Wohnungswirtschaft erklärt Sanierungsstrategie für "gescheitert"

Die politische Strategie, den Energieverbrauch von Gebäuden zu reduzieren, sei "gescheitert", erklärten Vertreter der Immobilienbranche bei einer Veranstaltung in Berlin. Zu Beginn des Wahlkampfs verschärfen sich die Konflikte zwischen SPD und Grünen.

EURACTIV.com
Improving the energy efficiency of the apartment, replacing the carpentry
Vor Beginn der heißen Wahlkampfphase forderte eine Koalition aus Unternehmensvermietern und Forschern eine Kursänderung bei der Dekarbonisierung von Gebäuden. [Getty Images]

Die politische Strategie, den Energieverbrauch von Gebäuden zu reduzieren, sei „gescheitert“, erklärten Vertreter der Immobilienbranche bei einer Veranstaltung in Berlin. Zu Beginn des Wahlkampfs verschärfen sich die Konflikte zwischen SPD und Grünen.

Kurz vor Beginn des Wahlkampfes zur Bundestagswahl forderte eine Koalition aus gewerblichen Vermietern und Wissenschaftlern eine Kursänderung bei der Dekarbonisierung von Gebäuden. Gleichzeitig machte die sozialdemokratische Bauministerin die Grünen für die gestiegenen Kosten der Energiewende verantwortlich.

„Der Klimaschutz im Gebäudebestand, so wie wir ihn derzeit machen, ist eine ‚Mission Impossible’“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), bei einer Branchenveranstaltung am Dienstag (19. November).

Die Hauptursache dafür sei eine „dogmatische, […] fast einem Glaubensbekenntnis gleichende Fokussierung auf die absolute Energieeinsparung am Einzelgebäude“, so Gedaschko. „Wer aber nicht komplett blind ist, erkennt, dass die historisch gewachsene Fokussierung […] auf Energieeinsparung schlicht und ergreifend gescheitert ist“.

Insbesondere die Sanierungsquote von Gebäuden bleibe „seit Jahren wie festgenagelt, bei gerade einmal 0,7 Prozent“, erläuterte er. Das sei weniger als die Hälfte dessen, was erforderlich wäre, um die Ziele der Regierung zu erreichen – und das trotz jährlicher Fördermittel in Höhe von 18 Milliarden Euro für Gebäudesanierungen.

„Glaubt jemand ernsthaft, dass wir die Sanierungsrate mehr als verdoppeln und dann auch noch die dafür notwendigen Fördermittel bekommen?“, fragte er und verwies auf den ohnehin angespannten Staatshaushalt und den möglichen Bedarf einer Verdoppelung der öffentlichen Unterstützung.

Letztendlich konnte, trotz aller Bemühungen um die Dämmung von Bestandsgebäuden und strenge Energieeffizienzstandards für Neubauten, „der spezifische Energieverbrauch [pro Quadratmeter] der letzten zehn Jahre […] kaum signifikant reduziert werden“, erklärte Gedaschko und nannte dies ein „Fiasko erster Klasse“.

Daher forderte er einen Fokus auf „Klimaeffizienz statt Energieeffizienz“. Gebäudeeigentümer sollten einem CO2-Reduktionspfad folgen, bei der Umsetzung jedoch verschiedene Möglichkeiten erhalten. Dazu gehörten die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung, die Sanierung der ineffizentesten Gebäude oder der Einsatz digitaler Steuerungstechnologien.

Diese Forderung wurde von einer GdW-unterstützten Initiative von fünf Wissenschaftlern bekräftigt. Sie plädieren für „maßvolle Sanierung statt kostspieliger überzogener Sanierungstiefen“ und einen „zügigen“ Ersatz fossiler Brennstoffe durch Wärmepumpen oder andere klimafreundliche Optionen – auch in unsanierten Gebäuden.

„Es gibt keinen Grund, weiterhin Gaskessel einzubauen“, betonte Elisabeth Endres, Professorin für Architektur an der Technischen Universität Braunschweig und Koordinatorin der Initiative, auf der Konferenz. „Wir können zuerst dekarbonisieren und dann maßvoll sanieren“, fügte sie hinzu.

Geywitz: Energieeffizienz gegen Bezahlbarkeit

Die sozialdemokratische Bauministerin Klara Geywitz, eine enge Vertraute von Bundeskanzler Olaf Scholz, sagte, dass sie sich in ihrer dreijährigen Amtszeit stets „gegen starre individuelle Sanierungsziele“ ausgesprochen habe. Außerdem halte sie „eine Dekarbonisierung der Wärmeversorgung für wichtiger als eine nicht bezahlbare allgemeine Sanierungspflicht“.

„Der Grundkonflikt war wirklich zwischen der Energieeffizienz-Fokussierung aus dem Wirtschaftsministerium und der Bezahlbarkeit des Bauens“, erklärte sie und machte damit ihrem Regierungskollegen Robert Habeck, der am Wochenende zum Kanzlerkandidaten der Grünen gewählt worden war, Vorwürfe.

Seine Teilnahme an der Veranstaltung musste Habeck kurzfristig absagen, da er länger auf dem COP29-Klimagipfel in Baku blieb; er wurde jedoch von dem neu ernannten Staatssekretär Bernhard Kluttig vertreten.

„Die neue Regierung – wie auch immer sie aussieht – wird sich mit diesen Problemen auseinandersetzen müssen“, so Kluttig. Dabei wies er auf die Notwendigkeit hin, das Baurecht und die Taxonomie der EU für grüne Investitionen zu vereinfachen.

In der aktuellen EU-Taxonomie werde laut Kluttig „nur die Sanierung auf die beste Effizienzklasse belohnt“.

„Damit wird die effizienteste Art der Sanierung, die Sanierung besonders ineffizienter Gebäude, von der Taxonomie praktisch nicht gewürdigt bzw. sogar bestraft“, fügte er hinzu.

[Bearbeitet von Donagh Cagney/Alice Taylor-Braçe/Kjeld Neubert]