Osten der EU ist wieder wirtschaftlicher Hoffnungsträger
Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch in den europäischen Oststaaten Spuren hinterlassen. Das bekamen gerade jene Unternehmen zu spüren, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs besonders engagiert in den neuen Demokratien als Investoren auftraten. Eine ganz aktuelle Studie sieht nun in den EU-Staaten Zentral- und Osteuropas geradezu einen "Turbo für den Wirtschaftsaufschwung".
Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat auch in den europäischen Oststaaten Spuren hinterlassen. Das bekamen gerade jene Unternehmen zu spüren, die nach dem Fall des Eisernen Vorhangs besonders engagiert in den neuen Demokratien als Investoren auftraten. Eine ganz aktuelle Studie sieht nun in den EU-Staaten Zentral- und Osteuropas geradezu einen „Turbo für den Wirtschaftsaufschwung“.
Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) erwartet für dieses Jahr in den „neuen“ EU-Staaten ein durchschnittliches Wachstum von drei Prozent. Wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht liegen die Wachstumsraten merkbar über dem Durchschnitt der EU sowie der Euro-Länder. Besonders erfreut sind darüber Unternehmen in Österreich, die zu den Top-Investoren in dieser Region zählt. Zudem hat Österreich selbst in diesem Jahr bislang nur ein sehr schwaches Wirtschaftswachstum zu verzeichnen.
Wie sehr die österreichische Wirtschaft von der EU-Osterweiterung profitierte – diese hatte sich im Mai zum zehnten Mal gejährt – rechnete das WIIW vor. So haben allein die Investitionen in die sieben östlichen Nachbarländern – nur die Werte für Bulgarien fehlen – Gewinne in Höhe von 31 Milliarden Euro abgeworfen, wovon mehr als ein Viertel – nämlich 8,3 Milliarden Euro – wieder investiert wurden. Der Rest der Gewinne, 22,7 Milliarden Euro, floss wieder zurück nach Österreich. Zu den Gewinnen kommen noch Einnahmen aus Dividenden und Wertpapiergeschäften sowie grenzüberschreitende Zinserträge, was sich auf den stolzen Betrag von 39,3 Milliarden Euro summiert. Und an dieser positiven Tendenz dürfte sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern. So legten die Warenexporte seit Mai 2004 um 72 Prozent auf zuletzt 25,3 Milliarden zu. Wenngleich die Importe zunahmen, allerdings weitaus schwächer als die Exporte, so fiel die Handelsbilanz dennoch eindeutig zugunsten der Alpenrepublik aus.
EU-Erweiterung ohne Alternative
In der Öffentlichkeit wird oft unterschwellig gegen die Osterweiterung argumentiert, so unter anderem weil dadurch angeblich billige Arbeitskräfte auf den österreichischen Markt drängten und auch die Kriminalitätsrate stieg. Tatsächlich aber hat besonders Österreich, das dadurch vom rechten Rand ins Zentrum Europas rückte, viel Profit aus der Öffnung gezogen.
Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl gehört zu jenen, die geradezu wie ein Wanderprediger durch die Lande ziehen: „Österreich hat von der Erweiterung profitiert wie kaum ein anderes in der EU. Auch wenn es für die EU nicht einfach war, so viele neue Mitglieder auf einmal zu verdauen – insbesondere unter dem Eindruck der globalen Wirtschaftskrise – und es in manchen Ländern wirtschaftliche Rückschläge gab, die Erweiterung war ohne Alternative und ist es bis heute“.
Die Alpenrepublik, das belegen die vom Wirtschaftsforschungsinstitut publizierten Zahlen, ist unverändert ein Top-Investor in den „neuen“ Mitgliedsländern: Der Bestand an österreichischen Direktinvestitionen in Mittel- und Osteuropa stieg von 400 Millionen Euro im „Jahr 1“ nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, also 1990, auf 67,2 Mrd. Euro im Jahr 2012. Dies habe die Produktivität der österreichischen Mutterunternehmen massiv erhöht und mehrere Tausend Jobs im Land selbst gesichert.
Bedingt durch den steigenden Lebensstandard profitiert mittlerweile auch der heimische Fremdenverkehr vom Erstarken Zentral- und Osteuropas: So hat sich die Zahl der Touristen aus den 2004 beigetretenen Mitgliedstaaten zwischen 2005 und 2012 in Summe fast verdoppelt. Und die Zukunft sieht gut aus. So erwarten die Experten, dass in Zukunft gerade auf jenen Sektoren, wo österreichische Unternehmen über bestes Know how und erstklassige Technologien verfügen, wie Umwelt-, Energie und Verkehrsinfrastruktur, besondere Chancen bestehen.
Der Autor
Herbert Vytiska ist Politik- und Medienberater. Er war über 15 Jahre lang Pressesprecher des ehemaligen österreichischen Vizekanzlers und ÖVP-Politikers Alois Mock.