Ukraine erwägt Kauf bulgarischer Atomreaktoren mit EU-Mitteln

Die Ukraine führt ernsthafte Gespräche über den Kauf der beiden in Russland hergestellten bulgarischen Atomreaktoren mit EU-Geldern, um künftige Stromengpässe besser bewältigen zu können, so der bulgarische Premierminister Nikolay Denkov.

EURACTIV.bg
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Die beiden vor über fünf Jahren von Russland gekauften Reaktoren sollten für das Kernkraftwerksprojekt Belene verwendet werden, das nun aufgegeben wurde, da sich Russland nicht mehr an der Montage der Reaktoren beteiligt und Bulgarien nicht in der Lage ist, die Kosten allein zu tragen. [EPA-EFE/VASSIL DONEV]

Die Ukraine führt Gespräche über den Kauf der beiden in Russland hergestellten bulgarischen Atomreaktoren mit EU-Geldern, um künftige Stromengpässe besser bewältigen zu können.

Die beiden Reaktoren sollten für das geplante Kernkraftwerk Belene verwendet werden, welches nun aufgegeben wurde, da sich Russland nicht mehr an der Montage der Reaktoren beteiligt und Bulgarien nicht in der Lage ist, die Kosten allein zu tragen.

„Wir haben ernsthafte Gespräche über den Einsatz der Reaktoren aus Belene in einem der ukrainischen Kraftwerke aufgenommen. Das ist erst der Anfang der Verhandlungen, denn es müssen noch viele technische, finanzielle und wirtschaftliche Parameter diskutiert werden“, sagte der bulgarische Premierminister Nikolay Denkov nach einem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag in Bulgarien.

Der Startschuss für die Verhandlungen fiel bereits am Donnerstag, nachdem die bulgarischen Abgeordneten der Regierung die Erlaubnis erteilt hatten, mit Kyjiw über den Verkauf der Atomreaktoren zu verhandeln. Als Preis werden hierbei 600 Millionen Euro aufgerufen. Dies entspricht den ursprünglichen Kosten der Reaktoren, Dampferzeuger und dem Rest der Ausrüstung.

Nur 57 Abgeordnete der pro-russischen Parteien Vazrazhdane und der Bulgarischen Sozialistischen Partei (BSP) waren gegen den Schritt. „Ich kann es nicht ertragen, dass meine Abgeordnetenkollegen an einer Beerdigungszeremonie teilnehmen und die Zukunft der bulgarischen Energieindustrie ruinieren“, sagte der BSP-Abgeordnete Rumen Gechev.

Selenskyj äußerte sich nicht zu dem möglichen Deal mit Bulgarien, erklärte jedoch, dass es bei den Gesprächen mit Denkov um die Sicherheit des Energiemarktes und den Schutz vor Preiskrisen ging.

Um den Kauf für die Ukraine zu erleichtern, hat die EU-Kommission am Donnerstag angekündigt, dass der Deal mit den Geldern finanziert werden könnte, welche die EU bereits an Kyjiw überweist.

„Die Ukraine kann EU-Gelder für den Kauf von Atomreaktoren aus Bulgarien verwenden, da dies zur Stärkung der ukrainischen Wirtschaft beitragen würde“, erklärte ein Sprecher der Kommission. In diesem Jahr stellt die EU der Ukraine Finanzhilfen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro pro Monat zur Verfügung.

„Es nicht das dagegen spricht, dass die Ukraine einen Teil des Geldes für die Zusammenarbeit mit Bulgarien auf dem Gebiet der Kernenergie verwendet“, fügte der Sprecher hinzu.