Studie: Österreicher zweifeln an Integration

Ein Fünftel der österreichischen Bevölkerung hat selbst Migrationshintergrund. Dennoch werden die Österreicher beim Thema Integration immer skeptischer.

Euractiv.de
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Sprachunterricht als Voraussetzung für eine Flüchtlingsintegration [Foto: Carmen Jaspersen/dpa ]

Ein Fünftel der österreichischen Bevölkerung hat selbst Migrationshintergrund. Dennoch werden die Österreicher beim Thema Integration immer skeptischer.

Der jüngste vom für Integrationsfragen zuständigen Bundesministerium vorgelegte Bericht zeigt eine interessante Entwicklung auf: Die Zuwanderung nimmt zwar einerseits ab, auch als eine Folge der Schließung der Balkanroute. Doch gleichzeitig steigt in der Bevölkerung die Skepsis gegenüber der Integrationsfähigkeit der Zugewanderten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Einstellung der Österreicher noch um zwölf Prozent verschlechtert. Die Hälfte der Bevölkerung ist heute der Meinung, dass die Integration „eher schlecht“ funktioniert, 16 Prozent sehen sie sogar als „sehr schlecht“ .

Bemerkenswert ist auch, dass vor allem bei den türkischen Zu- und Einwanderern ein Entfremdungsprozess eingesetzt hat. Während unter den Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien nur 31 Prozent noch ihrer alten Heimat anhängen, sind dies bei den Türken gleich 57 Prozent. Auch die Integrationsfähigkeit ist bei den Serben, Kroaten und Bosniern eine viele bessere als bei jenen, die aus dem Land am Bosporus nach Mitteleuropa gekommen sind. Hier spielt offenbar die nationalistische Politik des Erdogan-Regimes eine nicht unwesentliche Rolle.

Jeder Fünfte hat Migrationshintergrund

Studiert man die Zahlen im Detail, so haben 22 Prozent der 8,6 Millionen Einwohner einen Migrationshintergrund erste und zweite Generation. Das heißt sie selbst oder ihre Eltern sind aus dem Ausland zugewandert. Wenngleich gegenüber 2015 ein deutlicher Rückgang bei den Zuzügen aus dem Ausland eingetreten ist, so bewegt sich die Zuwanderung für ein kleines Land wie Österreich noch immer auf einem beachtlichen Niveau.

Betrug das sogenannte Wanderungssaldo 2015 exakt 113.067 Personen, so belief es sich im vergangenen Jahr noch immer auf 64.676 Zuzüge. Bei den Aslyanträgen liegen übrigens Afghanen vor Syrern deutlich an der Spitze, während die Iraker von 2015 auf 2016 weit abgefallen sind.

Für den Integrationsexperten und Verfasser der Studie, Heinz Fassmann, steht damit fest, dass Österreich als Hochlohnland mit sozialer Sicherheit und einem leistbaren starken Bildungssystem auch weiterhin ein attraktives Ziel bleiben werde. Das gelte sowohl für Flüchtlinge als auch für gut qualifizierte Arbeitskräfte aus anderen EU-Staaten und für Studenten.

Integration ist und bleibt alternativlos

Der Integrationsoptimismus der Österreicher hat sich im vergangenen Jahr trotz rückläufiger Asylzahlen sogar noch verschlechtert. Dabei müsse, so Faßmann, allen bewusst sein, dass die Integration an sich letztlich alternativlos ist. Denn erst mit der Aufnahme in den Arbeitsmarkt kann es auch positive ökonomische Effekte geben. Sowohl für die betroffenen Menschen als auch für den Staat. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen zeigt sich jedenfalls, dass die Integration der in den vergangenen zwei Jahren nach Österreich gekommenen Flüchtlinge noch „ein langer Weg sein wird“.

Integrationsminister Sebastian Kurz legte in diesem Zusammenhang auch noch Zahlen vor, die den finanziellen Einsatz dokumentieren, den Österreich geleistet hat und noch leistet. So ist bis 2019 mit Kosten zur Bewältigung der Flüchtlingsaufnahme, der Schulungen und Kurse sowie der Schaffung eines sozialen Auffangnetzes von etwa 12 Milliarden Euro zu rechnen.

Für Kurz heißt dies, dass wenn man einen Wohlfahrtsstaat europäischer Prägung auch weiterhin aufrecht erhalten will, dann sei eine Zuwanderung wie in den vergangenen beiden Jahren höchst problematisch. Ziel müsse daher sein, sowohl national als auch international den Flüchtlingsströmen entgegenzutreten: „Nachhaltig hilft man vor Ort.“ Österreich müsse in die Position kommen selbst zu entscheiden, wer zuwandert und wer nicht: „Das kann nicht die Entscheidung der Schlepper sein.“