Turkmenistan zeigt Interesse an Nabucco
Im Wettlauf um Bodenschätze in Zentralasien hat Turkmenistan der EU einen direkten Zugriff auf seine üppigen Gasvorräte in Aussicht gestellt. Seitdem die Beziehungen zu Moskau gespannt sind, suchen die Turkmenen neue Kunden.
Im Wettlauf um Bodenschätze in Zentralasien hat Turkmenistan der EU einen direkten Zugriff auf seine üppigen Gasvorräte in Aussicht gestellt. Seitdem die Beziehungen zu Moskau gespannt sind, suchen die Turkmenen neue Kunden.
Turkmenistan habe grundsätzlich Interesse am Nabucco-Projekt der EU. Das sagte der turkmenische Botschafter in Aserbaidschan, Annamamed Mamedow, am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax in der Hauptstadt Baku. "Falls ausländische Staaten im Energiesektor zusammenarbeiten wollen, sind wir bereit dazu." Mit etwa acht Billionen Kubikmeter an nachgewiesenen Reserven hat das autoritär regierte Turkmenistan die viertgrößten Gasvorkommen weltweit.
Allein in den vergangenen Wochen eröffnete Turkmenistan je eine neue Pipeline nach China und in den Iran. Außerdem liefert das Land derzeit noch Gas nach Russland. Das Verhältnis zu Russland ist allerdings derzeit angespannt.
Europas Ziel ist es, mit der geplanten Nabucco-Pipeline durch Aserbaidschan künftig unabhängiger von Russland und seinem Monopolisten Gazprom zu sein. Laut Medien in der Hauptstadt Aschchabad will der turkmenische Präsident Gurbanguly Berdymuchammedow im Februar zu Verhandlungen nach Paris reisen. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte bereits im vergangenen Oktober in der zentralasiatischen Republik Kasachstan Gespräche über eine Zusammenarbeit auf dem Energiesektor geführt.
Nabucco ist eines von mehreren Projekten, mit denen Europas zukünftige Energieversorgung gesichert werden soll (Siehe EURACTIV.de vom 13. Juli 2009).
Hintergrund
Nabucco
Das Projekt Nabucco ist Europas Versuch, der Erdgasabhängigkeit von Russland zu entgehen. Von 2014 an soll Erdgas vom Kaspischen Meer unter Umgehung Russlands bis nach Österreich transportiert werden. Der Bau wird seit 2002 geplant und soll knapp 8 Milliarden Euro kosten. Ab 2019 soll die Leitungskapazität voll ausgeschöpft sein. 31 Milliarden Kubikmeter Erdgas sollen dann nach Europa fließen. Wer diese Menge Gas einspeisen soll, ist noch offen.
Joschka Fischer betätigt sich als politischer Berater und will als Türöffner versuchen, das Projekt auch gegen den Widerstand Russlands voranzubringen. Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Türkei werden heute in Ankara eine Regierungsvereinbarung über die Gaspipeline unterzeichnen. Damit sollen staatliche Planungshürden für den Bau der etwa 3300 Kilometer langen Versorgungsleitung beseitigt werden.
EURACTIV / dpa
Links
Nabucco: Webseite
EU-Kommission: Pressemitteilung zum Nabucco-Projekt (10. Juli 2009)