Welche Abwehr im Cyberkrieg?

Seit Stuxnet und Wikileaks hat das Thema Cyberkrieg wieder Konjunktur. Die Bundesregierung macht nun gegen zunehmende ausländische Angriffe auf Computer deutscher Behörden mobil. Derweil sucht die EU nach Wegen, wie Staaten für die Sicherheit im Internet haftbar gemacht werden können.

Wieder Hacker-Angriffe auf Server? Manchmal braucht man die Brille dafür. Foto: dpa
Wieder Hacker-Angriffe auf Server? Manchmal braucht man die Brille dafür. Foto: dpa

Seit Stuxnet und Wikileaks hat das Thema Cyberkrieg wieder Konjunktur. Die Bundesregierung macht nun gegen zunehmende ausländische Angriffe auf Computer deutscher Behörden mobil. Derweil sucht die EU nach Wegen, wie Staaten für die Sicherheit im Internet haftbar gemacht werden können.

"Es ist in der Planung, dass wir 2011 ein sogenanntes Nationales Cyber-Abwehrzentrum schaffen möchten", sagte ein Sprecher von Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Montag (27. Dezember) in Berlin.

Es solle beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie angesiedelt werden und mit dem Verfassungsschutz, dem Auslandsgeheimdienst BND, der Katastrophenhilfe, anderen Behörden sowie der Wirtschaft und Internet-Anbietern kooperieren.

Die meisten Angriffe aus China

"Es entsteht keine neue Behörde", sagte der Sprecher. "Es geht darum, vorhandenes Know-how im Bereich der Cyber-Abwehr zu bündeln."

Das Ministerium sieht sich durch die sprunghaft steigenden Attacken auf deutsche Behördenrechner zum Handeln gezwungen. Zwischen Januar und September registrierte das Bundesamt für Verfassungsschutz 1.600 Angriffe – die meisten davon aus der Volksrepublik China.

Im gesamten Jahr 2009 waren es noch 900. "Es gibt eine deutliche Zunahme dieser sogenannten elektronischen Angriffe auf deutsche Regierungsnetze", sagte der Ministeriumssprecher.

"Erwachen aus dem Dornröschenschlaf"

Sandro Gaycken vom Institut für Technikphilosophie und Wissenschaftstheorie der Universität Stuttgart spricht im Interview mit dem Deutschlandfunk von einem "Erwachen aus dem Dornröschenschlaf". Der Politik müsse man zwar den Vorwurf machen, "geschlafen" zu haben, dies hätten jedoch weltweit alle getan. Regierungen, die "Hackertruppen" haben, seien ein neues Phänomen, auf das man sich auch neu einrichten müsse.

Deutschland sei gegen Angriffe aus dem Netz derzeit schlecht aufgestellt, so Gaycken. Insbesondere Infrastrukturen in den Bereichen Strom, Wasser und Gas seien im Moment sehr verwundbar. Zwar sei die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs hier nicht so groß, der potenzielle Schaden wäre jedoch enorm. Man müsse von einem sehr hohen Risiko sprechen und sobald wie möglich Maßnahmen ergreifen.

EU will globalen Datenfluss absichern

Derweil sucht die EU nach Wegen, wie Staaten für die Sicherheit im Internet verantwortlich und haftbar gemacht werden können. Eine vom EU-Rat bestätigte Expertengruppe prüft, welche Möglichkeiten es für die EU-Staaten gibt, gemeinsam Verantwortung für das globale Netz zu übernehmen.

Wolfgang Kleinwächter, Völkerrechtler an der Universität Aarhus und Vorsitzender der Internet-Expertengruppe, erklärte der "Zeit" zufolge, das Ziel der Untersuchung sei dafür zu sorgen, dass der globale Datenfluss abgesichert wird. Man wolle erreichen, dass Grundrechts-, Zugangs- und Kooperationsprinzipien für das Netz international festgeschrieben werden.

Zudem wolle man die Staaten dazu verpflichten, Gewährleistung für kritische Infrastrukturen zu übernehmen, so Kleinwächter. Dies solle durch ein "Geflecht aus zwischenstaatlichen und gemischt öffentlich-privaten Vereinbarungen" erzielt werden.

dto mit EURACTIV / rtr

Links

Deutschlandfunk: Technikwissenschaftler warnt vor offenen Netzwerken im "Cyberkrieg" (28. Dezember 2010)

Die Zeit: Braucht es Notstandsregeln fürs Netz? (27. Dezember 2010)

Council of Europe: Ad hoc Advisory Group on Cross-border Internet