WHO: Impfstoffe als unterschätzte Waffe gegen Antibiotikaresistenz

Die Entwicklung und Verbreitung von neuen Impfstoffen könnten 543.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Antibiotikaresistenzen pro Jahr verhindern. Am Donnerstag (10. Oktober) forderte die WHO mehr Impfungen gegen arzneimittelresistente Krankheitserreger.

EURACTIV.com
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Bestehende Impfstoffe könnten bis zu 106.000 AMR-bedingte Todesfälle verhindern. [[Shutterstock]]

Die Entwicklung und Verbreitung von neuen Impfstoffen könnten 543.000 Todesfälle im Zusammenhang mit Antibiotikaresistenzen pro Jahr verhindern. Am Donnerstag (10. Oktober) forderte die WHO mehr Impfungen gegen arzneimittelresistente Krankheitserreger.

Die Antibiotikaresistenz (AMR) – eine Widerstandsfähigkeit von Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten gegen Antibiotika – ist eine globale Bedrohung.

Die Resistenz verursacht jedes Jahr mehr als 35.000 Todesfälle im Europäischen Wirtschaftsraum (EU sowie Norwegen, Island und Liechtenstein) und fast fünf Millionen Todesfälle weltweit. Unter den betroffenen Opfern befinden sind vor allem Kinder, ältere Menschen und Staaten in Südostasien und Afrika.

„Die Rolle von Impfstoffen bei der Reduzierung von AMR wurde weltweit unterschätzt“, sagte Dr. Mateusz Hasso-Agopsowicz, der Hauptautor des Berichts, auf der Pressekonferenz der WHO.

Impfstoffe könnten die mit Antibiotikaresistenz verbundenen Krankenhauskosten um bis zu ein Drittel senken und den Antibiotikaverbrauch um etwa 22 Prozent oder 2,5 Milliarden Dosen weltweit reduzieren, führte Hasso-Agopsowicz weiter aus.

Durch Impfstoffe können Infektionen verhindert und die Abhängigkeit von Antibiotika verringert werden, wodurch die Ausbreitung von Resistenzen verlangsamt wird, fügte Yukiko Nakatani, stellvertretende Generaldirektorin der WHO, hinzu.

Das globale Maßnahmenpaket gegen Antibiotikaresistenz soll auch eine „verbesserte Infektionsprävention, den Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten, eine genaue Diagnose und eine angemessene Behandlung“ umfassen, fügte Nakatani hinzu.

In ihrem Bericht konzentrierten sich die Autoren auf 44 Impfstoffe gegen 24 Krankheitserreger, die Antibiotikaresistenz (AMR) reduzieren könnten. Bestehende Impfstoffe könnten bis zu 106.000 AMR-bedingte Todesfälle verhindern. Die in der späteren Entwicklungsphase befindlichen Impfstoffe könnten weitere 135.000 und Impfstoffe in der frühen Entwicklungsphase bis zu 408.000 Todesfälle verhindern.

Zu den neuen Impfstoffen gehört ein Impfstoff für Mütter gegen Sepsis verursachende Klebsiella pneumoniae, der schätzungsweise 27.000 Todesfälle verhindert.

Gleichmäßige Verteilung ist entscheidend

Impfstoffe können jedoch nur dann dazu beitragen, vermeidbare Todesfälle durch Antibiotikaresistenz zu reduzieren, wenn sie weltweit gleichmäßig verteilt werden.

In Pakistan beispielsweise sind die Raten des arzneimittelresistenten Typhus (XDR-Typhus) seit 2016 aufgrund mangelnder Hygiene, übermäßigen Einsatzes von Antibiotika und überlasteter Gesundheitssysteme in die Höhe geschossen.

Die routinemäßige Verteilung des Typhus-Konjugatimpfstoffs (TCV), der zu 97 Prozent wirksam ist, hat dazu beigetragen, Infektionen bei bis zu 30 Millionen Kindern in Pakistan zu verhindern. Die Anzahl der Impfstoffe reichte jedoch nicht aus, wodurch der Norden des Landes nicht versorgt werden konnte.

Auf der diesjährigen UN-Generalversammlung haben sich die Staats- und Regierungschefs der Welt verpflichtet, die Zahl der durch Antibiotikaresistenzen verursachten Todesfälle – auch als „Superbugs“ bekannt – bis zum Ende des Jahrzehnts um zehn Prozent zu senken. Dieses Versprechen könnte nicht eingehalten werden, wenn Impfstoffe gehortet werden, neue klinische Entwicklungen unterfinanziert sind oder die Produktion in lokalen Systemen blockiert wird.

Die Rolle der EU

Der „One Health Action Plan against AMR“ der EU, wurde 2017 von der Generaldirektion für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit vorgestellt. Der Aktionsplan sieht die menschliche Gesundheit als eng mit der von Pflanzen und Tieren verbunden.

Die EU empfiehlt deshalb, den Missbrauch und die übermäßige Verwendung von antimikrobiellen Mitteln bei Tieren und Pflanzen, wie sie in der Massentierhaltung und Aquakultur vorkommen, zu vermeiden. Laut dem Aktionsplan „One Health“ haben Impfstoffe „ein großes Potenzial, die Inzidenz von AMR“ bei allen lebenden Organismen zu reduzieren.

Dieses Engagement wurde in der Globalen Gesundheitsstrategie 2022 der EU aufgegriffen, obwohl unklar ist, wie viele Mittel für Impfstoffe zur Verhinderung von Antibiotikaresistenz (AMR) bereitgestellt wurden.

„Die [Globale Gesundheits-]Strategie legt einen starken Schwerpunkt auf die Bekämpfung von AMR, und die Kommission wird weiterhin der Unterstützung der Entwicklung und des Zugangs zu innovativen medizinischen Gegenmaßnahmen zur Bekämpfung von AMR, einschließlich Impfstoffen, Priorität einräumen“, sagte ein Kommissionssprecher bei der Generaldirektion für internationale Partnerschaften.

[Bearbeitet von Daniel Eck/Kjeld Neubert]