Trump verhängt neue Strafzölle gegen "erbärmliche" EU und andere Handelspartner

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch Strafzölle in Höhe von 20 Prozent auf Exporte aus der EU angekündigt. Mit den Gegenzöllen will Trump auf "unfaire" Handelspraktiken reagieren – ein Schritt, der weltweit für Unruhe an den Märkten sorgt.

EURACTIV.com
US President Trump unveils new tariffs on so-called Liberation Day
„Wir werden ihnen ungefähr die Hälfte dessen berechnen, was sie uns berechnet haben und immer noch berechnen“, sagte der US-Präsident. [EPA-EFE/JIM LO SCALZO / POOL]

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch Strafzölle in Höhe von 20 Prozent auf Exporte aus der EU angekündigt. Mit den Gegenzöllen will Trump auf „unfaire“ Handelspraktiken reagieren – ein Schritt, der weltweit für Unruhe an den Märkten sorgt.

Die neuen Zölle sollen laut Trump „unfaire“ Handelsbarrieren ausgleichen, die andere Staaten gegenüber US-Waren errichten. Neben der EU belegen die USA künftig auch Importe aus zahlreichen weiteren Ländern mit Abgaben von mindestens zehn Prozent – darunter China, Indien und Großbritannien.

„Seit Jahrzehnten wurde unser Land ausgeplündert, geplündert, vergewaltigt und beraubt – von nahen und fernen Nationen, sowohl Freunden als auch Feinden“, sagte Trump. Besonders betroffen seien Landwirte sowie Beschäftigte in der Stahl- und Automobilbranche, die unter der bisherigen Handelspolitik früherer US-Regierungen „schwer gelitten“ hätten.

Kritik äußerte Trump insbesondere an der Europäischen Union, der er vorwarf, einen effektiven Steuersatz von 39 Prozent auf US-Waren zu erheben. Er kritisierte explizit die europäische Mehrwertsteuer, Zölle auf Autos sowie nicht-tarifäre Handelshemmnisse gegenüber US-Geflügel.

„Die Europäische Union, die sind sehr hart […] sehr freundlich. Und sie ziehen uns über den Tisch. Es ist so traurig, mitanzusehen. Es ist so erbärmlich“, so Trump.

Neben den EU-Zöllen kündigte Trump folgende Maßnahmen an: 34 Prozent Zölle auf China, 31 Prozent auf die Schweiz, 26 Prozent auf Indien, 25 Prozent auf Südkorea, 24 Prozent auf Japan, 10 Prozent auf das Vereinigte Königreich sowie weitere Abgaben auf Importe aus anderen Staaten.

„Wir werden ihnen ungefähr die Hälfte dessen berechnen, was sie uns berechnet haben und immer noch berechnen“, sagte der US-Präsident. „Das ist keine ‚vollständige‘ Reziprozität. Das ist eine ‚freundliche‘ Reziprozität.“

Länder könnten die Strafzölle umgehen, wenn sie ihre Produkte in den USA fertigten, so Trump weiter. „Wenn ihr wollt, dass euer Zollsatz bei null liegt, dann baut eure Produkte hier in Amerika.“

Nach der Ankündigung geriet der Euro unter Druck: Der Kurs stieg zunächst von 1,085 auf 1,09 US-Dollar, fiel jedoch gegen 23.30 Uhr MEZ wieder auf 1,086 zurück.

Die neuen Zölle sind Teil von Trumps langjähriger Kritik am US-Handelsdefizit, das seiner Auffassung nach die amerikanische Industrie schwäche und Ergebnis einseitiger Handelsabkommen sei.

Tatsächlich exportiert die EU mehr Waren in die USA, als sie von dort bezieht. Der Handelsüberschuss wuchs laut Europäischer Kommission von 156,6 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 198,2 Milliarden Euro im Jahr 2024.

Brüssel verweist jedoch auf das Defizit bei Dienstleistungen, das sich 2023 auf 108,6 Milliarden Euro belief – der transatlantische Handel sei insgesamt „ausgewogen“.

Die Ankündigung aus Washington markiert den vorläufigen Höhepunkt von rund zweieinhalb Monaten zunehmender Spannungen im internationalen Handel seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus.

Zuvor hatte Trump bereits Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl, Aluminium, Autos sowie Produkte aus Mexiko und Kanada verhängt. Auf sämtliche chinesischen Importe wurde ein zusätzlicher Zoll von 20 Prozent eingeführt.

Die EU-Kommission kündigte am Mittwoch Vergeltungsmaßnahmen auf die US-Zölle auf Stahl und Aluminium für den 13. April an. Eine gemeinsame Antwort auf die neuen Auto- und Reziprozitätszölle sei in Planung.

Gleichzeitig betonte Brüssel, man wolle vorrangig eine Einigung mit Washington erzielen, um „den unvermeidlichen Schaden“ für die Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks zu vermeiden.

Die EU-Handelsminister werden das Thema am kommenden Montag in Luxemburg bei einem Treffen mit Handelskommissar Maroš Šefčovič beraten.

[MM/KN]