Tschechiens neue Atomkraftwerke: Österreich besteht auf Anti-Atomkraft-Kurs
Wien bestätigte, dass man an der scharfen Anti-Atomkraft-Haltung gegenüber den Nachbarländern festhalten wird, nachdem berichtet wurde, dass Tschechiens Pläne zum Bau neuer Atomkraftwerke fortgeschrittener sind als gedacht.
Wien bestätigte, dass man an der scharfen Anti-Atomkraft-Haltung gegenüber den Nachbarländern festhalten wird, nachdem berichtet wurde, dass Tschechiens Pläne zum Bau neuer Atomkraftwerke fortgeschrittener sind als gedacht.
Österreich ist das führende Anti-Atom-Land Europas. Das einzige Atomkraftwerk aus den 1970er Jahren konnte die Regierung aufgrund heftigen Widerstands aus der Bevölkerung nie in Betrieb nehmen. Wien verklagt derzeit die Europäische Kommission, weil sie die Atomkraft im Rahmen der EU-Taxonomie für nachhaltige Finanzen als „grün“ eingestuft hat.
Österreich werde seine Anti-Atomkraft-Haltung gegenüber den Nachbarländern beibehalten, sagte die grüne Umweltministerin Leonore Gewessler laut Ö1 am Montag.
Im Nachbarland Tschechien sind derzeit sechs Atomreaktoren in Betrieb, die etwa für 37 Prozent der Stromerzeugung des Landes verantwortlich sind. Die Regierung plant, dass die Kernenergie in etwa 20 Jahren die Hälfte des tschechischen Stroms liefern soll, und das trotz eines prognostizierten allgemeinen Anstiegs der Stromnachfrage.
Um diesen ernsthaften Ausbau der Kernenergie zu ermöglichen, setzt die tschechische Regierung auf Mini-Atomkraftwerke, sogenannte kleine modulare Reaktoren (SMRs). SMRs sind noch weit von der kommerziellen Realität entfernt, bisher wurde noch kein SMR in Betrieb genommen.
Die Tschechische Republik prüft jedoch auch zwei reguläre Reaktoren in Temelin, das etwa 100 Kilometer von Linz, der drittgrößten Stadt Österreichs, entfernt liegt.
„Temelin ist ja nur rund 50 Kilometer von unserem Ortskern entfernt“, von dem aus die Reaktoren von bestimmten Rechten aus gesehen werden können, sagte Anita Gstöttenmayr, die Bürgermeisterin einer an der Grenze gelegenen Ortschaft.
„Da wird einfach etwas angedacht oder beschlossen, ohne dass wir informiert werden“, fügte sie hinzu.
Die österreichischen Anti-Atom-Gemeinden drohen nun damit, die Angelegenheit durch Proteste und Straßenblockaden auf die Tagesordnung zu setzen.
„Es klingt blöd, aber wir werden wieder auf die Straße gehen müssen, um aufzuzeigen und etwas zu erreichen“, fügte die Bürgermeisterin hinzu.