Ukrainischer Vizeminister stellt Vision für Verteidigungstechnologie vor

In einem Interview mit Euractiv hat der ukrainische Vizeminister für digitale Transformation und Entwicklung der IT-Industrie, Oleksandr Bornyakov, seine Vision dargelegt. Wie die Ukraine Innovationen in der Verteidigungstechnologie nutzen kann, um ihre Wirtschaft anzukurbeln und die moderne Kriegsführung zu verändern.

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Der stellvertretende Minister nannte eine Reihe von Beispielen für Innovationen, die zur Stärkung der ukrainischen Verteidigung eingesetzt werden: Schwere Vampire-Drohnen, die Kamikaze-Drohne ARK-1, die zur Zerstörung gepanzerter Fahrzeuge eingesetzt wird, RATEL-S-Roboter, die Panzerabwehrminen tragen, der Bodenroboter Sirko-S und die ukrainische Drohne Termit, die schwere Munition oder Verwundete transportieren kann. [EPA-EFE/OLEG PETRASYUK 28003]

Die Ukraine will Innovationen im Verteidigungsbereich dazu nutzen, die Wirtschaft anzukurbeln. Deshalb sollen mehrere Unternehmen im Rüstungsbereich neu gegründet werden, sagte ukrainische Vizeminister für digitale Transformation und Entwicklung der IT-Industrie, Oleksandr Bornyakov, gegenüber Euractiv.

„Als Ergebnis dieses Krieges könnten wir bis zu 100 ukrainische Unternehmen mit einem Wert von 100 Millionen Dollar gründen, und vielleicht 10 oder 20 Unternehmen könnten zu Einhörnern in der Verteidigungstechnologie werden“, sagte Bornyakov.

Unter Einhörnern versteht man Start-ups mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde US-Dollar.

Die ukrainische Regierung hat versucht, die Investitionen in junge ukrainische Rüstungsunternehmen zu erhöhen, die Technologien von Drohnen bis hin zu Cybersicherheitssoftware entwickeln.

„Die Spitzentechnologie, die diese Unternehmen derzeit entwickeln, wird den Verlauf des Krieges für immer verändern“, sagte er und fügte hinzu, dass eines Tages in der Ukraine hergestellte Roboter den „Amerikanern [helfen könnten], ihre Grenze zu Mexiko zu verteidigen.“

Nach der erfolglosen Gegenoffensive der Ukraine gegen die russischen Truppen im vergangenen Jahr habe es den ukrainischen Verteidigungskräften an Artilleriegranaten und gepanzerten Fahrzeugen gefehlt, so dass die Streitkräfte „begannen, sich auf Drohnen, Roboter und elektronische Kriegsführung zu verlassen“, so Bornjakow.

Gleichzeitig seien die Waffenlieferungen aus der EU und den USA in den letzten Monaten spärlich gewesen. Washington werde sie nun aber voraussichtlich erhöhen, nachdem es vor einem Monat ein Abkommen über Waffen- und Geldlieferungen an die Ukraine genehmigt habe.

„Wir können die Russen derzeit nur mit Drohnen aufhalten“, sagte Bornjakow unter Berufung auf Gespräche mit aktiven Militärs.

Die ukrainische Rüstungsindustrie profitiere von der „Verpflichtung der Regierung, so viele Menschen wie möglich aus der Gefahrenzone herauszuhalten“, sagte er. Dies verschaffe den Unternehmen den einzigartigen Vorteil, „rund um die Uhr eine Innovationsbasis aufrechtzuerhalten und ihre Produkte in einem Tempo anzupassen, mit dem niemand sonst auf der Welt mithalten kann“.

„Am Ende haben sie [die Start-ups] Produkte, die zu 100 % funktionieren.“

Den Lauf der Dinge ändern

Zu Beginn des Krieges, so Bornyakov, „gehörte den Russen das Meer, heute kommen sie dank der Technologie kaum noch aus dem Hafen heraus“.

Die Start-ups Magura und Sea Baby hätten wesentlich zu den Innovationen in der ukrainischen Wehrtechnik beigetragen, die an der Front den Unterschied ausmachten.

Die unbemannten Drohnen von Magura wurden eingesetzt, um teure russische Kriegsschiffe zu zerstören, während eine experimentelle Drohne von Sea Baby eingesetzt wurde, um die KertschBrücke zwischen der russisch besetzten Halbinsel Krim und dem russischen Festland schwer zu beschädigen.

„Das Ganze mag zwischen 50 und 100 Millionen Dollar gekostet haben, und wir hatten Auswirkungen in Milliardenhöhe, da wir teure Schiffe zerstört haben und nun in der Lage sind, unseren Getreideexport wieder aufzunehmen“, sagte Bornjakow.

Der stellvertretende Minister nannte eine Reihe von Beispielen für Innovationen, die zur Stärkung der ukrainischen Verteidigung eingesetzt werden: Schwere Vampire-Drohnen, die Kamikaze-Drohne ARK-1, die zur Zerstörung gepanzerter Fahrzeuge eingesetzt wird, RATEL-S-Roboter, die Panzerabwehrminen tragen, der Bodenroboter Sirko-S und die ukrainische Drohne Termit, die schwere Munition oder Verwundete transportieren kann.

Die „ größten Möglichkeiten “, so der Vizeminister, lägen aber noch vor uns.

Die ukrainischen militärischen Drohnen und Roboter seien auf dem besten Weg, zu den besten in den westlichen Ländern zu gehören, auch wenn „wir von Zeit zu Zeit relativ gute Drohnen aus Polen und Estland erhalten“, sagte er.

„Wir erhalten jedoch nur wenige Drohnen von verbündeten Ländern, die unter realen Bedingungen in der Ukraine wirklich einsatzfähig sind“, fuhr er fort und erklärte, dass die meisten der von westlichen Verbündeten gelieferten Drohnen und Roboter noch getestet und verbessert werden müssten.

Verteidigungssoftware

Die Ukraine habe ähnliche Lösungen wie die auf künstlicher Intelligenz basierende Bilderkennungssoftware von Palantir und Clearview für Verteidigungszwecke entwickelt.

Ein selbst entwickeltes „neuronales Netzwerk, das mit Gefechtsfelddaten trainiert wurde“, könne „automatisch alles auf dem Schlachtfeld abbilden, einschließlich der Position des Feindes und seiner Absichten“, sagte er. Die Ukraine verfüge auch über eine selbst entwickelte Software zur Analyse von Satellitenbildern.

Darüber hinaus wurde das „Situationserkennungssystem Delta vollständig von Ukrainern entwickelt“, sagte er.

Wachstumsperspektiven

Zur Unterstützung der Industrie wies der Vizeminister darauf hin, dass es in der Ukraine derzeit „etwa 15 Fonds gibt, die sich auf Investitionen in Verteidigungstechnologie spezialisiert haben“. Die meisten dieser Fonds befänden sich in der Frühphase der Finanzierung, es fehle noch an Kapital für Fonds in reiferen Phasen.

Auf die Frage, ob ein Teil der Mittel aus den neuen Hilfspaketen der EU (50 Milliarden Euro) und der USA (61 Milliarden Dollar) stärker in die Verteidigungsindustrie fließen sollte, sagte Bornyakov, die Entscheidung darüber liege bei der Regierung und dem Verteidigungsministerium.

„Ich glaube, dass diese Mittel richtig eingesetzt werden, denn unser größtes Interesse ist es, diesen Krieg zu beenden, den wir von Anfang an nicht wollten“, sagte er.

Da sich Regierung und Militär nun über den Einsatz von Drohnen und Robotern einig seien, sei er sich sicher, „dass ein Teil dieser Gelder in Verteidigungstechnologien fließen wird“.

Regierungen, die „das menschliche Leben schätzen“, würden ukrainische Technologie wollen, so der Vizeminister.

Als Beispiel nannte er ukrainische Frühwarnsysteme wie Delta, die Inselstaaten wie Taiwan helfen könnten, „alle Informationen darüber zu bekommen, was über sie hinwegfliegt“. Am Donnerstag und Freitag vergangener Woche führte das chinesische Militär Übungen in der Nähe der Insel durch, was von Taipeh als Druck auf die Regierung der Insel verurteilt wurde.

Das gleiche System könnte auch zur Eindämmung des Drogenhandels eingesetzt werden“, erklärte Bornyakov, „denn es ermöglicht uns, alles, was in beliebiger Höhe fliegt, zu erkennen und zu identifizieren.“

[Bearbeitet von Eliza Gkritsi und Alexandra Brzozowski]