Weltgesundheitsgipfel: Finanzierungs- und Vertrauenskrise der WHO
Nur zwölf Prozent der WHO-Gelder stammen aus vorhersehbaren Zuwendungen. Während sich der Weltgesundheitsgipfel 2024 auch auf Themen wie Antibiotikaresistenz und KI im Gesundheitswesen konzentrieren wird, steht die WHO-Investitionsrunde im eigentlichen Mittelpunkt.
Nur zwölf Prozent der WHO-Gelder stammen aus vorhersehbaren Zuwendungen. Während sich der Weltgesundheitsgipfel 2024 auch auf Themen wie Antibiotikaresistenz und KI im Gesundheitswesen konzentrieren wird, steht die WHO-Investitionsrunde im eigentlichen Mittelpunkt.
Der Weltgesundheitsgipfel (World Health Summit) findet vom 13. bis 15. Oktober in Berlin unter dem Motto „Building Trust for a Healthier World“ [Vertrauen schaffen für eine gesündere Welt] statt. Die Veranstaltung bringt über 350 Redner aus mehr als 100 Ländern zusammen.
Ein Höhepunkt wird die Spendenveranstaltung für die WHO-Investitionsrunde am Montagabend (14. Oktober) sein. Ziel ist es, einen neuen Finanzierungsmechanismus zur Unterstützung der Mission „Gesundheit für alle“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf den Weg zu bringen.
„Alles, was wir tun, hängt vom Vertrauen der Gemeinschaften ab, denen wir dienen, […] und von den Mitgliedstaaten, die die globale Gesundheitsagenda festlegen und uns die Ressourcen anvertrauen, um sie umzusetzen“, sagte der Generaldirektor der WHO, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, zur Eröffnung am Sonntagabend (13. Oktober).
„Die Umsetzung dieser Strategie erfordert eine starke und nachhaltig finanzierte WHO, weshalb wir die erste WHO-Investitionsrunde […] gestartet haben, um unsere Rolle in den nächsten vier Jahren zu erfüllen.“
„Wir müssen die Zusammenarbeit und das Vertrauen innerhalb und zwischen Wissenschaft, Politik, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft stärken“, sagte der Präsident des Gesundheitsgipfels (WHS), Axel Radlach Pries, gegenüber Euractiv. „Dies ist keine leichte Aufgabe in Zeiten zahlreicher Herausforderungen, von Pandemien bis hin zu anhaltenden Ungleichheiten, aber der WHS ist ein optimaler Ausgangspunkt.“
Die Finanzierung
Das aktuelle Finanzierungsdefizit der WHO schränkt ihre Möglichkeit ein, globale Gesundheitsprobleme wirksam anzugehen.
Für den Zeitraum 2022–2023 beläuft sich das Budget der Weltgesundheitsorganisation auf 6,34 Milliarden Euro. Das sind weniger als die Hälfte der 14,15 Milliarden Euro, die die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung für denselben Zeitraum zur Verfügung stellt und ein Betrag, der für das weitreichende Mandat der WHO nicht ausreicht.
Die Haushaltsstruktur der Organisation verschärft das Problem. Nur ein kleiner Teil ihrer Mittel stammt aus vorhersehbaren, flexiblen Pflichtbeiträgen (ACs), während 88 Prozent auf freiwilligen Beiträgen (VCs) beruhen.
Freiwillige Beiträge sind oft für bestimmte Projekte vorgesehen und stammen von einer kleinen Gruppe wohlhabender Spender. Demnach konzentrieren sich beispielsweise mehr als 60 Prozent der WHO Mittel auf nur neun Geber, was ihre Autonomie und Flexibilität bei der Reaktion auf Gesundheitskrisen einschränkt.
Im Mai 2023 einigten sich die WHO-Mitgliedstaaten darauf, die Pflichtbeiträge bis 2030–2031 auf 50 Prozent des Budgets zu erhöhen. Trotzdem dominieren freiwillige Beiträge nach wie vor.
Ob die jüngsten Reformen und der Gesundheitsgipfel eine flexiblere Finanzierung bringen werden, bleibt ungewiss.
„Keine Gesundheit ohne Frieden“
In seiner Ansprache machte WHO-Generaldirektor Tedros auf die humanitären Krisen im Sudan, im Tschad, im Gazastreifen und im Libanon aufmerksam. Besonders konzentrierte er sich dabei auf die verheerenden Folgen für Frauen und Kinder.
Ohne die Täter beim Namen zu nennen, betonte er die weit verbreiteten Opfer und Vertreibungen durch Konflikte.
„Ich bin ein Kriegskind. Das Einzige, was ich gesehen habe, war Zerstörung“, sagte er, und betonte, dass „Frieden die beste Medizin ist“.
Er verlieh auch seiner Hoffnung Ausdruck, dass diese Botschaft zum Thema des Gesundheitsgipfels im nächsten Jahr wird. Seine Überzeugungen bekräftigte er mit der Aussage, dass „es keine Gesundheit ohne Frieden und keinen Frieden ohne Gesundheit gibt“.
Der Weltgesundheitsgipfel 2024 befasst sich mit drängenden globalen Gesundheitsherausforderungen. Der Schwerpunkt liegt auf Finanzierungsstrategien zur Umsetzung von Verpflichtungen, der Bekämpfung der Antibiotikaresistenz und der Verbesserung der Gesundheit von Frauen und Kindern.
In den Mittelpunkt wird auch der dringende Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit gerückt und über gerechte Lösungen sowie die transformative Rolle der KI bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens diskutiert.
Zu den Hauptrednern der Veranstaltung gehört neben Bundeskanzler Olaf Scholz und Gesundheitsminister Karl Lauterbach auch die französische Gesundheitsministerin Geneviève Darrieussecq (MoDem/Renew), Bill Gates, und der griechische Gesundheitsminister Spyridon-Adonis Georgiadis (ND/EPP).
[Bearbeitet von Martina Monti/Kjeld Neubert]