Weniger Hering für Europas Fischer
Es ist ein erster Erfolg für Fischereikommissarin Maria Damanaki: Die EU-Agrarminister wollen die Fangquoten für Heringe deutlich senken. Während EU-Abgeordnete die Entscheidung begrüßen, spricht der Landesverband der Küstenfischer von einer "einzigen Katastrophe".
Es ist ein erster Erfolg für Fischereikommissarin Maria Damanaki: Die EU-Agrarminister wollen die Fangquoten für Heringe deutlich senken. Während EU-Abgeordnete die Entscheidung begrüßen, spricht der Landesverband der Küstenfischer von einer „einzigen Katastrophe“.
Die Ostsee-Fischer sollen im kommenden Jahr weniger Hering fangen. Die EU-Agrarminister einigten sich am Dienstag (26. Oktober) nach fast zwölfstündigen Verhandlungen darauf, die Fangmengen um 30 Prozent zu senken. Damit konnte EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki ihre Vorstellungen durchsetzen.
Norbert Kahlfuß, Vorsitzender des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, nannte die Entscheidung eine "einzige Katastrophe". Die Absenkung der Quoten in der westlichen Ostsee treffe vor allem kleine Fischereibetriebe, die mit der Stellnetzfischerei besonders nachhaltige Fischerei betrieben. Etwa 400.000 Arbeitsplätze hängen in Europa an der Fischereiindustrie.
Die EU-Abgeordnete Ulrike Rodust, fischereipolitische Sprecherin der Sozialdemokraten zeigte sich dagegen zuversichtlich, dass die Entscheidung auch bei den Fischern auf Verständnis stoßen werde: "Langfristig wird die heutige Zurückhaltung zu größeren Fischbeständen und damit auch zu einem besseren Auskommen der Fischer führen."
Umkämpftes Ergebnis
Bei ihrem Treffen in Luxemburg stritten die EU-Minister bis zum Abend über die künftigen Fangquoten. Vor allem die baltischen Staaten und Polen wehrten sich laut EU-Diplomaten gegen die Beschränkungen.
In Zukunft sollen sich die Fangquoten an wissenschaftlichen Empfehlungen orientieren, statt an den politischen Interessen der Mitgliedsstaaten. Organisationen wie der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) fordern seit langem drastische Fangbeschränkungen.
Fangmengen für Sprotten werden um 24 Prozent abgesenkt, für Lachs um 15 Prozent. Die EU-Minister entschieden damit letztlich gegen den Willen der EU-Kommission, die auch für Sprotten einen Rückgang von 30 Prozent vorgeschlagen hatte. "Ich bin sehr enttäuscht über diese Einigung" sagte Damanaki. "Das macht es uns schwieriger, die Bestände zu schützen."
Einhaltung besser überprüfen
Die Fischbestände der Ostsee sind stark dezimiert. Derzeit gibt es in der westlichen Ostsee weniger Heringe als je zuvor. Auch andere Fischarten sind bedroht: Die Rotbarschbestände sind auf fünf Prozent ihrer ursprünglichen Menge geschrumpft und der europäische Aal ist vom Aussterben bedroht. Grund für den dramatischen Rückgang des Fischbestandes ist die intensive Fischerei. Mittlerweile gelten 90 Prozent der europäischen Fischbestände als überfischt.
In Zukunft soll die Einhaltung der Fangquoten besser überprüft werden. Dafür sollen unter anderem Kameras an Bord eingesetzt werden. Damit will Damanaki auch den so genannten "Rückwurf" verringern. Dabei werfen Fischer kleine oder minderwertige Fische wieder über Bord. Auf diese Weise bleibt die Quote zwar niedrig, doch die Fische überleben dies meist nicht.
Gemeinsame Lösung für Ost- und Nordsee?
Nach den Fangmengen für die Ostsee sollen im November die Fangquoten für die Nordsee neu festgelegt werden. Deutschland hat vorgeschlagen, die Herings-Fangmengen in Ostsee und Nordsee gemeinsam zu verhandeln.
Die Herings-Fangmengen in der westlichen Ostsee und der angrenzenden Nordsee müssten gleich sein, forderte der Staatssekretär im deutschen Landwirtschaftsministerium, Robert Kloos. "Der Hering ist sehr mobil. Es gibt einen gemeinsamen Bestand in Nordsee und westlicher Ostsee."
hme
Links
Mehr zum Thema:
EURACTIV.de: EU-Fischereipolitik: "Ende des Kuhhandels"? (8. September 2010)
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Informationen:
EU-Rat: Ergebnisse des Ratstreffens (26. Oktober 2010)
EU-Kommission: Gemeinsame Fischereipolitik
EU-Kommission: Grundverordnung zur Gemeinsamen Fischereipolitik 