Von der Leyen fordert Steigerung der Lebensmittelproduktion

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die EU und Afrika angesichts des Ukraine-Krieges dazu aufgerufen, ihre Anstrengungen bei der Nahrungsmittelproduktion zu verstärken. Dabei sollen auch innovative landwirtschaftliche Techniken wie etwa die Präzisionslandwirtschaft zum Einsatz kommen.

EURACTIV.com
Special meeting of the European Council on Ukraine
Infolge des russischen Einmarsches in die Ukraine stecken derzeit Millionen von Tonnen an für die Ausfuhr bestimmten Nahrungsmittelbeständen im Lande fest. [[EPA-EFE]]

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die EU und Afrika angesichts des Ukraine-Krieges dazu aufgerufen, ihre Anstrengungen bei der Nahrungsmittelproduktion zu verstärken. Dabei sollten auch innovative landwirtschaftliche Techniken wie etwa die Präzisionslandwirtschaft zum Einsatz kommen.

Auf einer Pressekonferenz im Anschluss an den EU-Gipfel am Dienstag (31. Mai) nannte Kommissionspräsidentin von der Leyen die „Steigerung unserer eigenen Nahrungsmittelproduktion“ als eines der Schlüsselelemente, um das durch den Ukraine-Krieg entstandene Defizit in der auf den Weltmärkten auszugleichen.

Sowohl Russland als auch die Ukraine spielen eine zentrale Rolle bei der weltweiten Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und Pflanzenölen. Zusammen liefern sie mehr als ein Drittel des weltweiten Weizens und der Gerste, 52 Prozent der Maisproduktion und über 50 Prozent der Sonnenblumenöle und -samen.

Infolge des russischen Einmarsches in die Ukraine stecken derzeit Millionen von Tonnen an für die Ausfuhr bestimmten Nahrungsmittelbeständen im Land fest.

Diese Steigerung der Nahrungsmittelproduktion sei besonders geboten angesichts der Tatsache, dass die EU für 2022 und 2023 mit einem „Rekordexport von 14 Millionen Tonnen Getreide“ rechnen kann, fügte die Kommissionspräsidentin hinzu.

Die EU-Exekutive schätzt, dass in den nächsten zwei Jahren eine Steigerung der Getreideexporte um 30 Prozent erforderlich sein wird, um die Auswirkungen der kriegsbedingt geringeren ukrainischen Ernte auf den Weltmärkten abzumildern.

Neben der Einrichtung sogenannter Solidaritätskorridore, die alternative Logistikrouten für ukrainischen Weizen unter Nutzung aller relevanten Verkehrsträger schaffen sollen, forderte die Präsidentin der Kommission die Länder auf, keine Beschränkungen für den globalen Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu verhängen.

„Jegliche Art von Handelsbeschränkungen haben in unseren Mitgliedsstaaten oder weltweit absolut keinen Platz“, betonte sie.

Seit Beginn des Krieges haben etwa 26 Länder weltweit Beschränkungen für den Agrarhandel eingeführt, darunter auch Indien, das seine Weizenexporte nach einer Dürre im eigenen Land eingeschränkt hatte.

Einige EU-Länder haben ebenfalls bereits Handelsbeschränkungen in Erwägung gezogen. So hat beispielsweise die Slowakei vor kurzem einen Vorschlag zur Beschränkung des Handels mit Agrarerzeugnissen vorgelegt, der von der Kommission scharf verurteilt wurde.

Präzisionslandwirtschaft als Weg in die Zukunft für Afrika

Mit Blick auf die mittel- und langfristige Perspektive betonte von der Leyen die Notwendigkeit, bessere landwirtschaftliche Strategien zu entwickeln, insbesondere in Nordafrika und den Ländern südlich der Sahara, um die Produktion zu steigern.

Die Länder sollten sich darauf konzentrieren, ihre Widerstandsfähigkeit mithilfe moderner Technologien zu verbessern, so die Kommissionspräsidentin, einschließlich der Präzisionslandwirtschaft und anderer Innovationen wie der Nanotechnologie.

Bei „Präzisionslandwirtschaft“ handelt es sich um einen Oberbegriff für eine Reihe von Strategien und Digital-Tools, die Landwirt:innen dabei unterstützen, auf der Grundlage von Daten gezieltere Eingriffe vorzunehmen.

Derweil hat die Kommission außerdem 2,5 Milliarden Euro zugesagt und vorgeschlagen, Reserven aus dem Europäischen Entwicklungsfonds zu mobilisieren. Damit sollen bedürftige Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, unterstützt werden, erklärte die Präsidentin.

Von der Leyen wird Mitte Juni nach Kairo reisen, um diese Fragen mit dem ägyptischen Präsidenten Al Sisi zu erörtern und die Auswirkungen des Krieges aus einer „regionalen und bilateralen Perspektive“ zu diskutieren, fügte sie hinzu.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]