UEFA trennt sich von Gazprom und wird somit 'grüner'
Europas oberster Fußballverband UEFA hat am Montag (28. Februar) aufgrund des russischen Einmarsches in der Ukraine einen millionenschweren Vertrag mit dem russischen Staatskonzern Gazprom gekündigt.
Europas oberster Fußballverband UEFA hat am Montag (28. Februar) aufgrund des russischen Einmarsches in der Ukraine einen millionenschweren Vertrag mit dem russischen Staatskonzern Gazprom gekündigt.
Das fast ein Jahrzehnt alte Vertragsverhältnis im Wert von rund 40 Millionen Euro pro Saison wurde infolge der russischen Aggression in der Ukraine von der UEFA gekündigt. Das Beenden der Partnerschaft ist nicht nur ein Zeichen der Solidarität, sondern könnte auch das „grüne“ Image von UEFA fördern.
„Die UEFA hat heute beschlossen, ihre Partnerschaft mit Gazprom in allen Wettbewerben zu beenden“, teilte der Verband am Montagabend, 28. Februar, in einer Erklärung mit.
„Die Entscheidung gilt mit sofortiger Wirkung und umfasst alle bestehenden Vereinbarungen, einschließlich der UEFA Champions League, der UEFA-Länderwettbewerbe und der UEFA EURO 2024.“
Der Gelsenkirchener Verein Schalke 04 trennte sich am selben Tag ebenfalls offiziell von dem russischen Staatsunternehmen.
„Der Vorstand des FC Schalke 04 hat mit Zustimmung des Aufsichtsrates beschlossen, die Partnerschaft zwischen dem S04 und GAZPROM vorzeitig zu beenden“, teilte der Verein in einer Erklärung mit.
„Vorstand und Aufsichtsrat befinden sich dazu mit Vertretern des aktuellen Hauptsponsors in Gesprächen, weitergehende Informationen dazu werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben.“
Gazprom war für die UEFA ein wichtiger Sponsor, weswegen die jüngste Entscheidung als massiver Schlag gegen Putins Regime gewertet wird.
„Gazprom ist Russlands fossile und klimaschädliche Pulsader, die hier empfindlich beschädigt wird“, erklärte der grüne EU-Abgeordnete Michael Bloss.
„Mit dieser Entscheidung wird Putin ein weiterer Geldhahn für seinen Krieg gegen die Ukraine verschlossen“, sagte er gegenüber EURACTIV.
Aber andere fragen sich, warum der Verband so lange dafür gebraucht hat.
„Noch vor neun Monaten war die UEFA hocherfreut, dass das mehrheitlich russische Staatsunternehmen Gazprom seine langjährige Partnerschaft mit der Champions League und der Euro bis 2024 verlängert hat“, sagte Merrick Haydon, Geschäftsführer von rEvolution.
Damals bezeichnete die UEFA den Energiekonzern als einen ihrer „vertrauenswürdigsten Partner“ und hatte nicht damit gerechnet, sich so kurz nach dieser Ankündigung in dieser Lage zu befinden“, sagte er gegenüber der Zeitung CityAM.
Indem die UEFA die Beziehung zu ihrem langjährigen Partner beendet, erhöht sie den Druck auf ihr Pendant, die FIFA, die dem Energieunternehmen noch keine Rote Karte gezeigt hat.
Sowohl die FIFA als auch die UEFA hatten Russland von allen Veranstaltungen ausgeschlossen, während die FIFA noch nicht in die Fußstapfen der UEFA in Bezug auf Sponsoring-Verträge mit Gazprom getreten ist.
Wenn die UEFA das Beenden ihrer Partnerschaft mit Gazprom beibehält, könnte die Entscheidung unbeabsichtigte Nebeneffekte für die Nachhaltigkeitsbewegung im Fußball haben.
Die ökologischen Vorteile
Der Fußball ist im Kampf gegen den Klimawandel von entscheidender Bedeutung und gilt weithin als wirksames Mittel, um Menschen außerhalb der urbanen Zentren zu erreichen, deren Hauptanliegen nicht unbedingt die Nachhaltigkeit ist.
„Fußball bringt unseren Kontinent und unseren Planeten zusammen. Damit wir weiterhin unser Lieblingsspiel genießen können, müssen wir den Kampf gegen den Klimawandel gemeinsam gewinnen“, erklärte Frans Timmermans, Leiter des Europäischen Green Deal und Vizepräsident der EU-Kommission, im Oktober.
Im Oktober hatten die EU-Kommission und die UEFA eine gemeinsame Umweltkampagne mit dem Titel „Jeder Trick zählt“ gestartet. Die Kampagne war bewusst unkompliziert gehalten und sollte vermitteln, dass „wir alle unsere Tricks brauchen, um das Klima zu schützen“, sagte Aleksander Čeferin, Präsident der UEFA, im Oktober, beim Start der Kampagne.
Mit berühmten südeuropäischen Fußballstars wie dem Portugiesen Luís Figo, dem Italiener Gianluigi Buffon und dem französischen Duo Delphine und Estelle Cascarino sollte die Kampagne sicherstellen, dass jeder Zuschauer weiß, dass „der Klimawandel eine der größten Herausforderungen ist, vor denen die Welt heute steht“, sagte Cascarino.
Es gab nur ein Problem. Die Kommission wurde wegen ihrer Partnerschaft mit der UEFA, die bis zu dem Zeitpunkt fast 1 Milliarde Euro von Gazprom erhalten hatte, scharf kritisiert.
„Wenn die UEFA ernsthaft versucht, das Klimabewusstsein zu fördern, indem sie die globale Reichweite des Fußballs nutzt, ist es schwer vorstellbar, wie dies mit dem Sponsoring durch einen der größten CO2-Emittenten der Geschichte zu vereinbaren ist“, kommentierte die Klima-NGO InfluenceMap.
Mit der Trennung der UEFA von Gazprom als Sponsor ist der größte Kritikpunkt an der Werbung weggefallen, und die Partnerschaft zwischen der Kommission und der UEFA könnte in Zukunft umweltfreundlicher gesehen werden.
„Der Fußball hat nicht nur ein Zeichen gegen den Krieg gesetzt, sondern auch in Sachen Klimaschutz“, sagte Bloss.
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[Bearbeitet von Alice Taylor]