WHO-Bericht: Europäer sind nicht so gesund, wie sie glauben
Europas Performance in zentralen Gesundheitsbereichen stagniert - oder geht sogar zurück. Besonders betroffen sind dabei die Kindersterblichkeit, chronische Krankheiten durch Tabak und Alkohol sowie sinkende Impfquoten, geht aus einem neuen WHO Europa Bericht von Dienstag hervor.
Europas Performance in zentralen Gesundheitsbereichen stagniert – oder geht sogar zurück. Besonders betroffen sind dabei die Kindersterblichkeit, chronische Krankheiten durch Tabak und Alkohol sowie sinkende Impfquoten, geht aus einem neuen WHO Europa Bericht von Dienstag hervor.
Europa genießt den Ruf, einige der weltweit besten Gesundheitssysteme zu haben. Der WHO-Bericht, der 53 Länder umfasst, räumt mit dem Mythos der „sehr guten“ europäischen Gesundheit auf.
„Wir können uns nicht zurücklehnen und selbstzufrieden sagen: ‚Die europäische Region hatte schon immer die beste universelle Gesundheitsversorgung‘“, sagte Dr. Natasha Azzopardi-Muscat, Direktorin der Abteilung für nationale Gesundheitspolitik und -systeme bei der WHO Europa.
„Leider sehen wir, dass in einigen Ländern die Kindersterblichkeit stagniert oder sogar steigt“, betonte Azzopardi-Muscat. Fortschritt dürfe nicht als selbstverständlich angesehen werden.
Laut WHO-Regionaldirektor für Europa Dr. Hans Kluge müsse es deutlich mehr Anstrengung geben. „Mehr vom Gleichen wird einfach nicht ausreichen.“ Ein zentraler Grund für die besorgniserregenden Entwicklungen sei die unzureichende Finanzierung der Gesundheitssysteme.
Fortschritte in einigen Bereichen
Aber es gibt auch positive Entwicklungen, zeigt der alle drei Jahre erscheinende Bericht.
„Die vorzeitige Sterblichkeit durch nichtübertragbare Krankheiten geht in der europäischen WHO-Region zurück, ebenso die Suizidrate“, erklärte Kluge. Auch Tuberkulosefälle gingen zurück.
Trotzdem bleiben nichtübertragbare Krankheiten für 90 Prozent der vermeidbaren Todesfälle in der EU verantwortlich. Die Entwicklung lässt sich teilweise auf hohen Alkohol- und Tabakkonsum zurückführen.
Laut Bericht konsumieren Europäer mit einem Durchschnitt von 8,8 Litern pro Erwachsenem und Jahr weltweit am meisten Alkohol. Auch der Tabakkonsum bleibt mit einer Raucherquote von 25,3 Prozent unter Erwachsenen weiterhin hoch. Damit ist die Region nicht auf Kurs, ihr Ziel einer 30-prozentigen Reduktion des Rauchens bis 2025 im Vergleich zu 2010 zu erreichen.
Positiv sei hingegen, dass mindestens zehn Mitgliedstaaten das WHO-Ziel einer 25-prozentigen Senkung der vorzeitigen Sterblichkeit durch die vier großen nichtübertragbaren Krankheiten – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und Diabetes – bereits erreicht haben.
Kluge zeigte sich nach einem Treffen mit dem Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments (SANT) „optimistisch“ gegenüber einer engeren Zusammenarbeit mit den Abgeordneten.
Impfquoten bleiben hinter den Zielen zurück
In puncto Impfschutz verfehlt Europa weiterhin die WHO-Ziele.
Besonders deutlich zeigt sich das bei der Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV). Infektionen mit HP-Viren gehören zu den am häufigsten durch intime Kontakte übertragenen Infektionen. Die vollständige Impfabdeckung liegt derzeit bei lediglich 35 Prozent.
Im Jahr 2023 wurden außerdem auch rund 58.000 neue Masernfälle registriert.
Laut Kluge seien dafür nicht nur Lücken im Zugang zu Impfstoffen verantwortlich, sondern auch eine „zunehmende Wissenschaftsskepsis“.
Im nächsten Jahr soll der Fokus des WHO-Arbeitsprogrammes auf nichtübertragbaren Krankheiten und der psychischen Gesundheit liegen.
[DE/VB]