Wirtschaftssenator Wolf und Berlins weiter Weg zur Modellstadt

Was bedeutet die Atomkatastrophe in Japan für die Energiepolitik einer "hochverdichteten Großstadt" wie Berlin? Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) drängt darauf, den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen. Den vollständigen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2017 hält er für möglich.

Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf (R) nimmt zusammen mit Gabriele Schöttler, Bezirksbürgermeisterin Berlin Treptow-Köpenick, Rolf Lechner, Vorstand von immobilien-experten-ag., und Henrik Krüpper (L), Geschäftsführer von Sulfurcell, eine Photovoltai
Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf (R) nimmt zusammen mit Gabriele Schöttler, Bezirksbürgermeisterin Berlin Treptow-Köpenick, Rolf Lechner, Vorstand von immobilien-experten-ag., und Henrik Krüpper (L), Geschäftsführer von Sulfurcell, eine Photovoltai

Was bedeutet die Atomkatastrophe in Japan für die Energiepolitik einer „hochverdichteten Großstadt“ wie Berlin? Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) drängt darauf, den Anteil erneuerbarer Energien zu erhöhen. Den vollständigen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2017 hält er für möglich.

"Die furchtbare Katastrophe in Japan führt uns vor Augen, dass die Atomenergie kein Ausweg ist. Es muss alles unternommen werden, um den Anteil erneuerbarer Energien drastisch zu erhöhen“, sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) am Mittwochmittag bei der Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts von Berlins größter Photovoltaik-Dachanlage in Berlin-Adlershof.

2010 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland bei 16,8 Prozent. Lediglich zwei Prozent der gesamten Stromerzeugung kam aus der Photovoltaik. In Berlin lag der Anteil erneuerbarer Energien bei unter 3 Prozent.

Ungünstige Standortfaktoren

"Was noch sehr zu wünschen übrig lässt, ist, dass die regenerativen Energien noch zu wenig genutzt werden", meinte Wolf gegenüber EURACTIV.de. Die ungünstigen Standortbedingungen Berlins als "hochverdichtete Großstadt" seien dafür mitverantwortlich. Dennoch gehöre die Solarwirtschaft in der Hauptstadtregion mit 5.000 Beschäftigten zu einer der wachstumsstärksten Branchen.

Bei der Gebäudesanierung habe Berlin eine "hervorragende Position". Ein Förderprogramm für die energetische Sanierung soll zukünftig dafür sorgen, dass sich Eigenheimbesitzer stärker engagieren. Zudem habe Berlin eine Solardachbörse eingerichtet. Großes Potenzial sieht Wolf auch bei der Nutzung von Erdwärme. Die Berliner Wasserbetriebe hätten zudem vor, drei Großwindanlagen zu bauen. Ziel sei, eine "Modellstadt für nachhaltiges Wirtschaften" zu werden.

Transport- und Speicherprobleme

"Wir hoffen, dass die erneuerbaren Energien nicht mehr so kritisch als reine Subventionsempfänger gesehen werden. Es gibt genug Sonnenenergie, um alle AKWs zu ersetzen", betonte Henrik Krüpper, Geschäftsführer von Sulfurcell, im Gespräch mit EURACTIV.de. Ein Energieproblem gebe es nicht, sondern ein Transport- und Speicherproblem. Sulfurcell stellt die im Projekt verwendeten Dünnschicht-Solarmodule her. Die Photovoltaik-Dachanlage auf der Sheddachhalle des Gewerbekomplexes "Am Oktogon – Campus für Gewerbe und Technologie" in Berlin-Adlershof kann bis zu 125 private Haushalte pro Jahr mit Strom versorgen.

Laut Wolf ist ein vollständiger Ausstieg aus der Atomenergie bis 2017 möglich. Als erstes müssten jedoch die acht ältesten deutschen AKWs dauerhaft vom Netz genommen werden.

Sabrina Schadwinkel