Tschechen befürworten Verhandlungen über Energieimporte mit Russland

Die tschechischen Bürger:innen ziehen es vor, mit Russland über Energieimporte zu verhandeln, anstatt die Beziehungen komplett abzubrechen, trotz der daraus resultierenden hohen Kosten und notwendigen Einsparungen.

EURACTIV.cz
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Tschech:innen befürworten Verhandlungen mit Russland über Energiebeziehungen. [[Shutterstock/YAKOBCHUK V]]

Die tschechischen Bürger:innen ziehen es vor, mit Russland über Energieimporte zu verhandeln, anstatt die Beziehungen komplett abzubrechen, so eine Kantar-Umfrage, die vom Tschechischen Fernsehen am Sonntag veröffentlicht wurde.

Laut der Umfrage befürworten 49 Prozent Verhandlungen mit Russland, während 43 Prozent sich dafür aussprechen, die Beziehungen zu Russland gänzlich abzubrechen, heißt es in der Umfrage.

„Die tschechische Gesellschaft ist in zwei ähnlich große Teile gespalten, wenn es darum geht, sich von russischem Gas und Öl abzuschneiden oder mit Russland zu verhandeln“, erklärte Nikola Kopáčová, Soziologin bei Kantar.

„Die Fortsetzung der Lieferungen aus Russland wird häufiger von Menschen mit geringerer Bildung unterstützt, insbesondere von Wähler:innen der Partei Freiheit und direkte Demokratie und der Kommunistischen Partei“, fügte sie hinzu.

Die Partei für Freiheit und direkte Demokratie, die der ID angehört und derzeit in der Opposition ist, erhielt bei den Wahlen im Oktober 2021 9,6 Prozent, während die Kommunistische Partei nicht im Parlament vertreten ist. Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine drängen beide Parteien auf eine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland.

„Die Zahl [der Menschen, die Verhandlungen mit Russland befürworten] hat mich unangenehm überrascht“, sagte Finanzminister Zbyněk Stanjura (ODS, ECR) dem Tschechischen Fernsehen in Reaktion auf die Umfrage von Kantar.

„Ich verstehe die Bedenken, aber das ist keine Lösung“, betonte er.

Tschechien, das vor dem Krieg in der Ukraine 97 Prozent seines Gasverbrauchs aus Russland bezog, hat mehrere Maßnahmen ergriffen, um seine Abhängigkeit zu verringern.

Derzeit sind die tschechischen Gasspeicher zu mehr als 82 Prozent ausgelastet. Außerdem hat das Land eine Beteiligung an einem niederländischen LNG-Terminal erworben, wodurch ein Drittel des tschechischen Gasverbrauchs gedeckt werden soll. Dennoch steigen die Gaspreise in die Höhe.

Es wird erwartet, dass die tschechische Regierung diese Woche nationale Maßnahmen zur Bewältigung der steigenden Energiepreise vorstellt.