Wie Orbán: Italien will Geburtenrate mit 1 Milliarde Euro ankurbeln

Die rechtsgerichtete italienische Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nimmt sich ein Vorbild an Ungarns Modell und hat im neuen Haushalt auch 1 Milliarde Euro zur Förderung der Geburtenrate vorgesehen. Zudem werden Maßnahmen zur Unterstützung von Frauen und Familien eingeführt.

EURACTIV.it
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Zu den Maßnahmen gehören unter anderem finanzielle Hilfen für Arbeitnehmerinnen mit mindestens zwei Kindern, die Verlängerung des freiwilligen Elternurlaubs und die Aufstockung des Betreuungsgeldes, allerdings nur für das zweite Kind. [Shutterstock/Murzhak Irina]

Die rechtsgerichtete italienische Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nimmt sich ein Vorbild an Ungarns Modell und hat im neuen Haushalt auch 1 Milliarde Euro zur Förderung der Geburtenrate vorgesehen. Zudem werden Maßnahmen zur Unterstützung von Frauen und Familien eingeführt.

Hierzu gehören unter anderem finanzielle Hilfen für Arbeitnehmerinnen mit mindestens zwei Kindern, die Verlängerung des freiwilligen Elternurlaubs und die Aufstockung des Betreuungsgeldes, allerdings nur für das zweite Kind.

„Wir wollen etablieren, dass eine Frau, die mindestens zwei Kinder zur Welt bringt, bereits einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft geleistet hat und dass der Staat dies teilweise durch die Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen ausgleicht“, so Meloni zu den neuen Maßnahmen.

„Wir wollen mit dem Narrativ aufräumen, dass die Geburtenrate einen negativen Anreiz zur Aufnahme von Arbeit darstellt. Wir wollen Anreize für diejenigen schaffen, die Kinder zur Welt bringen und arbeiten wollen“, fügte die Ministerpräsidentin hinzu.

Melonis Regierung hat wiederholt betont, wie wichtig Maßnahmen zur Förderung der Geburtenrate sind, zumal Italien seit Jahrzehnten eine der niedrigsten Geburtenraten in Europa verzeichnet. Im Jahr 2022 erreichte Italien mit 393.000 Geburten, 2 Prozent weniger als im Vorjahr, und einem negativen Saldo von 320.000, ein neues Allzeittief, so die ISTAT-Zahlen.

Zu diesem Trend trägt auch ein Anstieg des Durchschnittsalters von Frauen bei der Geburt auf 32,2 Jahre bei. Zwischen 1964 und 2020 sank die durchschnittliche Anzahl der Kinder pro Frau von 2,66 auf 1,24.

Wirtschaftsminister Giancarlo Giorgietti (Liga/ID) schlug bereits im Sommer dieses Jahres Alarm in Bezug auf das italienische Sozialsystem und bezeichnete aktuelle Finanzmanöver als „kompliziert.“

Mit der Zahl der Kinder schrumpft auch die Anzahl zukünftiger Beitragszahler, welche für Rentenempfänger und Unterstützung im Gesundheitsbereich aufkommen könnten. Hier wächst wiederum der Bedarf mit einer alternden Bevölkerung.

„Die Frage der Geburtenrate ist grundlegend. Es gibt keine Sozialreform, die mittel- bis langfristig mit den Geburtenzahlen, die wir heute in diesem Land haben, Bestand hat“, erklärte Giorgietti.

Ein Blick auf Orbans Ungarn

Ungarn, so Meloni, sei ein „perfektes Beispiel“ für ein Land, das in die Unterstützung von Familien investiere – eine Position, die sie während ihrer Rede auf dem Budapester Demografiegipfel, der vom ungarischen Premierminister Viktor Orban im September veranstaltet wurde, bekräftigte.

„Für die italienische Regierung haben die Zahl der Geburten und die Unterstützung der Familien oberste Priorität. Für eine Zukunft, die besser ist als die Gegenwart“, so Meloni. Sie sprach von einem „großen Kampf“, um Familien zu verteidigen und damit auch „die Identität, Gott und all die Dinge, die unsere Zivilisation aufgebaut haben.“

Meloni ist mittlerweile selbst alleinerziehende und berufstätige Mutter. Sie hatte letzte Woche öffentlichkeitswirksam die Trennung von ihrem Lebensgefährten bekanntgegeben. Dieser war durch Anschuldigungen übergriffigen Verhaltens gegenüber Kolleginnen in die Schlagzeilen geraten.

Italien blickt auf Orbans Ungarn, um seine Entscheidungen nachzuahmen und die notwendigen Investitionen zu tätigen. Derzeit scheinen die Bemühungen jedoch unzureichend, da die steigende Inflation und die hohen Lebenshaltungskosten die Kaufkraft der Familien erheblich beeinträchtigen.

Die niedrige Frauenerwerbsquote, wirtschaftliche Ungewissheit, unsichere Arbeitsplätze, niedrige Löhne (vor allem für Frauen) und der strukturelle Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen gehören nach wie vor zu den größten Problemen Italiens.