Westbalkan: Digital-Gipfel zeigt Defizite auf
Die Balkanstaaten stehen bei ihrer digitalen Transformation vor Herausforderungen. Es würde an digital qualifizierten Arbeitskräften mangeln, gebe Lücken in der Infrastruktur und bei digitalen Behördendienste, so Teilnehmer des Western Balkan Digital Summit.
Die Balkanstaaten stehen bei ihrer digitalen Transformation vor Herausforderungen. Es würde an digital qualifizierten Arbeitskräften mangeln, gebe Lücken in der Infrastruktur und bei digitalen Behördendienste, so Teilnehmer des Western Balkan Digital Summit.
Der Western Balkan Digital Summit fand zum sechsten Mal am 4. und 5. Oktober in Sarajevo statt. Er soll dabei helfen, die Zusammenarbeit in den Bereichen digitale Transformation, Innovation und Konnektivität zu fördern, um die Digitalisierung der Region voranzutreiben.
So sind beispielsweise mehr als 500 Grund- und Sekundarschulen in Bosnien und Herzegowina von Internetmängeln betroffen.
„Die digitale Entwicklung sollte allen Menschen zur Verfügung stehen, unabhängig von ihrem sozialen und wirtschaftlichen Status, ihrem Alter oder ihrer geografischen Lage. Die Region sollte den Zugang zur digitalen Technologie für alle Bürger sicherstellen, um die digitale Kluft zu verringern und eine wohlhabendere Zukunft aufzubauen“, erklärte der bosnische Minister für Kommunikation und Verkehr Edin Forto.
„Der Gipfel wird dazu beitragen, günstigere Voraussetzungen für Investitionen, die Entwicklung von Start-ups und den Wissensaustausch zu schaffen“, so Forto weiter.
Die Veranstaltung brachte Regierungsvertreter, Branchenführer und Experten aus dem digitalen Sektor zusammen, darunter Roberto Viola, Direktor der Direktion für Konnektivität der Europäischen Kommission, und Stefan Schnorr, Bundesstaatssekretär für Digitales.
„Es geht darum, Ideen und Best-Practice-Erfahrungen auszutauschen und die Zusammenarbeit der Teilnehmerstaaten zu vertiefen“, so Schnorr gegenüber Euractiv.
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Die digitale Sphäre des Balkans
Im Jahr 2018 initiierte die Europäische Kommission die Digitale Agenda für die westlichen Balkanstaaten, um den digitalen Wandel dieser Länder zu begleiten.
Im Rahmen der Digitalen Agenda für die westlichen Balkanstaaten hat die Kommission zusammen mit Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien Investitionen in Breitbandanschlüsse, Cybersicherheit, Forschung und Entwicklung für eine digitale Wirtschaft vereinbart.
Im Juni kündigte die EU ein neues Investitionspaket in Höhe von 2,1 Milliarden Euro für 14 Projekte in den westlichen Balkanstaaten an.
Ein Projekt in Bosnien und Herzegowina befasst sich mit der digitalen Entwicklung. „Go Digital in the Western Balkans“ ist ein Projekt, das darauf abzielt, kleine und mittlere Unternehmen bei ihren Investitionen in die digitale Transformation zu unterstützen.
Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), der Europäischen Union (EU) und der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ins Leben gerufen.
Agenda des Gipfels 2023
Laut Schnorr bestehe eine der Hauptaufgaben des Gipfels darin, die digitale Infrastruktur zu stärken, die Sicherheit der Netze zu gewährleisten und das „digitale Unternehmertum als Mittel zur wirtschaftlichen Stärkung“ zu fördern.
Ein weiteres Ziel ist es, ein Zeichen der Offenheit für die Zusammenarbeit mit anderen Regionen und globalen Partnern zu setzen und die Themen Cybersicherheit und Schutz der Privatsphäre zu behandeln.
Violo betonte, dass die Cybersicherheit eng mit der digitalen Sphäre verbunden ist und eine hohe Priorität auf der Agenda der EU hat.
„Wir verurteilen die Cyberangriffe in der Region aufs Schärfste. Die EU beteiligt sich aktiv an verschiedenen Initiativen zur Verbesserung der Cyberkapazitäten, einschließlich der Vorbereitung auf die Reaktion auf schädliche Cyberangriffe“, sagte er.
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Das Engagement Deutschlands
Im Jahr 2014 wurde der „Berliner Prozess“ ins Leben gerufen, um die Zusammenarbeit zwischen den sechs westlichen Balkanstaaten und den EU-Institutionen, internationalen Finanzinstitutionen, der Zivilgesellschaft und weiteren Akteuren zu fördern.
„Deutschland engagiert sich seit langem im Rahmen des […] Berlin-Prozesses dafür, die Westbalkanländer auf ihrem Weg zur europäischen Integration zu unterstützen“, so Schnorr.
Zu den Zielen des Berliner Prozesses gehören die Aussöhnung der regionalen Gesellschaften, die Verbesserung der regionalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit und die Sicherung eines nachhaltigen Wachstums.
„Unser Ziel ist es, die digitale Transformation in den westlichen Balkanländern voranzutreiben, die Wirtschaft zu stärken und insbesondere die Stabilität in der Region zu fördern“, sagte Schnorr gegenüber Euractiv.
Obwohl das Gipfeltreffen nicht Teil der Vorbesprechungen des Berliner Gipfels ist, die derzeit in Tirana stattfinden, wird es nichtsdestotrotz als ein wichtiger Teil der regionalen Zusammenarbeit angesehen.
[Bearbeitet von Alice Taylor/Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]