Von der Leyen gerät wegen falsch geschätzter Ukraine-Kriegsverluste in die Kritik

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geriet in die Kritik, nachdem ein Video indem sie die Zahl der Ukrainische Verluste uberschätzt von ihr Amt gelöscht wurde.  

Euractiv.com
International Expert Conference on the Reconstruction of Ukraine
Die ukrainischen Behörden haben die vom Kommissionspräsidenten genannte Zahl bisher nicht bestätigt. EPA-EFE/CLEMENS BILAN [EPA-EFE/CLEMENS BILAN]

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geriet in die Kritik, nachdem ein Video, in dem sie die Zahl der ukrainischen Verluste zu hoch ansetzte, von ihrem Büro gelöscht wurde.

Laut einer am Mittwoch (30. November) veröffentlichten Videobotschaft erklärte von der Leyen, dass 120.000 Ukrainer im Krieg gegen Russland getötet worden seien.

„Es wird geschätzt, dass bisher 20.000 Zivilisten und mehr als 100.000 ukrainische Militärangehörige getötet worden sind“, sagte von der Leyen in der Originalversion des Videos, das später von Twitter-Nutzern erneut geteilt wurde.

Allerdings teilte von der Leyen die Quelle ihrer Daten nicht mit.

Später löschte die Europäische Kommission das Video und die Abschrift, und veröffentlichte dann beides ohne den Satz mit den Zahlen.

Innerhalb von wenigen Stunden teilte ein Sprecher:in von der Leyens in einem Tweet eine korrigierte Version des Videos mit, da sich die Zahl 100.000 auf die geschätzte Gesamtzahl der Opfer beziehe, einschließlich der Toten und Verletzten.

Die Sprecherin betonte zwar, dass diese ursprünglich „aus externen Quellen“ stammten, gab aber nicht an, ob sie mit der ukrainischen Seite abgeglichen worden waren.

Militärische Verluste werden in der Regel als Todesfälle oder medizinische Fälle kategorisiert und werden selten zusammen gezählt.

Der Vorfall hat in Kiew Aufsehen erregt, wo solche Daten seit dem russischen Einmarsch am 24. Februar als Angelegenheit der nationalen Sicherheit behandelt werden, die der Kriegszensur unterliegt.

Die ukrainischen Behörden haben die vom Kommissionspräsidenten genannte Zahl bisher nicht bestätigt.

„Wir können diese Zahl nicht bestätigen und betonen, dass es sich bei den Verlusten der ukrainischen Armee um Verschlusssachen handelt, deren Veröffentlichung Beschränkungen unterliegt“, erklärte Bohdan Senyk, Sprecher der ukrainischen Streitkräfte, gegenüber der ukrainischen Zeitung Ukrainska Pravda.

Die Europäische Kommission versuchte, den Vorfall zu klären, nachdem sie von Reportern während eines regulären Briefings am Donnerstag (1. Dezember) bedrängt wurde.

„In der Tat wurden in einer ersten Version der Mitteilung einige Zahlen zu den Opfern genannt, um die Brutalität der russischen Invasion in der Ukraine aufzuzeigen, die jedem bekannt ist und die es aufzudecken gilt“, sagte Dana Spinant, stellvertretende Sprecherin der Europäischen Kommission.

„In einer späteren Version der Mitteilung haben wir beschlossen, keine Zahlen zu nennen, um zu vermeiden, dass wir uns auf Zahlen konzentrieren, sondern auf die sehr wichtige Aufgabe, die wir zusammen mit unseren Partnern und den ukrainischen Behörden hatten, nämlich Russland zur Verantwortung zu ziehen“, fügte sie hinzu.

Spinant wollte sich aber nicht dazu äußern, ob die Zahlen mit der ukrainischen Seite abgesprochen worden waren.

Allerdings wurde das Thema von den russischen Staatsmedien genutzt, um die Darstellung Moskaus über die im Vergleich zu den eigenen Verlusten hohen ukrainischen Verluste zu untermauern.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]