Zwischenbilanz: Drei Wundermittel zur Genesung der Lissabon-Strategie

Eine klare Zielsetzung, Vereinfachung und mehr Engagement der Mitgliedstaaten für die Lissabon-Strategie sind die Wundermittel, die die Barroso-Kommission der Reformagenda verschreiben will, um den Prozess der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Erneuerung Europas voranzutreiben.

Eine klare Zielsetzung, Vereinfachung und mehr Engagement der
Mitgliedstaaten für die Lissabon-Strategie sind die Wundermittel,
die die Barroso-Kommission der Reformagenda verschreiben will, um
den Prozess der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen
Erneuerung Europas voranzutreiben.

Drei Zielsetzungen bezüglich der Duchführung der
Lissabon-Reformen stehen im Mittelpunkt der Pläne der
Kommission:

  • mehr Fokus mit einer „rigoroseren
    Prioritisierung“: Die Kommission schlägt vor, dass verstärkt auf
    Wirtschaftswachstum und Beschäftigung gesetzt wird. In diesem
    Zusammenhang sollte eine „Partnerschaft für Wachstum und
    Beschäftigung“ ins Leben gerufen werden, die durch einen
    Aktionsplan auf EU-Ebene sowie durch Aktionspläne in den
    Mitgliedstaaten unterstützt werden sollte;
  • Mobilisierung von Unterstützung für die
    Reformen
    : Die Mitgliedstaaten, Sozialpartner und Bürger
    müssen sich die notwendigen Reformen „zu Eigen“ und mehr
    Verantwortung für ihre Durchführung übernehmen. Lissabon „muss ein
    Teil der nationalen politischen Debatte“ werden; die
    Mitgliedstaaten werden dazu aufgefordert werden, der Kommission
    nationale Aktionsprogramme vorzulegen und auf Regierungsebene einen
    ‚Mr’ oder eine ‚Mrs Lissabon’ zu ernennen, der/die für die
    Umsetzung der Lissabon-Agenda zuständig ist;
  • Vereinfachung, Klarstellung und übersichtlichere
    Verfahren
    : anstatt einer Fülle an verschiedenen Berichten
    “die keiner liest” (so Barroso), wird es künftig auf der Ebene der
    EU und der Mitgliedstaaten nur jeweils einen Umsetzungsbericht
    sowie ein Aktionsprogramm zur Lissabon-Strategie geben

Mehrere Herausforderungen ergeben sich aus diesen drei
Zielsetzungen:

  • Die Idee der Neuausrichtung der Lissabon-Agenda kann zu
    einer unfruchtbaren und sterilen ideologischen Debatte
    über die Wertgleichheit der drei ‚Säulen’ der
    Lissabon-Strategie
    führen: Wirtschaftswachstum und
    Wettbewerbsfähigkeit, sozialer Zusammenhalt und Umweltschutz.
    Mehrere soziale Organisationen und NGOs warnen bereits davor, dass
    die Neufokussierung der Lissabon-Strategie Teil einer
    „neo-liberalen“ Agenda der ‚unternehmensfreundlichen’
    Barroso-Kommission ist, die sich ausschließlich auf Wachstum
    konzentriert. 
  • Die wohl größte Herauforderung für die Kommission wird darin
    bestehen, die Unterstützung der Mitgliedstaaten,
    Sozialpartner und Bürger
    für die Lissabon-Agenda zu
    gewinnen. Es ist bislang ungewiss, wie es der Kommission gelingen
    kann, die Mitgliedstaaten dazu zu zwingen, nationale
    Aktionsprogramme auszuarbeiten. Aber auch selbst wenn die
    Mitgliedstaaten diese vorlegen, wird es der Kommission kaum möglich
    sein, ihre Durchführung zu überwachen (einem ähnlichen Problem
    steht die Kommission in Verbindung mit dem Stabilitäts- und
    Wachstumspakt gegenüber). Darüber hinaus wird sie große
    Anstrengungen unternehmen müssen, um den Inhalt der Lissabon-Agenda
    an die EU-Bürger zu vermitteln. 
  • Übersichtlichere Berichterstattungsverfahren:
    Diese Absicht scheint lobenswert, aber was bedeuten Bericht, wenn
    der politische Wille und Führungskraft zur Umsetzung der
    notwendigen Reformen fehlt?