Umfrage zur Euro-Krise: "Das Schlimmste kommt noch"

Nächste Woche stehen die Europawahlen an und damit eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft der EU. Eine Umfrage zeigt jedoch: Die meisten Europäer glauben nicht an ein Ende der Krise oder eine positive Zukunft. Sie glauben nach wie vor, dass "das Schlimmste noch bevorsteht". EURACTIV Brüssel berichtet.

EURACTIV.com
Quo vadis EU? Viele Europäer sehen ihrer Zukunft skeptisch entgegen. Foto:EP
Quo vadis EU? Viele Europäer sehen ihrer Zukunft skeptisch entgegen. Foto:EP

Nächste Woche stehen die Europawahlen an und damit eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft der EU. Eine Umfrage zeigt jedoch: Die meisten Europäer glauben nicht an ein Ende der Krise oder eine positive Zukunft. Sie glauben nach wie vor, dass „das Schlimmste noch bevorsteht“. EURACTIV Brüssel berichtet.

Eine aktuelle Eurobarometer-Studie im Auftrag der EU-Kommission belegt, dass die meisten Europäer ihrer Zukunft immer noch pessimistisch entgegensehen. 44 Prozent der Europäer glauben, dass „die Auswirkungen der Krise bereits ihren Höhepunkt erreicht haben“, während 47 Prozent befürchten, dass „das Schlimmste noch bevorsteht.“

Immerhin, es ist das optimistischste Umfrageergebnis, seit den Bürgern diese Frage im Mai und Juni 2009 zum ersten Mal gestellt wurde. Die Rumänen sind die Europameister in Sachen Optimismus: 76 Prozent sehen ihrer Zukunft optimistisch entgegen, gefolgt von den Maltesern mit 71 Prozent. Auch 70 Prozent der Polen und 67 Prozent der Kroaten blicken der Zukunft entspannt entgegen.

Misstrauen und Pessimismus: Nährboden für Europaskeptiker

Aber die Vertrauenswerte in die EU sind sehr niedrig und es wird erwartet, dass sich das im Europawahlergebnis niederschlagen wird. Eine Rekordanzahl Europaskeptiker wird voraussichtlich in das Europaparlament einziehen. Der französische Front National (FN), die britische UKIP und die italienische Fünf-Sterne-Bewegung sind drei Beispiele für europakritische Parteien, die nächste Woche mehr als 20 Sitze im Parlament holen könnten. Offen rechtsextreme Parteien wie die Goldene Morgenröte aus Griechenland oder die ungarische Jobbik-Partei könnten ebenfalls einige Sitze erreichen.

Der Erfolg dieser Parteien passt zum fehlenden Optimismus in den entsprechenden Ländern: Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien und Ungarn – sie alle sind unter den Top 10 der pessimistischsten Ländern.

Bei der Umfrage wurden außerdem die wichtigsten Probleme erfragt, die die EU lösen muss. „Arbeitslosigkeit“ und „die wirtschaftliche Situation“ sind demnach die Themen, die die Menschen beschäftigen. Die „öffentlichen Finanzen“ werden in der Umfrage von mehr als 10 Prozent der Bevölkerung in jedem EU-Mitgliedsstaat als eines der zwei wichtigsten Probleme genannt.

Auch nationale Befindlichkeiten spiegeln sich in der Umfrage wieder. Sie spielen oft auch im Europawahlkampf eine wichtige Rolle. 35 Prozent der Malteser und 30 Prozent der Bulgaren betrachten Einwanderung als Priorität. In Großbritannien geben 20 Prozent der Befragten Einwanderung als eine der beiden obersten Prioritäten an. Schweden zeigt sich besonders besorgt bei Klima- und Umweltfragen. 22 Prozent aller schwedischen Befragten betrachten den Klimawandel als eines der beiden wichtigsten Themen und weitere 17 Prozent die Umwelt.  

EU-Austritt oder nicht? Wahlkampfthema in Zypern und Großbritannien

Die Befragten mussten beantworten, ob ihr Land „eher einer Zukunft außerhalb der EU entgegensehen soll“. 51 Prozent der Zyprer stimmen dieser Aussage entweder „völlig“ oder „eher“ zu. Zypern leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise. Anfang letzten Jahres musste das Land die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe bitten. Die von der Troika vorgeschriebenen Hilfsbedingungen sorgten für einen Aufschrei der zyprischen Öffentlichkeit.

Im Vereinigten Königreich sind es 47 Prozent, die eine Zukunft außerhalb der EU entweder „völlig“ oder „eher“ befürworten. Ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft wird im Vereinigten Königreich seit einigen Jahren diskutiert. Premierminister David Cameron hat ein solches Referendum immer wieder versprochen, allerdings erst für nach dem Abschluss von Neuverhandlungen über die Zukunft der europäischen Zusammenarbeit. Es ist das wichtigste Thema des Europawahlkampfs auf der Insel. Die Europaskeptiker von UKIP haben sich das zunutze gemacht und führen in Umfragen mit knapp 32 Prozent der Stimmen. Die Partei verspricht, das Vereinigte Königreich aus der EU zu führen („Brexit“). Umfragen zufolge würde es auf einen knappen Ausgang hinauslaufen, wenn das Referendum heute abgehalten würde.

Der konservative Spitzenkandidat für den Posten des Kommissionspräsidenten, Jean-Claude Juncker, versprach letzten Monat für den Fall seiner Wahl Neuverhandlungen über die britische EU-Mitgliedschaft. „Kein vernünftiger Politiker könnte verdrängen, dass wir Lösungen für die politischen Bedenken des Vereinigten Königreichs finden müssen“, sagte Juncker. „Wir müssen das machen, damit das Vereinigte Königreich Teil der EU bleibt.“