YouTube startet Onlinekanal zu Europawahlen [DE]

Der Onlinedienst YouTube und der Fernsehsender Euronews haben gestern (5. Mai 2009) einen neuen Nachrichtendienst gestartet, der Wähler und Kandidaten vor den im nächsten Monat stattfindenden Europawahlen zusammen führen soll. 

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Der Onlinedienst YouTube und der Fernsehsender Euronews haben gestern (5. Mai 2009) einen neuen Nachrichtendienst gestartet, der Wähler und Kandidaten vor den im nächsten Monat stattfindenden Europawahlen zusammen führen soll. 

Das „Questions for Europe“ Projekt, sucht Kandidaten, Wähler und Experten zu ermutigen an einem Dialog über Online-Videos teilzunehmen. 

Das Projekt das Ende dieser Woche für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, basiert hauptsächlich auf nutzergeneriertem Inhalt und lädt Bürger dazu ein, Fragen an Abgeordnete zu stellen, indem sie auf einem speziellen YouTube Kanal Videos hochladen. YouTube ist eine beliebte Video Community die dem US-Riesen Google gehört. 

Euronews wird eine Auswahl der Fragen senden und Abgeordnete, Think-Tank Vertreter und andere Brüsseler Kommentatoren werden am Ende der halbstündigen Nachrichtensendungen, die 256 Millionen Haushalte in 144 Ländern erreichen, darauf antworten.
Dies wird auch die Reporter dazu ermutigen, sich aus den Videos Inspiration für ihre eigenen Interviews zu holen. 

Echos von MyBarackObama.com 

„Questions for Europe” will sich durch den Kommunikationserfolg der US-Präsidentschaftskampagne Barack Obamas inspirieren lassen, sagte Bill Echikson, Kommunikationsleiter bei Google. 

Die Verwendung neuer Online-Technologien, um Bürger zur Partizipation zu bewegen habe laut Experten eine entscheidende Rolle beim Sieg des ehemaligen Senators von Illinois gespielt (EURACTIV vom 4. November 2008). 

Das Europäische Parlament und die EU-Kommission haben bereits ihre eigenen YouTube Kanäle, aber Fragen für Europas Politiker unterstrichen, dass die neue Initiative vollständig unabhängig von den Vorbereitungen der EU-Institutionen für die Europawahlen sei.
Es gebe keine offizielle Partnerschaft mit den EU-Institutionen sagte Echikson und es gebe keine offizielle Partnerschaft mit den Kandidaten oder politischen Parteien, fügte das Euronews Vorstandmitglied, Michael Peters hinzu. 

Auf die Frage was die Motivation hinter dem Programm gewesen sei sagte Echikson, dass man das “Yes we can”-Phänomen Obamas gut in Erinnerung behalten habe und sich fragte “können wir das in Europa?” Es sei noch zu früh, um zu sagen ob dies genauso erfolgreich sein werde wie Obamas Kampagne. Es sei ein Experiment und etwas Neues fügte er hinzu. 

In der Politik sei nicht immer alles Gold was glänze, fügte Aaron Ferstman, Direktor der politischen Kommunikation bei YouTube hinzu. Grobheit könne manchmal besser sein, warum hier YouTube ins Spiel komme.

Keine Marketingkampagne

Dies sei eine Frage der Bildung. Man versuche ein bisschen das Wikipedia der EU-Wahlen zu sein, sagte Peters. Es drehe sich darum intelligenten, nutzergenerierten Inhalt ins Netz zu stellen. 

Es gehe auch darum, die richtigen Fragen zur richtigen Zeit zur Verfügung zu stellen wenn man einen Abgeordneten interviewe. Man wolle die Partnerschaft mit YouTube nicht zu Marketingzwecken nutzen betonte er. 

Euroskeptiker willkommen

Einige Beobachter die beim gestrigen Start dabei waren deuteten an, dass der Kanal ein Eldorado für Euroskeptiker werden könnte, da die meisten öffentlichen Beiträge solcher Initiativen Anti-EU seien. 

Man habe keine Angst, dass dies ein euroskeptischer Kanal werde. Man wisse, dass er hauptsächlich euroskeptisch sei und man erwarte es fast. Man brauche alle Standpunkte, damit dieses Projekt glaubwürdig bleibe, betonte Peters. „Bitte kommt zu uns Euroskeptiker“ forderte er. 

Dies sei nicht das erste Mal, dass YouTube als Hafen für euroskeptisches Gedankegut erwähnt wurde. Eine aktuelle Rede vom Konservativen EU-Abgeordneten Daniel Hannan wurde 2,25 Millionen Mal auf der Seite angesehen, nachdem es wie ein Virus über Blogs verbreitet wurde. 

Tatsächlich erklärte ein hoher Kommissionsbeamter der Konrad Adenauer Stiftung letzten Monat, dass obwohl euroskeptische Parteien nur begrenzte Ressourcen hätten, hätten sie kreative Köpfe die daran arbeiten die neuen Medien dafür zu nutzen ihre Botschaft auszustreuen (EURACTIV vom 28. April 2009). 

Berichten zufolge seien die EU-Kommission und die etablierten Parteien zu langsam, um auf die neuen Medien zu reagieren, beklagte der Beamte. 

Jedoch wies Ferstman von Youtube Kommentare, dass die Webseite ein Eldorado für Anti-EU Gedankengut würde entschieden zurück. Es liege an den Parteien ob sie übertönt oder gehört werden wollten. Sie könnten Reaktionen in Form von Videos auf die Meinungen die schon Online sind senden oder ihre eigenen Kanäle gründen. 
Europa wird vom 4. bis 7. Juni an die Wahlurnen gehen, um die nächste EU-Versammlung zu wählen.