Tschechien: ČEZ und Rolls-Royce kooperieren bei modularen Atomreaktoren
Das teilstaatliche tschechische Energieunternehmen ČEZ kooperiert mit Rolls-Royce SMR zur Entwicklung kleiner modularer Reaktoren und hat 20 Prozent der britischen Firma erworben. Der erste Reaktor soll in Tschechien Anfang der 2030er Jahre in Betrieb gehen.
Das teilstaatliche tschechische Energieunternehmen ČEZ kooperiert mit Rolls-Royce SMR zur Entwicklung kleiner modularer Reaktoren und hat 20 Prozent der britischen Firma erworben. Der erste Reaktor soll in Tschechien Anfang der 2030er Jahre in Betrieb gehen.
Der Deal wurde von Ministerpräsident Petr Fiala (ODS/EKR) angekündigt, der bei der Bekanntgabe am Dienstag (29. Oktober) von Vertretern beider Unternehmen begleitet wurde.
„Wir wollen nicht nur Technologie kaufen. Wir wollen auch an ihrer Entwicklung und Produktion beteiligt sein“, fügte Fiala hinzu.
Die kleineren modularen Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR) sollen die beiden großen Atomkraftwerke des Landes, Temelín und Dukovany, ergänzen. Diese beiden Anlagen liefern laut Regierung derzeit über ein Drittel des tschechischen Strombedarfs.
Ziel ist es, bis 2050 eine modulare Reaktorkapazität von drei Gigawatt zu erreichen. Der erste Reaktor soll bereits in der ersten Hälfte der 2030er Jahre gebaut werden.
Die Regierung sieht in modularen Reaktoren eine vielseitige Lösung, die sowohl Haushalte als auch Unternehmen mit Strom und Wärme versorgen könnte. Zudem könnten die Reaktoren auf den Standorten ehemaliger Kohlekraftwerke errichtet werden, was sie zu einem geeigneten Ersatz für veraltete Kohlekraftwerke macht und die Dekarbonisierung des Energiesektors fördert.
Ein weiterer Vorteil der modularen Reaktoren liegt in der Produktion und Montage: Sie können in Fabriken hergestellt und anschließend vor Ort rasch montiert werden, was ihre Flexibilität und Einsatzbereitschaft erhöht.
Tschechische Industrieverbände begrüßen die Entscheidung, da sie eine Chance für tschechische Unternehmen sehen, sich direkt an der Produktion modularer Reaktoren zu beteiligen
„Die Tschechische Republik hat langjährige Erfahrung mit Atomkraft und lokale Unternehmen verfügen über ausgezeichnetes Know-how, das bei der Entwicklung und Produktion modularer Reaktoren genutzt werden kann“, erklärte Daniel Urban, Generaldirektor des tschechischen Industrieverbands, wie die Tschechische Nachrichtenagentur berichtete.
ČEZ geht außerdem davon aus, mit Rolls-Royce SMR bei Bauprojekten in ganz Europa zusammenzuarbeiten und dabei Wissen und Erfahrung auszutauschen.
So hat beispielsweise die polnische Regierung kürzlich einen Plan zum Bau eines modularen Reaktors von Rolls-Royce SMR genehmigt, was das wachsende regionale Interesse an modularen Reaktoren als sauberere Energiealternative verdeutlicht.
[Bearbeitet von Jeremias Lin]