Pessimistischer Blick in die Zukunft
Umfrage der Stiftung für ZukunftsfragenLediglich zwei von fünf Europäern blicken derzeit mit Zuversicht auf ihre persönliche Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen.
Umfrage der Stiftung für ZukunftsfragenLediglich zwei von fünf Europäern blicken derzeit mit Zuversicht auf ihre persönliche Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen.
Den Europäern – und insbesondere den Deutschen – wird nachgesagt, eher pessimistisch in die Zukunft zu blicken. Dies erklärt sich teilweise, wenn man einen Blick zurück auf das vergangene Jahrhundert wirft: zwei verheerende Weltkriege sowie eine Reihe von missglückten politischen und wirtschaftlichen Experimenten.
Aber auch Angst spielt eine große Rolle. So zum Beispiel die Angst, zu den Verlierern einer zukünftigen Entwicklung zu gehören, denn wer viel hat, kann bekanntlich auch viel verlieren. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten, die von einer fortgesetzten Krisenstimmung geprägt sind – von der Finanz- und Bankenkrise über die Wirtschafts- bis hin zur Eurokrise –, fällt es schwer, optimistisch in die Zukunft zu schauen. Sicherlich liegt es zudem auch an mangelndem Vertrauen – Vertrauen in die etablierten Institutionen, in die gewählten Politiker, in die Medienlandschaft und letztendlich wohl auch in den Betroffenen selbst.
Hoffnungsvolle Dänen, Griechen, Spanier
Lediglich zwei von fünf Europäern blicken derzeit mit Zuversicht auf ihre persönliche Zukunft. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen, für die mehr als 11.000 Europäer in zehn Ländern befragt wurden.
Dabei zeigen sich zahlreiche Unterschiede, wie der Wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt, erklärt: "Fast neun von zehn Dänen blicken hoffnungsvoll auf die Welt von morgen – dies kann nicht nur mit dem dänischen Optimismus begründet werden, sondern auch mit der Tatsache, dass die dänische Wirtschaft bisher recht gut durch die Krise gekommen ist. Das Gegenteil ist für die Bevölkerung Griechenlands und Spaniens der Fall, die jedoch ebenfalls eine überdurchschnittlich positive Einstellung gegenüber der Zukunft haben. Hier gilt vielmehr der Ansatz ’schlimmer kann es nicht mehr werden, der Tiefpunkt ist erreicht. Von jetzt an kann es nur noch aufwärts gehen‘. Dass sich diese Hoffnung erfüllt, muss jedoch (leider) bezweifelt werden."
Skeptische Franzosen, Polen, Briten
Deutlich skeptischer äußern sich hingegen die Franzosen, Polen, Briten und Deutschen, und dies mit ganz unterschiedlichen Argumenten. Die Franzosen haben viel Hoffnung auf die neue Regierung gesetzt, die jedoch die Erwartungen in sie (zumindest noch) nicht erfüllen konnte. Ganz im Gegenteil – Ratingagenturen stufen Frankreich herab, und die Sorge ist groß, dass die französische Wirtschaft insgesamt gefährdet sein könnte.
Auch die polnischen Erwartungen an die EU haben sich bisher nicht erfüllt. Die Hoffnung war groß, dass mit der Vollmitgliedschaft 2004 die Wirtschaft einen nicht endenden Aufschwung erleben würde. Mittlerweile hat die Realität jedoch Einzug gehalten, und Polen spürt die Auswirkungen der Krise stärker als so manch andere Nation.
Die Briten vertrauen weiterhin auf ihr Pfund und hoffen auf ein Scheitern des Euro, um endlich wieder mehr Einfluss und Möglichkeiten zu erhalten. Doch momentan bleibt es auch bei dieser Hoffnung, zu der sich gleichzeitig die Sorge gesellt, dass die Bevölkerung weiter unter Einschränkungen und Privatisierungsentwicklungen leiden wird.
Sorgenvolle Deutsche
Und schließlich die Deutschen. Kaum ein anderes Land ist so gut durch die Krise gekommen wie die Bundesrepublik. Dennoch ist die Sorge groß, zukünftig den eigenen Wohlstand zum Wohle anderer Nationen opfern zu müssen. Die Sorge erscheint nicht unberechtigt, überweist Deutschland schon heute mehr Beiträge in den EU-Haushalt als jedes andere Land.
Doch diese Sichtweise ist einseitig. Hätte Deutschland überhaupt zu einer führenden Wirtschaftsmacht werden können ohne eine Jahrzehnte andauernde Friedensperiode in Europa? Würde es überhaupt so viel zu erben geben, wenn der Inflation in Europa nicht so stark begegnet worden wäre (Inflation des Euro seit der Einführung 1,5 Prozent pro Jahr? Zum Vergleich: Die Inflation der Deutschen Mark in den 20 Jahren vor der Euro-Einführung betrug 2,9 Prozent.
Weiters: Würde es ohne Aufbau- und Unterstützungsmaßnahmen in wirtschaftlich schwächeren Regionen nicht sogar zu einer Völkerwanderung in Richtung Deutschland kommen? Würde durch die Tatsache, dass in Deutschland jeder vierte Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Export in andere Länder abhängt, die Arbeitslosenzahl nicht deutlich steigen?
"Alleine diese exemplarischen Fakten zeigen, wie wichtig die Beitragszahlungen an die EU sind und wie sehr Deutschland von einem sicheren Europa profitiert", so Professor Reinhardt.
Was aber muss geschehen, damit die Europäer wieder an eine positive Zukunft glauben? Einen ersten Ansatz liefern die Ergebnisse der aktuellen Studie der Stiftung für Zukunftsfragen: In allen Ländern ist der Zukunftsoptimismus der Jüngeren deutlich höher als jener der Älteren. "Darum sollten wir nicht nur, sondern müssen wir anfangen, mehr auf die nachwachsenden Generationen zu bauen und zu vertrauen. Denn diese sind unsere Zukunft."
BAT-Stiftung für Zukunftsfragen