möglichen Besuchs der Taliban im EU-Viertel.

Der Sprecher lehnte es ab, sich dazu zu äußern, ob bereits Einladungen verschickt worden seien. EU-Beamte hatten Euractiv jedoch bereits im April mitgeteilt, dass sie davon ausgingen, dass die Einladungen in Kürze verschickt würden und das Treffen möglicherweise bereits im nächsten Monat stattfinden könnte.

Der schwedische Migrationsminister Johan Forssell hatte bereits im vergangenen Monat die Rolle Stockholms bei der Förderung der Gespräche bestätigt.

Die Kommission hat zuvor technische Kontakte mit den Taliban zum Thema Abschiebungen bestätigt, darunter einen Besuch von EU- und belgischen Beamten in Kabul im Januar.

Die geplanten Gespräche in Brüssel werden rein technischer Natur bleiben und ohne politische Vertretung stattfinden, um jeglichen Anschein einer diplomatischen Anerkennung der de facto herrschenden Taliban-Behörden in Afghanistan zu vermeiden.

(cz)