Tschechien: Spannungen mit Ukrainern nehmen zu
Ein Mord in Tschechien, bei dem es sich beim Täter mutmaßlich um einen Ukrainer handelte, hat zu Spannungen zwischen der ukrainischen und der Roma-Gemeinschaft geführt. Gleichzeitig versuchen Nationalisten, aus der Tragödie Profit zu schlagen.
Ein Mord in Tschechien, bei dem es sich beim Täter mutmaßlich um einen Ukrainer handelte, hat zu Spannungen zwischen der ukrainischen und der Roma-Gemeinschaft geführt. Gleichzeitig versuchen Nationalisten, aus der Tragödie Profit zu schlagen.
Ein 23-jähriger Mann wurde am Samstag in der tschechischen Stadt Brünn ermordet. Die Polizei hat dies zwar nicht offiziell bestätigt, doch mehreren Quellen zufolge handelt es sich bei dem Angreifer um einen Mann ukrainischer Staatsangehörigkeit und bei dem Opfer um einen jungen Roma. Auch der Bürgermeister des Brünner Stadtteils Bystrc bestätigte, dass der Verdächtige Ukrainer ist.
„Wir wollen, dass der Schuldige, der diese Gräueltat begangen hat, angemessen bestraft wird und dass die lästigen – ich betone noch einmal, lästigen – Ukrainer ausgewiesen werden“, sagte Zaneta Plachetkova, eine der Organisatorinnen einer geplanten Demonstration.
Wie die tschechische Nachrichtenseite Seznam Zpravy berichtet, wollen radikale politische Kräfte die Tragödie jedoch ausnutzen. Unter den Personen, die Proteste an der Gedenkstätte planen, sind auch Personen, die mit der vom Innenministerium als extremistisch eingestuften Bewegung in Verbindung stehen.
„Ich möchte an alle appellieren, sich nicht von denjenigen manipulieren zu lassen, die diese verwerfliche Tat eines Einzelnen nutzen wollen, um Intoleranz gegen eine Gruppe von Menschen zu schüren. Das Prinzip der Kollektivschuld ist ebenso verwerflich wie die Gewalt selbst“, schrieb der tschechische Innenminister Vit Rakusen auf Twitter.
Die Beauftragte der Regierung für Angelegenheiten der Roma-Minderheiten, Lucie Fukova, rief die Roma dazu auf, Ruhe zu bewahren und nicht die Staatsangehörigkeit des Täters als Grund für die Tat anzugeben.
„In diesem Moment ist es notwendig, ruhig zu bleiben und nicht zu verallgemeinern, was die Nationalität des Täters angeht. Wir selbst kämpfen schon seit langem gegen Verallgemeinerungen“, twitterte sie.
„In wenigen Tagen werde ich mich in Brünn nicht nur mit Vertretern der Polizei, sondern auch mit Nichtregierungsorganisationen und lokalen Roma treffen. Gewalt darf nicht zu mehr Gewalt führen“, fügte sie hinzu.
[Bearbeitet von Kjeld Neubert/Oliver Noyan]