Valentinstag: Romantik geht Hand in Hand mit rekordhohen Kakaopreisen
Für viele Menschen gehört Schokolade zum Valentinstag dazu. Unabhängige belgische Chocolatiers sind dementsprechend vorbereitet - aber die Kakaopreise haben schwindelerregende Höhen erreicht.
Für viele Menschen gehört Schokolade zum Valentinstag dazu. Unabhängige belgische Chocolatiers sind dementsprechend vorbereitet – aber die Kakaopreise haben schwindelerregende Höhen erreicht.
Brüssel – Samtige Trüffel mit Himbeergeschmack und rot überzogene, herzförmige Pralinen schmücken das Boutique-Atelier des preisgekrönten Chocolatiers Jérôme Grimonpon, der sich auf einen arbeitsreichen Valentinstag vorbereitet.
In dieser Woche rechnet er mit fast doppelt so hohen Umsätzen. Aber die Unsicherheit in der Branche ist so hoch wie nie zuvor. Das gilt besonders für unabhängige Chocolatiers, die sich auf einem Kakaomarkt zurechtfinden müssen, der noch nie zuvor so turbulent gewesen ist.
Kleine unabhängige Chocolatiers wie Grimonpon, der 2020 zum Brüsseler Chocolatier des Jahres gekürt wurde, erlebten nach der COVID-Pandemie einen „Boom“. „Die Menschen suchen nach Authentizität, nach dem kreativen Touch eines Handwerkers – etwas, das Industriemarken einfach nicht bieten können.“ Aber diese süße Zeit war kurzweilig.
Zu Anfang konnten die steigenden Preise durch eine leichte Anpassung der Preise aufgefangen werden, da die Steigerungen gering waren. Doch die „wirklich massiven Steigerungen“ im letzten Jahr waren schwieriger zu bewältigen, erklärte Grimonpon.
Die Kakaokrise
Am 11. Februar lagen die Kakao-Futures bei 10.300 US-Dollar pro Tonne – eine gigantische Summe für Schokoladenhersteller, besonders für kleine Abnehmer. Im Dezember 2024 waren die Futures im Vergleich zum Vorjahresmonat von 3.800 US-Dollar auf 12.500 US-Dollar pro Tonne – ein Anstieg von 250 Prozent.
Engpässen in Westafrika, wo zwischen 50 und 70 Prozent des weltweiten Kakaos produziert werden, sorgen für die steigenden Preise. Der Klimawandel, ein tödliches Virus und alternde Kakaobäume in Ghana und der Elfenbeinküste, den wichtigsten Exporteuren, sowie eine starke Nachfrage werden als Gründe angeführt.
Die Situation hat sich auf die gesamte Branche ausgewirkt, trifft kleine Betriebe aber besonders stark. Unabhängige Produzenten sind die letzten, die sich ihren Kakao leisten können – nachdem die großen Abnehmer ihren Einkauf getätigt haben. Oft blieben für sie die schlechtesten Deals, erklärte Grimonpon.
„Große Marken können Preise sogar zwei Jahre im Voraus aushandeln“, sagte Grimonpon. „Wir können das nicht – wir haben nicht das Volumen oder die Marktmacht, um bessere Angebote zu erhalten.“
Kreative Lösungen
Damit seine Kunden bleiben hat Grimonpon die Gewinnspanne gesenkt, statt viel höhere Preise zu fordern. „Die Menschen sollen Schokolade weiterhin genießen können“, sagte er. „Das ist unsere Philosophie.“
In der Chocolaterie Vandenhende in Brüsseler Stadtteil Etterbeek verleihen die Brüder Kenny und Frédéric Vandenhende unterdessen ihrem allerersten Rezept für selbst hergestellte Schokolade den letzten Schliff.
Die Brüder haben ihr Unternehmen vor 17 Jahren gegründet. Bisher haben sie alle Produkte, die sie verkaufen, selbst hergestellt – von Eiscreme über Pralinen bis hin zu Ganache. Bisher haben sie ihre Schokolade vom „Schokoladenriesen“ Barry Callebaut bezogen. Maschinen für die Herstellung von eigener Schokolage seien für kleine Produzenten einfach nicht verfügbar gewesen, erklärte Frédéric.
Für die Brüder ist die Herstellung von Schokolade von der Bohne bis zur Tafel nicht mehr nur eine kreative Entscheidung, sondern auch eine Strategie, um die Auswirkungen der hohen Preise abzumildern.
„Indem wir die Bohnen direkt kaufen, können wir die Produktendkosten besser kontrollieren“, sagte Frédéric. Er geht davon aus, dass die ersten Tests ihrer Schokolade diese Woche fertig werden.
Trotz der Bemühungen, die Kosten zu senken, mussten sie ihre Preise anziehen „Im Jahr 2022 verkauften wir Pralinen für 54 Euro pro Kilo – jetzt sind es 84 Euro pro Kilo“, sagte Vandenhende.
Weniger Kakao, mehr Ersatzstoffe?
Es sieht nicht so aus, als wäre ein Ende der globalen Schokoladenkrise in Sicht. Chocolatier Grimonpon prognostiziert, dass große Marken auf billigere Kakaoersatzstoffe umsteigen werden – ein wachsender Trend in Europa.
„Das könnte uns tatsächlich helfen. Wenn sie weniger Kakao kaufen, bleibt mehr für kleinen Betriebe“, sagte Grimonpon in der Hoffnung, dass diese Verlagerung die Preise senken könnte. „Ich habe Ersatzstoffe ausprobiert, aber mich persönlich haben sie nicht überzeugt.“
Ob Alternativen von Erfolg gekrönt sein werden, bleibt abzuwarten. Was bereits in vollem Gange ist, ist der Wandel hin zu weniger Kakao.
Um den Kakaogehalt zu reduzieren würden einige große Marken ihre Rezepte bereits umstellen, sagte Lucrezia Cogliati, Rohstoffanalystin bei Fitch Solutions. Andere hätten die Schokoladentafeln verkleinert, um Preise stabil zu halten.
Die Schokoladenriesen Hershey’s und Mondelez hätten am Anfang des Monats eine Verlangsamung des Kakaokonsums festgestellt, erklärte sie. Ein Trend, der zu einer Preissenkung führen könnte.
„Mit Blick auf das Jahr 2025 glauben wir, dass die Preise von ihren historischen Höchstständen zwar nachgeben werden, aber im Vergleich zu den jüngsten Durchschnittswerten weiterhin hoch bleiben werden“, ergänzte die Rohstoffanalystin. Die Versorgung aus Westafrika bleibe durch die anhaltenden Risiken des Klimawandels und von Krankheiten ungewiss. Ein weiteres von Knappheit geprägtes Jahr stehe bereits bevor – wenn auch weniger schlimm.
Cogliati geht davon aus, dass sich die hohen Preise viel stärker auf die Verbrauchernachfrage auswirken werden als bisher. Grimonpon sagte, dass die Nachfrage zwar stabil sei – aber man bekäme für das gleiche Geld nun weniger Schokolade für die Liebsten am Valentinstag. „Wir sehen, dass die Leute sich eher für kleinere Geschenke als für große Schachteln entscheiden“, sagte er.
Vandenhende sagte, dass sich für dieses Jahr eine schwächere Nachfrage abzeichne.
„Letztes Jahr lief es für uns sehr gut, aber in dieses Jahr sehen wir einen leichten Rückgang “, sagte er. Die Valentinswoche sei zwar nicht so entscheidend für den Umsatz ist wie Weihnachten oder Ostern, aber diene als ‚Barometer‘ für die Nachfrage im Laufe des Jahres.
„Wir werden nach dem Valentinstag sehen, ob dieser Rückgang signifikant ist oder nicht.“
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