Verstaatlichung von Uniper für Finnen "bedauerliche" Notwendigkeit

Die seit langem erwartete Ankündigung zur vollständigen Übernahme der Uniper-Tochter des finnischen Energieunternehmens Fortum durch den deutschen Staat wurde in Finnland überwiegend als unvermeidliche Maßnahme und Erleichterung gesehen.

EURACTIV.com
10th St. Petersburg International Gas Forum
Die Zukunft der fast bankrotten Uniper liegt nun in den Händen der Bundesregierung. Fortum, das sich zu 51 Prozent in Staatsbesitz befindet, gab am Mittwochmorgen Einzelheiten der Vereinbarung bekannt. [EPA-EFE/ANATOLY MALTSEV]

Die seit langem erwartete Ankündigung zur vollständigen Übernahme der Uniper-Tochter des finnischen Energieunternehmens Fortum durch den deutschen Staat wurde in Finnland trotz der hohen Verluste überwiegend als unvermeidliche Maßnahme und Erleichterung gesehen.

Die Zukunft der fast bankrotten Uniper liegt nun in den Händen der Bundesregierung, die um die €30 Milliarden investiert und zukünftig 99% der Anteile halten wird. Fortum, das sich zu 51 Prozent in Staatsbesitz befindet, gab am Mittwochmorgen Einzelheiten der Vereinbarung bekannt.

Das Unternehmen wird Uniper, an dem es maximal 78 Prozent hielt, veräußern und 500 Millionen Euro aus Aktien erhalten, die der deutsche Staat kauft.

Fortum erhält das Gesellschafterdarlehen in Höhe von vier Milliarden Euro und die Bürgschaft der Muttergesellschaft in Höhe von ebenfalls vier Milliarden Euro zurück. Die Verluste von Fortum aus der Uniper-Saga belaufen sich jedoch auf fast sechs Milliarden Euro.

Auf einer Pressekonferenz sagte Fortum-CEO Markus Rauramo, die Strategie von 2017 habe sich als nicht „kriegsfest“ erwiesen.

„Wir hätten uns den Angriff Russlands auf die Ukraine, den Einsatz von Energie als Waffe und die daraus resultierende Krise auf dem Markt nicht vorstellen können“, sagte Rauramo.

Er gestand auch, dass er sehr enttäuscht sei und den Verlauf der Ereignisse und deren Ergebnis bedauere.

Die Ministerin für EU-Angelegenheiten, Tytti Tuppurainen, bezeichnete bei einem Treffen mit der Presse im Parlament das Abenteuer von Fortum und sein Ende als „bedauerlich“.

Im Nachhinein betrachtet war der Kauf von Uniper (für sieben Milliarden Euro) ein Fehler, und die damalige Entscheidung wurde ohne ordnungsgemäße Konsultation des Mehrheitseigentümers, des finnischen Staates, getroffen, so Tuppurainen.

Die Ministerin zeigte sich jedoch erfreut, dass Finnland und seine Steuerzahler Uniper in Zukunft nicht mehr finanzieren müssen.

Ihr zufolge ist das Mindestziel, dass Fortum seine Finanzpakete in Höhe von acht Milliarden Euro zurückerhält, nun erreicht. „Alle Stricke sind durchgeschnitten, und es gibt keinen Grund mehr, das Boot zu schaukeln. Fortum kann zu seinen Wurzeln zurückkehren.“

Die Märkte reagierten positiv auf die Nachricht, und der Aktienkurs von Fortum setzte seinen starken Anstieg an der Börse von Helsinki fort. Die meiste Kritik an der Vereinbarung kam von der politischen Opposition, vor allem von der Finnenpartei, die eine Rechenschaftspflicht forderte.

Einige Finanzkommentatoren warfen auch die Frage auf, warum Finnland nicht lernfähig sei, denn Fortum ist nicht das erste finnische Unternehmen, das mit eingezogenem Schwanz aus Deutschland zurückkehrt. Sowohl Nokia als auch der Telekommunikationsbetreiber Sonera  hatten ähnliche Erfahrungen gemacht.