Waldbrände in Spanien: 16 Regionen zu Katastrophengebieten erklärt
Spaniens Ministerrat hat am Dienstag 16 der 17 autonomen Regionen des Landes zu „Katastrophengebieten“ erklärt, nachdem extreme Waldbrände Hunderttausende Hektar Land verwüstet und politische Auseinandersetzung in Madrid entfacht haben.
Der spanische Ministerrat hat am Dienstag 16 der 17 autonomen Regionen des Landes zu „Katastrophengebieten“ erklärt, nachdem extreme Waldbrände Hunderttausende Hektar Land verwüstet und eine heftige politische Auseinandersetzung in Madrid entfacht haben.
Das Innenministerium bestätigte, dass die Einstufung für alle Regionen außer dem Baskenland gilt und staatliche Hilfen für Anwohner, Unternehmen, Kommunen und Autonomieregionen freigibt. Diese umfassen unter anderem Entschädigungen für Sachschäden nach dem Gesetz über das Nationale Katastrophenschutzsystem.
Mehr als ein Dutzend Brände wüten weiterhin, vor allem in León, Galicien und Zamora. Die nationale Wetteragentur warnt unterdessen weiter vor „extremen“ Waldbrandgefahren.
„Wir stehen vor einer der größten Umweltkatastrophen der letzten Jahre“, sagte Innenminister Fernando Grande-Marlaska auf einer Pressekonferenz nach der Sitzung des Ministerrats.
Schätzungen zufolge wurden in den vergangenen Wochen rund 400.000 Hektar Land von den Bränden erfasst, am stärksten betroffen sind Kastilien und León sowie Galicien. Innenminister Grande-Marlaska führte die Zerstörung auf die heftigste Hitzewelle seit 1975 zurück: Die Temperaturen lagen Mitte August im Schnitt 4,6 Grad über dem Normalwert.
In einem Interview mit dem Radiosender OndaCero erklärte Virginia Barcones, Leiterin des nationalen Katastrophenschutzes, alle Verwaltungsebenen müssten nach dem Ende der Brände eine „gründliche und ehrliche Reflexion darüber führen, wie das nationale Katastrophenschutzsystem insgesamt gestärkt werden kann“.
Um politische Geschlossenheit im Kampf gegen die Krise zu erreichen, leitete Ministerpräsident Pedro Sánchez am Dienstag die erste interministerielle Kommission zum Klimawandel und forderte die Opposition auf, an einem staatlichen Pakt zur Bewältigung künftiger Krisen mitzuwirken.
Doch die konservative Partido Popular (PP), größte Oppositionskraft Spaniens, leistet Widerstand.
Parteigröße und EU-Abgeordnete Dolors Montserrat wies Sánchez’ Vorstoß als „Nebelkerze“ zurück, um sich vor Verantwortung zu drücken. Bereits am Montag hatte PP-Chef Alberto Núñez Feijóo einen eigenen Waldbrandplan vorgestellt, der unter anderem ein nationales Brandstifterregister vorsieht – als Reaktion auf das, was die Partei als „verspätetes“ und „ineffizientes“ Krisenmanagement bezeichnete.
Der politische Schlagabtausch verschärfte sich vergangene Woche, als der von der PP dominierte Senat Verteidigungsministerin Margarita Robles vorlud. Sie soll erklären, warum die Armee nicht zur Brandbekämpfung eingesetzt wurde. Robles wird am Dienstag im Senat erwartet, gemeinsam mit den Ressortchefs für Energie, Inneres und Landwirtschaft, die in den kommenden Tagen ebenfalls aussagen sollen.
Die spanischen Sicherheitskräfte haben bislang 48 mutmaßliche Brandstifter festgenommen, gegen weitere 134 wird ermittelt.