Verarmte Südosteuropäer heizen mit Holz
Steigende Strompreise stärken die Nutzung von Holz zum Heizen im südöstlichen Europa auf ein bedenkliches Niveau, was eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit und Umwelt darstellt, warnen Experten.
Steigende Strompreise stärken die Nutzung von Holz zum Heizen im südöstlichen Europa auf ein bedenkliches Niveau, was eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit und Umwelt darstellt, warnen Experten.
Regierungen in Südosteuropa sind größtenteils unfähig, das Problem der Energiearmut zu behandeln, was als die fehlende Möglichkeit der Menschen verstanden wird, ihre eigenen Häuser zu heizen, warnte Stefan Bouzarovski, Dozent für Humangeographie an der Universität Birmingham in Großbritannien.
Bei einer von IFRI, dem französischen Institut für Internationale Beziehungen, organisierten Konferenz am 1. Juni, sagte Bouzarovski, dass Bezirksheizsysteme, die noch aus der kommunistischen Ära stammten, „nicht die Lösung“ für das Heizen von Haushalten in der Region seien.
Während Energiepreise explodierten und Gehälter stagnierten, sei die Nutzung von Brennholz zu Heizzwecken zunehmend zu einer Alternative zu Strom geworden. Die Situation könnte sich noch verschlechtern, da der Kilowattstrompreis in der Region weiter steigen soll, warnte er.
Bouzarovski sagte, dass sich seit der Veröffentlichung des Berichts der Vereinten Nationen „In der Vergangenheit gefangen: Energie, Umwelt und Armut in Serbien und Montenegro“ wenig getan hätte.
Dieser Studie zufolge wurde beinahe die Hälfte der Bevölkerung durch die Verknüpfung von Energie und Armut marginalisiert. Über die Hälfte der Bevölkerung nutzt Holz und Braunkohle als Hauptquellen für das Heizen und Kochen, was hohe Level an Innenraumluftverschmutzung bewirkt und zu chronischen Krankheiten führen kann, so der Bericht.
Bouzarovski warnte nicht nur vor dem Einfluss auf die Umwelt in Sachen Entwaldung und CO2-Emissionen, sondern auch vor den Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, da die wenigsten Haushalte, die mit Holz heizen, eine adäquate Belüftung hätten.
Er sagte, dass die problematischsten Länder nicht nur die Bewerber der Westbalkanstaaten seien, sondern auch die EU-Mitglieder Bulgarien und Rumänien. Er bedauerte den Mangel an gezielten EU-Programmen für die „Energiearmen“.
Bouzarovski sagte, dass, obwohl viele Menschen in den letzten zwanzig Jahren in die Städte gezogen seien, die Nutzung von Brennholz nicht abgenommen habe. Dies weise darauf hin, dass Brennholz nicht nur in ländlichen Regionen, sondern auch in Städten genutzt werde.
Er warnte auch vor gewalttätigen Mikro-Konflikten zwischen Waldautoritäten und Wilderern, die seiner Angabe nach bereits stattfänden, doch nur wenig Beachtung erführen.