"Troll-Farm"-Vorwürfe belasten rumänischen Wahlkampf

Die rumänische Präsidentschaftskandidatin Elena Lasconi wirft dem unabhängigen Kandidaten und ehemaligen stellvertretenden NATO-Generalsekretär Mircea Geoană vor, möglicherweise mit einer „Troll-Farm“ zusammenzuarbeiten – nur wenige Wochen vor den Präsidentschaftswahlen Ende November.

Geoană (Bild) forderte Beweise für Lasconis Anschuldigungen und erklärte, sie sei falsch informiert. [EPA-EFE/ROBERT GHEMENT]

Dem unabhängigen rumänischen Präsidentschaftskandidaten und ehemaligen stellvertretenden NATO-Generalsekretär Mircea Geoană wird vorgeworfen, mit einer „Troll-Farm“ zusammenzuarbeiten. Die Wahlen finden bereits Ende November statt.

In einer Wahldebatte, die am Dienstagabend von Antena 3 CNN moderiert wurde, fragte die liberale Kandidatin Elena Lasconi (Union Rettet Rumänien/Renew), ob Geoană kürzlich Tal Hanan, einen ehemaligen israelischen Spezialagenten, getroffen habe. The Guardian berichtete letztes Jahr über Hanans angebliche Rolle bei der verdeckten Beeinflussung von über 30 Wahlen weltweit durch Hacking, Sabotage und automatisierte Desinformation in sozialen Medien.

Der unabhängige Präsidentschaftskandidat Geoană forderte daraufhin Beweise für Lasconis Anschuldigungen und erklärte, sie sei falsch informiert. Er gab an, Tal Hanan nicht zu kennen, bestätigte jedoch Treffen mit Beratern des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu.

Als Reaktion postete Lasconi mehrere Fotos auf Facebook. Eines zeigt Tal Hanan vor dem Aspen Institute in Bukarest, dessen Gründungspräsident Geoană ist, ein anderes zeigt Geoană, wie er dasselbe Gebäude verlässt. Hanan bestätigte gegenüber Digi 24, dass er kürzlich Rumänien besucht hatte, lehnte aber Kommentare zu seinen Kunden ab. Auf das Foto angesprochen, bestritt er seine Anwesenheit nicht, und Quellen aus seinem Umfeld gaben an, das Foto „scheine authentisch“ zu sein.

Ministerpräsident Marcel Ciolacu, ebenfalls Präsidentschaftskandidat, äußerte gegenüber Journalisten, dass ein bestimmtes Gebäude „viele Server“ beherberge, die angeblich als „Bot-Farm“ für Geoană genutzt würden.

Toni Greblă, Präsident der Ständigen Wahlbehörde, gab an, es seien keine offiziellen Beschwerden über Troll-Farmen eingegangen. Sein Büro arbeite jedoch bereits mit anderen Behörden an diesem Thema zusammen.

Digitalisierungsminister Bogdan Ivan erwähnte, dass der „No Fake“-Meldekanal seines Ministeriums öffentliche Anfragen zur angeblichen Troll-Farm von Geoană erhalten habe, die zur Untersuchung an die entsprechenden Plattformen weitergeleitet wurden.

Nach eigenen Angaben wurde der Innenminister Cătălin Predoiu nicht über die Angelegenheit informiert. Er wolle sich aber darum kümmern.

Lasconi forderte daraufhin Ciolacu auf, die Nationale Direktion für Cybersicherheit (DNSC) und die Nationale Behörde für Kommunikationsmanagement und -regulierung (ANCOM) offiziell zu benachrichtigen, um Maßnahmen gegen Troll-Farmen zu ergreifen und Geoanăs Online-Kampagne zu untersuchen.

Lasconi, eine ehemalige Journalistin, erklärte, sie habe die Fotos von einem Kollegen erhalten.

Die Journalistin Emilia Șercan, bekannt für ihre Arbeit zum Thema politisches Plagiat, kritisierte Lasconi. Sie betonte, dass Journalisten verpflichtet seien, dokumentierte Geschichten von öffentlichem Interesse selbst zu veröffentlichen, anstatt sie für Wahlkampfzwecke an Kandidaten weiterzugeben.

Șercan und andere Journalisten äußerten die Sorge, Lasconis Vorgehen könne „dem Ruf des Journalismus schaden“ und forderten sie auf, die Situation transparent aufzuklären.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]