Vertrauen in EU nimmt aufgrund schlechter wirtschaftlicher Lage ab [DE]

Das Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher in Europa hat angesichts steigender Arbeitslosenraten und der Rezession, mit der sich die EU derzeit konfrontiert sieht, stark abgenommen. Das geht aus den jüngsten Daten hervor, die von der Europäischen Kommission veröffentlicht wurden. 

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Das Vertrauen der Unternehmen und Verbraucher in Europa hat angesichts steigender Arbeitslosenraten und der Rezession, mit der sich die EU derzeit konfrontiert sieht, stark abgenommen. Das geht aus den jüngsten Daten hervor, die von der Europäischen Kommission veröffentlicht wurden. 

Die von der Kommission monatlich durchgeführten Umfragen unter Unternehmern und Verbrauchern lieferten die schlechtesten Ergebnisse seit ihrer erstmaligen Durchführung im Jahr 1985. Der so genannte ‚Economic Sentiment Indicator’ (ESI) sank vor kurzem auf 63,5 Punkte in der EU und auf 67,1 Punkte in der Eurozone. Mitte 2007, kurz bevor die Finanzkrise den US-Immobilienmarkt erreichte, lag er noch bei über 110 Punkten.

Auch der ‚Business Climate Indicator’ fiel im vergangenen Dezember auf ein Rekordtief und drückte so die negativen Erwartungen der Unternehmer für die Produktion in der Eurozone aus. Gleichzeitig spiegelt diese Entwicklung den zunehmenden Bestand nicht verkaufter Endprodukte wider. 

Das statistische Amt der Kommission Eurostat verdunkelte das Bild zusätzlich, indem es bestätigte, dass die Wirtschaft der Eurozone zwischen Juli und September 2008 um 0,2% zurückgegangen ist. Die Eurozone befindet sich nun offiziell in einer Rezession, da ihre Wirtschaft für das zweite Quartal in Folge ein negatives Wachstum verzeichnete. Darüber hinaus ging die Wirtschaftsleistung der gesamten EU im dritten Quartal um 0,2%.

Am 19. Januar 2009 werde man neue Vorhersagen veröffentlichen, um ein klareres Bild der wirtschaftlichen Entwicklungen in der EU für die Jahre 2009 und 2010 zu erhalten. Er könne derzeit noch keine Zahlen nennen, da die Arbeit noch nicht abgeschlossen sei, räumte EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung Joaquín Almunia gestern in einer Rede in der slowakischen Hauptstadt Bratislava ein. Er könne jedoch sagen, dass die Aussichten für dieses Jahr eher trüb seien.

Die Arbeitslosenquote in der Eurozone erreichte unterdessen 7,8% im November und 7,2% in der gesamten EU. In einigen Ländern sei die Quote besorgniserregend hoch angestiegen, wie in Spanien (13,4%), den Baltikstaaten und Ungarn (über 8%), so Eurostat. Die Sprecherin Almunias, Amelia Torres, bedauerte die schlechte Lage in einigen EU-Ländern, betonte jedoch, die Arbeitslosenzahlen auf EU-Ebene nähmen nur mäßig zu.

Um gegen die sich verschärfende Krise vorzugehen, forderte die Kommission die Mitgliedstaaten erneut dazu auf, sich an ihre Versprechen vom Dezember letzten Jahres zu halten, einen allgemeinen Rettungsplan in Höhe von 1,5% des EU-BIP, von denen 1,2% direkt aus den Haushalten der Mitgliedsländer kommen sollen, zusammenzustellen. Almunia begrüßte es, dass sich der Umfang der Maßnahmen, die von den einzelnen Ländern angekündigt worden seien, bereits auf 0,9% beliefen, verglichen mit dem 1,2%-Ziel. Dies sei eine bemerkenswerte Summe, wenn man beachte, wie wenig Zeit gewesen sei, und dass die Krise anhalte, bemerkte der Kommissar.

Einigen Kritikern zufolge beginnen die Mitgliedstaaten jedoch nicht schnell genug mit der Umsetzung des Konjunkturprogramms, das die EU-Staats- und Regierungschefs im Dezember 2008 verabschiedet hatten. In einem Brief an die European Voice merkte der Parteivorsitzende der Europäischen Sozialdemokraten Poul Nyrup Rasmussen an, er sehe keine Belege dafür, dass Europa annähernd ein Paket zur Anregung von Investitionen im Wert von 1,5% des BIP werde schnüren können. Die letzten Daten, die ihm vorgelegen hätten, hätten vermuten lassen, dass sich die Konjunkturprogramme, auf die sich die größeren Mitgliedstaaten bisher geeinigt hätten, auf etwa 0,5% des BIP beliefen, schrieb er. Lediglich Spanien und Großbritannien schienen mehr als 1% zu investieren, um das Wachstum wieder anzukurbeln.

Analysten bestätigen, dass Hilfe möglicherweise von der Europäischen Zentralbank (EZB) zu erwarten sei. Diese könnte bei ihrem Treffen nächsten Donnerstag (15. Januar 2009) beschließen, den Leitzins weiter zu senken, und damit der angeschlagenen europäischen Wirtschaft etwas nachhelfen. Nachdem die Bank of England gestern eine weitere Zinssenkung ankündigte und sich ihre Zinssätze nun auf dem tiefsten Stand aller Zeiten befinden (1,5%), könnte auch die Frankfurter Bank gewillt sein, ihre eigenen Sätze zu senken. Abgesehen von dem Wunsch, gegenüber der britischen Wirtschaft nicht an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, könnte die EZB auch angesichts der sinkenden Inflationsrate, die nun unter dem „etwa 2%“-Ziel liegt, geneigt sein, die Zinssätze zu senken (EURACTIV vom 7. Januar 2009).