Wahlabsichten in Belgien: Große Unterschiede zwischen den Regionen

Belgische Meinungsumfragen zeigen große Unterschiede im Wahlverhalten zwischen den Regionen des Landes. Die Wallonen neigen am wenigsten dazu, im Juni zur Wahl zu gehen, während die Rechten in Flandern auf dem Vormarsch sind.

Euractiv.com
100 days ahead of European elections in Brussels
Im Juni werden die Belgier sowohl das Europäische Parlament als auch die Bundes-, Regional- und Gemeinschaftsparlamente wählen. In Belgien besteht eine Wahlpflicht und seit dem 21. März sind auch 16-Jährige berechtigt, an den EU-Wahlen teilzunehmen. [EPA-EFE/OLIVIER HOSLET]

Belgische Meinungsumfragen zeigen große Unterschiede im Wahlverhalten zwischen den Regionen des Landes. Die Wallonen neigen am wenigsten dazu, im Juni zur Wahl zu gehen, während die Rechten in Flandern auf dem Vormarsch sind.

Im Juni werden die Belgier sowohl das Europäische Parlament als auch die Bundes-, Regional- und Gemeinschaftsparlamente wählen. In Belgien besteht eine Wahlpflicht und seit dem 21. März sind auch 16-Jährige berechtigt, an den EU-Wahlen teilzunehmen. Trotzdem gab fast ein Drittel der Befragten an, nicht wählen zu wollen. Dies ergab die Umfrage Grand Baromètre, die das Meinungsforschungsinstitut Ipsos zwischen dem 11. und 18. März unter belgischen Bürgern ab 18 Jahren durchgeführt hat.

Regional gesehen sind die Wallonen mit 42 Prozent am wenigsten dazu bereit, zur Wahl zu gehen, wenn es keine Wahlpflicht gäbe. Es folgen die Einwohner der belgischen Hauptstadt mit 29 Prozent, knapp vor den Flamen mit 24 Prozent.

Wie RTL berichtete, gibt ein Drittel der Belgier an, nicht zu wissen, wen sie im Juni wählen sollen. Diese Zahlen sind angesichts der sonst traditionellen Wahlkultur des Landes beachtlich.

Neben der Tatsache, dass die Belgier sich wenig für die Wahlen begeistern können, zeigt die Studie auch, dass die Unterschiede in der Wahlabsicht zwischen den Regionen zunehmen.

In Wallonien würden 21 Prozent für die sozialdemokratische Partei (PS/S&D) stimmen, während in der flämischen Region die rechte Partei Vlaams Belang (ID) mit 27,4 Prozent der Stimmen gewinnen würde. Kurz darauf folgt die N-VA der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) mit 20,4 Prozent.

In Wallonien gewann die PS bei den letzten Regionalwahlen 2019 mit 26,2 Prozent, was auf einen möglichen Verlust zugunsten von Les Engagés (EVP) hinweist.

Auf flämischer Seite vergrößert sich die nationale Kluft jedoch beträchtlich: Die rechtsnationalistische Partei N-VA, die die Regionalwahlen 2019 mit 24,8 Prozent und die föderalen Wahlen mit 16 Prozent gewann, wird von der am weitesten rechts stehenden Partei Belgiens, Vlaams Belang, überholt. Diese Partei ist seit Jahren auf dem Vormarsch, konnte ihren Rivalen bisher jedoch nicht überholen.

Der Sieg von Parteien, die auf verschiedenen (extremen) Seiten des politischen Spektrums stehen, macht die Regierungsbildung kompliziert.

Le Soir berichtete unterdessen, dass die gleiche Umfrage ergab, dass der belgische Premierminister Alexander De Croo (Open VLD/Renew) in allen drei Regionen zu den drei beliebtesten belgischen Politikern gehörte.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]