Urintest: EU-Abgeordnete übermäßig mit Glyphosat belastet
Nur wenige Tage vor der Glyphosat-Abstimmung zeigen die Urintests von 48 EU-Abgeordneten bedenkliche Ergebnisse: Die Glyphosat-Konzentration war bei ihnen zum Teil 35-mal höher als maximal empfohlen. EURACTIV Frankreich berichtet.
Nur wenige Tage vor der Glyphosat-Abstimmung zeigen die Urintests von 48 EU-Abgeordneten bedenkliche Ergebnisse: Die Glyphosat-Konzentration war bei ihnen zum Teil 35-mal höher als maximal empfohlen. EURACTIV Frankreich berichtet.
„Alle Teilnehmer hatten einen übermäßigen Glyphosat-Gehalt im Urin“, bestätigt das Laboratorium Biocheck in Leipzig, das die geschlechter- und parteiübergreifenden Tests an 48 EU-Abgeordneten durchführte. Insgesamt waren 13 Länder bei den Untersuchungen vertreten: darunter Belgien, Tschechien, Frankreich, Ungarn, Spanien, Finnland und Italien. Bei manchen belgischen und französischen Abgeordneten erreichte die Glyphosat-Konzentration das 25- bis 35-fache des eigentlich zugelassenen Grenzwertes. Der Durchschnitt liege beim 17-fachen.
Die erschreckende Studie wurde auf Initiative von etwa zehn EU-Parlamentsabgeordneten duchgeführt. Der Großteil von ihnen stammt aus Belgien wie zum Beispiel Marc Tarabella (S&D). Belgien ist wie auch die Bundesrepublik eines der wenigen Länder, das die Zulassung von Glyphosat verlängern will. Dabei ist die chemische Verbindung laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) „wahrscheinlich krebserregend“. Befragt, ob die belgischen Europaabgeordneten ihre Regierung mit der Studie beeinflussen wollten, antwortet Tarabella: „Ja. Wir sind ein Land, das die Kommission durchgängig unterstützt hat. Vielleicht hat uns das sensibilisiert oder ist zumindest ausschlaggebend gewesen.“
Die Macht der Industrie
Glyphosat ist ein Wirkstoff, der vor allem in Unkrautbekämpfungsmitteln Anwendung findet. In den 70ern wurde ein Patent auf das Molekül angemeldet, welches 1974 dann auf den Markt kam. Rasend schnell entwickelte es sich zum Verkaufsschlager, vor allem durch das Herbizid Round-Up des amerikanischen Agrochemie-Konzerns Monsanto.
Eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung zeigte, dass auch 99,6 Prozent der Deutschen gyphosat-belastet sind. Bei 75 Prozent der 2009 Probanden lag der umstrittene Wirkstoff in überhöhter Konzentration vor.
Alle EU-Bürger sind Glyphosat ausgesetzt – völlig unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunftsland oder Ernährungsgewohnheiten. Dennoch verschließen einige Mitgliedsstaaten die Augen vor der Gefahr. „Indem man ihnen freie Hand lässt, wie das bei den GVOs (genetisch veränderten Organismen) der Fall ist, zerteil die Kommission die Entscheidungsmacht und geht auf das Spiel der Lobbyisten ein. Sie gibt der Industrie somit mehr Handlungsspielraum“, schätzt ein europäischer Beobachter.
Ein „Kreuzzug“ an Überzeugungsarbeit
Am 18. und 19. Mai sollen die EU-Mitgliedsländer darüber abstimmen, ob die Glyphosat-Zulassung um weitere zehn Jahre verlängert werden soll. Während einige von ihnen, wie zum Beispiel Belgien oder Deutschland, die Kommission in ihrem Vorhaben unterstützen, werden sich andere Staaten, darunter Frankreich, Italien, Schweden und die Niederlande entschlossen dagegen stellen.
„Dieser Test hat eher symbolischen Charakter gehabt. Er hat es uns erlaubt, ein wenig Wasser auf die Mühlen zu gießen, damit die Regierungen, die bisher die Bedürfnisse ihrer Bürger vernachlässigt haben, die richtige Entscheidung fällen“, erklärt Tarabella. „Gegen Glyphosat zu kämpfen, bedeutet, sich für die Lebensmittelsicherheit einzusetzen“, fährt er fort, „Wir müssen Regierungen überzeugen, die bisher jegliche Studien in den Wind geschlagen haben – sogar die der WHO, in der die Gefahren von Glyphosat ganz klar bestätigt werden. Das wird ein wahrer Kreuzzug werden.“