Wenn Personalchefs in peinlichen Bildern stöbern

Peinliche Partybilder im Internet können den Job kosten, bevor man ihn hat. Immer mehr Firmen recherchieren im Internet über Jobbewerber und stöbern in sozialen Netzwerken. Ungünstige Suchergebnisse wie Privatfotos oder abfällige Kommentare über einen Arbeitgeber können dazu führen, dass eine Bewerbung sofort aussortiert wird. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) appelliert, mit privaten Daten vorsichtig umzugehen, und stützt sich dabei auf eine Studie.

Glück gehabt: Das Gesicht ist nicht identifizierbar, das Foto kann nicht schaden (Foto: dpa)
Glück gehabt: Das Gesicht ist nicht identifizierbar, das Foto kann nicht schaden (Foto: dpa)

Peinliche Partybilder im Internet können den Job kosten, bevor man ihn hat. Immer mehr Firmen recherchieren im Internet über Jobbewerber und stöbern in sozialen Netzwerken. Ungünstige Suchergebnisse wie Privatfotos oder abfällige Kommentare über einen Arbeitgeber können dazu führen, dass eine Bewerbung sofort aussortiert wird. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) appelliert, mit privaten Daten vorsichtig umzugehen, und stützt sich dabei auf eine Studie.

Mehr als ein Viertel der Firmen nutzt das Internet für Personalentscheidungen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage zur Internetnutzung von Unternehmen zur Vorauswahl bei Personalentscheidungen. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hatte diese Studie in Auftrag gegeben und warnt Verbraucher nun vor einem allzu sorglosen Umgang mit persönlichen Informationen im Internet.

Internetpräsenz kann aber auch helfen

An der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts dimap zur Nutzung persönlicher Informationen aus dem Internet haben 500 Unternehmen teilgenommen. 28 Prozent der teilnehmenden Firmen gab zu, bei der Personalentscheidung auf Informationen aus dem Internet zurückzugreifen. In einigen Fällen führt diese Vorabinformation dazu, dass Bewerber gar nicht erst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden.

Rund die Hälfte der Personaler gibt jedoch an, dass Bewerber aufgrund ihrer Präsenz im Internet für das Unternehmen sogar interessanter werden könnten.

In sozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ oder Wer-kennt-Wen informieren sich die zukünftigen Arbeitsgeber nicht nur über Hobbys und soziales Engagement, sondern suchen auch die privaten Fotoalben auf sogenannte Partybilder ab. Bilder aus dem Nachtleben der Nutzer bewerten knapp die Hälfte der Unternehmen als negativ. Nur 43 Prozent geben an, dass sie sich von privaten Bildern nicht beeinflussen lassen.

Besagte Internetplattformen dienen den Nutzern in der Regel, um mit Freunden, Kommilitonen oder Kollegen aus aller Welt Kontakt zu halten. Immer mehr werden auf den Benutzerprofilen Angaben zu politischen Sympathien, Beziehungsstatus und persönlichen Interessen gemacht. Private Fotos können nicht nur vom Nutzer selbst, sondern auch von jedem anderen Nutzer onlinegestellt und dann verlinkt werden.

Im Internet entbrennt nun eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Nachforschungen von Arbeitgeberseite. Problematisch sei vor allem die Verifizierung der gefundenen Daten. Es sei schwer zu überprüfen, ob Stellungnahmen zu ehemaligen Arbeitgebern oder andere kritisch zu bewertende Aussagen tatsächlich vom Bewerber vorgenommen wurden.

Ergebnisse auf einen Blick:

  • Über ein Viertel der befragten Unternehmen nutzen das Internet für Personalentscheidungen (28 Prozent).
  • Immerhin 36 Prozent informieren sich auch über soziale Netzwerke (20 Prozent gelegentlich oder regelmäßig, 16 Prozent selten). Fast zwei Drittel beschränken sich auf allgemein zugängliche Informationen.
  • Großunternehmen recherchieren bei der Personalauswahl mehr im Internet als kleinere Unternehmen (über 1000 Mitarbeiter 46 Prozent, unter 100 Mitarbeiter 21 Prozent).

Von den Unternehmen, die zur Personalauswahl im Internet recherchieren:

  • Fast 80 Prozent der Unternehmen nutzen das Internet bereits vor der Einladung zum Vorstellungsgespräch.
  • Bei einem Viertel der Unternehmen kommt es vor, dass Bewerber wegen Informationen aus dem Internet nicht eingestellt werden. Für 56 Prozent kann jemand aber auch genau wegen der Informationen aus dem Internet interessanter werden.
  • Ablehnend bewerten potenzielle Arbeitgeber negative Aussagen über die Arbeit oder das Arbeitsumfeld (76 Prozent). Ebenfalls negativ ist es, wenn private Inhalte auf den Internetseiten von den Aussagen in der Bewerbung abweichen (49 Prozent) (Glaubwürdigkeit). Positiv sind für fast zwei Drittel der Internet nutzenden Unternehmen Hobbies und soziales Engagement. Auch sehr private Bilder („Partybilder“) sind für fast die Hälfte der Unternehmen negativ, 43 Prozent bewerten dies neutral.

Aigners Appell: Auf Daten achten

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) appellierte an die Bewerber, mit ihren Daten sehr vorsichtig umzugehen. „Sie sollten genau überlegen, was Sie mit Ihren Daten tun“, wird Aigner zitiert.

Die Sprecherin der Ministeriums, das die Studie in Auftrag gegeben hatte, sagte am Freitag auf Anfrage von EURACTIV.de, über diesen Appell hinaus sei nichts weiter geplant. Es werde demnach auch keine Beratung des Verbraucherschutzministeriums geben, wie sich Betroffene verhalten könnten, nachdem sie allein infolge der Rechercheergebnisse im Netz erst gar nicht zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden sind. Möchte man sich gegen Diskriminierung wehren oder ist man auf Grund eines Missverständnisses oder einer Manipulation durch Dritte unvorteilhaft ins Internet geraten, sollte man den Rechtsweg beschreiten, meinte die Sprecherin.

Lusia Jacobs, Ewald König

(Ein europaweiter Vergleich folgt in Kürze.)

Link zur Umfrage zu Haltung und Ausmaß der Internetnutzung von Unternehmen zur Vorauswahl bei Personalentscheidungen: Umfrage