Wissenslücken behindern energieeffizientes Bauen [DE]
Die Technologien für eine deutliche Minderung von Emissionen bestünden bereits, allerdings führten Wissenslücken und alte Gewohnheiten dazu, dass Fortschritte „im Schneckentempo“ erzielt würden, meint der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) in einem neuen Bericht.
Die Technologien für eine deutliche Minderung von Emissionen bestünden bereits, allerdings führten Wissenslücken und alte Gewohnheiten dazu, dass Fortschritte „im Schneckentempo“ erzielt würden, meint der World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) in einem neuen Bericht.
Durch Energiesparmaßnahmen an Gebäuden könnten den Prognosen für den Zeitraum bis 2050 zufolge mehr CO2-Emissionen eingespart werden, als das Verkehrswesen insgesamt freisetze, so der internationale Wirtschaftverband im aktuellen Fortschrittsbericht über sein Projekt ‚Energieeffizienz von Gebäuden’.
Der Europäische Rat bewertete die Geschwindigkeit, mit der Neubauten in Entwicklungsländern errichtet werden, als gute Gelegenheit, Standards zur Senkung von CO2-Emissionen in diesem Sektor einzuführen. Er betont allerdings auch, dass Entwicklungsländer ihre Altbauten sanieren müssten, um den Energieverbrauch zu senken.
Dass Fachleute aus der Baubranche Kosten und Nutzen häufig falsch beurteilten, sei ein großes Problem bei der Umsetzung des Projektziels, bis 2050 alle Neubauten so zu gestalten, dass sie nicht mehr Energie brauchen als sie produzieren und daher keinen Strom von externen Quellen benötigen und dass sie völlig emissionsfrei sind, kommt der WBCSD zum Schluss. Die Kosten für mehr Energieeffizienz würden über- und das Potenzial zur Emissionsminderung unterschätzt, wird erklärt.
Zur Lösung solcher Probleme schlägt die der Verband vor, bei der Gestaltung einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. Außerdem sollten die verschiedenen Sektoren und Akteure, die an der Wertschöpfungskette des Bauprozesses beteiligt seien, einbezogen werden und gemeinsam Verantwortung übernehmen. Es müsse sichergestellt werden, dass solche Akteure dem Thema Energie mehr Beachtung zollten. Dann sei der Anreiz größer, der Energieeffizienz einen größeren Stellenwert einzuräumen, da Gebäude heutzutage mehr ein finanzielles als ein funktionelles Produkt seien, erklärt der Verband.
Der WBCSD meint, zur Förderung größerer Energieeffizienz sei grundlegend, dass sich das Verhalten des Einzelnen, sowohl der Fachleute der Baubranche als auch der Nutzer, ändere. Energie werde in den Industrieländern als selbstverständlich erachtet. Das führe zu „gedankenloser Verschwendung“. Gleichzeitig werde Energieverbrauch in Entwicklungsländer als Statussymbol angesehen, meint der Verband und kommt zu dem Schluss, die Herausforderung werde sein, das Bewusstsein zu schärfen und die Verbrauchsmuster dauerhaft zu ändern.
Das Projekt ‚Energieeffizienz von Gebäuden’ wurde 2006 begonnen; der Abschlussbericht über das Projekt soll Anfang nächsten Jahres veröffentlicht werden. Darin werden „radikale Maßnahmen“ gefordert und die entsprechenden Aufgaben sowohl für die Regierungen als auch die Unternehmen untersucht. Die Ergebnisse sollen für die Ausarbeitung einer öffentlichen Erklärung verwendet werden, mit der das Bewusstsein erhöht und die Politik zu Maßnahmen aufgefordert werden soll.
Die umweltorientierte Gestaltung von Gebäuden ist ein drängendes Thema. Die Europäische Kommission hat vor kurzem einen Vorschlag vorgelegt, um den Anwendungsbereich der Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden aus dem Jahr 2002 zu vergrößern. Dafür sollen alle Gebäude bei einer größeren Renovierung spezifische Effizienzstandards erfüllen und nicht nur die Gebäude mit einer Fläche von über 1 000 m2 wie in der derzeitigen Richtlinie (EURACTIV vom 14. November 2008). Es wird gehofft, dass nach der Überarbeitung bis 2020 in der EU Energieeinsparungen von 5 bis 6% erzielt werden können. Die Kommission hat außerdem versprochen, eine Initiative zu starten, um ein größeres Bewusstsein für Einsparmöglichkeiten bei allen Beteiligten, von Behörden über die Bauindustrie bis zu den Bürgern, zu wecken.
Insbesondere Entwicklungsländer könnten große Einsparungen erzielen, wenn sie in energieeffizientere Gebäude investierten, so ein aktueller, von McKinsey veröffentlichter Bericht (EURACTIV vom 29. Oktober 2008). Der Unternehmensberater argumentierte, dass die beträchtlichen Investitionen in neue Kapitalbestände, die angesichts des raschen Wirtschaftswachstums in diesen Ländern getätigt worden seien, eine Möglichkeit böten, durch die Optimierung der Energieeffizienz von Gebäuden im Laufe der nächsten Jahrzehnte einen niedrigeren Energieverbrauch zu erzielen.