Weinmarkt: Experten empfehlen alkoholarme Weine und Klimapläne

Experten empfehlen Maßnahmen zur Stabilisierung des Weinmarktes, darunter Rebenausreißprogramme und den Einsatz von Fungiziden im ökologischen Anbau. Auch die Förderung alkoholarmer Weine aus gesundheitlichen und marktstrategischen Gründen wird vorgeschlagen.

EURACTIV.com
Grape harvest on the Lower Moselle
Laut einem Entwurf der HLG hat Wein einen „großen Wert für die gesamten EU-Lebensmittelexporte“, kämpfe jedoch mit sinkendem Konsum, strukturellem Überangebot, ungünstigen klimatischen Bedingungen und neuen Verbraucherwünschen. Die zuletzt stark gestiegenen Energie- und Inflationskosten verstärken dies. [Photo by Thomas Frey/picture alliance via Getty Images]

Experten empfehlen Maßnahmen zur Stabilisierung des Weinmarktes, darunter Rebenausreißprogramme und den Einsatz von Fungiziden im ökologischen Anbau. Auch die Förderung alkoholarmer Weine aus gesundheitlichen und marktstrategischen Gründen wird vorgeschlagen.

Die High Level Group (HLG), bestehend aus Experten und Interessengruppen der EU-Kommission sowie den Mitgliedstaaten, trat am 11. September erstmals zusammen, um Lösungsansätze für die anhaltende Krise im Weinsektor zu erarbeiten.

Wein hat laut dem Entwurf „große Bedeutung für die gesamten EU-Lebensmittelexporte“, sieht sich jedoch mit Herausforderungen wie sinkendem Konsum, strukturellem Überangebot, ungünstigen klimatischen Bedingungen und sich wandelnden Verbraucherpräferenzen konfrontiert. Diese Probleme werden durch die zuletzt stark gestiegenen Energie- und Inflationskosten weiter verschärft.

Ziel der Gruppe ist es, politische Empfehlungen zu entwickeln, um dem Sektor aus der Krise zu helfen. Am Freitag (15. November) beginnen die Beratungen über den Entwurf; eine finale Version des Dokuments soll am 16. Dezember verabschiedet werden.

Im Entwurf empfiehlt die Gruppe, das Überangebot durch dauerhafte nationale Rebenausreißprogramme zu verringern, die mit staatlichen Beihilfen unterstützt werden. Diese Programme sollen in enger Abstimmung mit der Verwaltung der Pflanzrechte erfolgen, damit die Mitgliedstaaten das EU-System zur Begrenzung der Rebfläche flexibler handhaben können.

Darüber hinaus sollen die Weinbauregionen Klimaanpassungspläne erstellen, die alle relevanten Maßnahmen zur Unterstützung des Sektors umfassen.

Die Gruppe fordert zudem die Expertengruppe für Bioproduktion auf, ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Fungizid Kaliumphosphonat im Bio-Weinbau zu überdenken. Es soll als Alternative zu Kupfer dienen, das seit 2019 eingeschränkt ist.

Der Entwurf fordert außerdem eine Aktualisierung der technischen EU-Vorschriften, etwa der Vorschriften für ökologische Verfahren. Ziel ist es, alkoholarme Weine und „vollständig oder teilweise entalkoholisierte“ Optionen zu erleichtern und der neuen Nachfrage gerecht zu werden.

Die Förderung von Weinen mit niedrigem Alkoholgehalt wird als „Möglichkeit zur Erkundung“ angesehen, um „gesundheitliche Aspekte zu berücksichtigen“.

Abschließend hebt das Dokument den „Sonderstatus“ des Weins im Vergleich zu anderen alkoholischen Getränken hervor und betont dessen „große Bedeutung für den Wohlstand ländlicher Gebiete“.

Aktuelle Daten

Am Donnerstag (14. November) veröffentlichten Copa und Cogeca aktuelle Zahlen, die die Schwierigkeiten des Weinsektors verdeutlichen.

Die geschätzte Wein- und Mostproduktion für 2024 beläuft sich auf 144 Millionen Hektoliter, was einem Rückgang von fast drei Prozent gegenüber 2023 und zehn Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt entspricht.

„Dieser Rückgang spiegelt die anhaltenden Herausforderungen wider, mit denen der Sektor konfrontiert ist, insbesondere im Hinblick auf ungünstige klimatische Bedingungen“, erklärte der Dachverband der europäischen Landwirte in einer den Daten beigefügten Mitteilung.

Die Situation scheint vor allem in Frankreich kritisch zu sein, wo die Produktion innerhalb eines Jahres um 22 Prozent eingebrochen ist. Auch in Deutschland und Portugal ging die Produktion um 8,7 beziehungsweise 7,9 Prozent zurück.

In Italien und Spanien stieg sie dagegen um sieben beziehungsweise 17,6 Prozent. Dennoch „haben alle großen Erzeuger ihre durchschnittliche Produktion der letzten fünf Jahre nicht erreicht“, teilten Copa und Cogeca mit.

Laut Luca Rigotti, dem Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Wein der beiden Verbände, „bestätigen die diesjährigen Produktionszahlen lediglich den Markttrend“.

„Der europäische Weinmarkt durchläuft eine schwierige und komplexe Phase, in der hohe Produktionskosten und internationale Dynamiken den Markt beeinflussen“, fügte er hinzu.

[Bearbeitet von Martina Monti/Jeremias Lin]