Zankapfel für Skandinavien: Streit um EU-Definition für Cidre

Schweden, Dänemark und Finnland warnen vor neuen EU-Standards für Cidre und Perry. Diese könnten dem wachsenden Markt für Apfel- und Birnengetränke den Aufschwung nehmen.

EURACTIV.com
Sales In Cider Top One Billion Pints A Year
Ob still, sprudelnd, klar, mit Apfelstückchen darin oder mit einem Alkoholgehalt von einstelligen Werten bis fast 13 Prozent – jedes Land, jeder Produzent und jeder Konsument hat seine eigenen Kriterien. [Getty Images/Christopher Furlong]

Schweden, Dänemark und Finnland warnen vor neuen EU-Standards für Cidre und Perry. Diese könnten dem wachsenden Markt für Apfel- und Birnengetränke den Aufschwung nehmen.

Cidre ist ein beliebtes alkoholisches Getränk in der EU, insbesondere in Frankreich und Spanien. Trotz seiner Beliebtheit gibt es jedoch keine offizielle EU-Definition für Cidre.

Ob still, sprudelnd, klar, mit Apfelstückchen darin oder mit einem Alkoholgehalt von einstelligen Werten bis fast 13 Prozent – jedes Land, jeder Produzent und jeder Konsument hat seine eigenen Kriterien.

Doch die EU-Kommission will nun gemeinsame Vermarktungsstandards einführen, ähnlich den „Frühstücksrichtlinien“, die bereits Regeln für Marmelade, Saft, Honig und Milch harmonisiert haben.

Für den Apfelschaumwein dürfte es allerdings etwas knifflig werden, eine einheitliche Definition zu finden.

Ein Entwurf der Kommission vom Dezember sieht einen Mindestsaftgehalt von 50 Prozent Apfel oder Birne (ungefiltert) für Cidre und Perry vor. Während dies für viele Cidre-Liebhaber eine gute Nachricht ist, würde es große Probleme für den industriell produzierten Cidre bedeuteten, da für diesen typischerweise nur 15 % Saft verwendet wird.

Die nordischen Länder äußerten am Montag in einer Ratssitzung ihre Bedenken gegenüber dem Vorschlag. In einem Schreiben, das Euractiv einsehen konnte, warnten Stockholm, Kopenhagen und Helsinki den Generaldirektor für Landwirtschaft aus der Kommission, Wolfgang Burtscher, dass der aktuelle Vorschlag das Wachstum nordischer Produzenten hemmen könnte.

Das Schreiben betont, dass Innovationen, neue Produkte und Kommunikation das Wachstum im Getränkesektor vorantreiben, während der vorgeschlagene Vermarktungsstandard möglicherweise das Gegenteil bewirken könnte.

Cidre wird in diesen Mitgliedstaaten in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Varianten hergestellt, und lokale Produzenten möchten ihre globalen Exporte ausweiten. Schweden exportiert beispielsweise 75 Prozent seiner jährlichen Cidre-Produktion – 100 Millionen Liter – und macht damit ein Drittel aller EU-Cidre-Exporte aus.

Unterdessen sind auch die Exporte Dänemarks stark gestiegen, von 17 Millionen auf 27 Millionen Liter zwischen 2020 und 2023.

Das Schreiben der Skandinavier fordert einen breiten und inklusiven Vermarktungsstandard, um ernsthafte negative Folgen zu vermeiden.

Als Ausweg könnten die Länder offen für eine Unterscheidung zwischen Cidre und „traditionellem Cidre“ mit höherem Saftgehalt stimmen und darauf bestehen, dass beide Produkte weiterhin nebeneinander existieren sollten.

Das nordische Anliegen könnte überraschende Verbündete finden. Frankreich, wo Cidre aus der Bretagne und der Normandie als hochwertiges Produkt mit 100 Prozent Fruchtsaft gilt, hat laut einer diplomatischen Quelle gegenüber Euractiv ebenfalls Vorbehalte gegen den Entwurf geäußert.

Spanien, ein weiteres Schwergewicht der Cidreindustrie, hat bisher noch keine Stellung bezogen.

[Bearbeitet Angelo Di Mambro/Alice Taylor-Braçe]