Zukünftiger EU-Agrarkommissar Hansen meistert Anhörung mit Bravour
Christophe Hansen, der sich selbst als „Kommissar vor Ort“ bezeichnet, steht kurz davor, der nächste EU-Kommissar für Landwirtschaft zu werden. Seine Anhörung mit EU-Abgeordneten am Montagabend (4. November) verlief reibungslos.
Christophe Hansen, der sich selbst als „Kommissar vor Ort“ bezeichnet, steht kurz davor, der nächste EU-Kommissar für Landwirtschaft zu werden. Seine Anhörung mit EU-Abgeordneten am Montagabend (4. November) verlief reibungslos.
Die allgemeine Stimmung im Saal und in den sozialen Medienin Bezug auf die Leistung Hansens war positiv. Während der Diskussion erhielt der Luxemburger mehrmals von den EU-Abgeordneten Applaus.
In der dreistündigen Debatte wurden die verheerenden Überschwemmungen in Valencia (Spanien), die über 200 Todesopfer gefordert, aber auch zu Millionenschäden im Agrarsektor geführt haben, oft erwähnt. „Das Klima gefährdet unsere Landwirte zunehmend“, bemerkte Hansen. Er sprach sich klar für den Green Deal aus, schlug aber vor, dass einige Rechtsvorschriften vereinfacht werden könnten.
Der ehemalige EU-Abgeordnete wies ebenfalls auf die schwierigen Arbeitsbedingungen hin, mit denen Landwirte konfrontiert sind. Dabei stützte er sich auf seine persönlichen Erfahrungen, einschließlich der körperlichen und geistigen Erschöpfung, die sich auf ihre psychische Gesundheit auswirkt.
Hansen sprach von seinem verstorbenen Bruder, der vor seinem kürzlichen Unfalltod in Luxemburg einen Familienbetrieb geführt hatte. Der Kandidat führte den Unfall auf den starken Druck zurück, dem er ausgesetzt war.
Realistische Ansichten
Während der Anhörung verteidigte der designierte Kommissar die Notwendigkeit einer „engagierten“ und „starken“ Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) angesichts von Spekulationen über eine Zusammenlegung der Agrarsubventionen mit der EU-Kohäsionspolitik. „Sie können sich darauf verlassen, dass ich mich für einen sehr starken und engagierten Haushalt für die GAP einsetzen werde“, erklärte er.
Vorsichtig äußerte er sich jedoch über die Wahrscheinlichkeit einer Aufstockung des gemeinsamen Agrarpolitikhaushalts, trotz der Forderungen vieler EU-Abgeordneter und der Empfehlungen aus den Schlussfolgerungen des Strategischen Dialogs.
Um die linken EU-Abgeordneten für sich zu gewinnen, betonte Hansen, dass es nicht die Absicht der Agrarpolitik sei, „Millionäre mit Steuergeldern zu unterstützen“. Stattdessen schlug er vor, die Frage der obligatorischen Umverteilung von Mitteln zur Unterstützung kleinerer Landwirte erneut zu prüfen.
Aufgrund seiner Erfahrung als ehemaliges Mitglied des Ausschusses für internationalen Handel (INTA) des Parlaments sprach Hansen über die Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs bei Agrarimporten und betonte gleichzeitig die Exportmöglichkeiten, die Handelsabkommen den EU-Produzenten bieten.
Proteinpflanzen
Hansen beschrieb den potenziellen Beitritt der Ukraine zur EU als heikles Thema für den Agrarsektor. Das landwirtschaftliche Potenzial der Ukraine müsse mit der Stabilität des EU-Marktes in Einklang gebracht werden. „Die Erweiterung wird Kosten verursachen, aber vielleicht auch dazu führen, dass wir bei Proteinpflanzen unabhängiger werden“, sagte Hansen.
Zur Sprache kam auch das Thema zur Produktion von mehr Proteinpflanzen innerhalb der EU. Hansen stellte fest, dass die EU in Bezug auf diese Importe, insbesondere für Viehfutter, nach wie vor stark „abhängig“ und „anfällig“ sei.
In der Frage der Förderung der Produktion und des Konsums von pflanzlichen Proteinen als Alternative zu tierischen Produkten widersprach Hansen ausdrücklich den Grünen.
„Ich denke, es ist schwierig, von oben herab vorzuschreiben, wer was essen muss“, sagte Hansen. Fleischprodukte seien Teil einer ausgewogenen Ernährung, er gab jedoch zu, dass er selbst vielleicht zu viel rotes Fleisch esse. Hansen erwähnte seine Absicht, die Proteinstrategie der EU im Rahmen eines umfassenderen Ansatzes für eine nachhaltige Viehzucht zu aktualisieren.
Vorbehalte äußerte er gegen Emissionshandel für den Agrarsektor. Die Idee, kam im Rahmen des Strategischen Dialogs auf, wurde jedoch von Neuseeland aufgegeben. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass dies der richtige Ansatz ist“, sagte er.
Zum Thema Lebensmittelkennzeichnung merkte Hansen an, dass die EU eine gründliche Diskussion führen müsse, bevor sie die Vorschriften für die Kennzeichnung auf der Vorderseite der Verpackung ändere. Er stellte klar, dass dies nicht seine alleinige Verantwortung als zukünftiger Kommissar sei. Ein Hinweis darauf, dass dies in den Zuständigkeitsbereich des nächsten EU-Kommissars für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit fallen könnte.
[Bearbeitet von Angelo Di Mambro/Owen Morgan/Kjeld Neubert]