TotalEnergies wegen falscher Nachhaltigkeits-Versprechen angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Nanterre in Frankreich hat im Dezember 2021 Ermittlungen gegen den Öl- und Gasriesen TotalEnergies wegen des Vorwurfs irreführender Geschäftspraktiken eingeleitet, wie das investigative Medium Mediapart am Donnerstag berichtete.

Euractiv.com
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Das französische multinationale Unternehmen steht schon seit Jahren unter Beschuss von Umwelt-NGOs, aber dies ist das erste Mal, dass es wegen "Greenwashing"-Praktiken formell belangt wird, wie Mediapart herausfand. [Shutterstock/HJBC]

Die Staatsanwaltschaft Nanterre in Frankreich hat im Dezember 2021 Ermittlungen gegen den Öl- und Gasriesen TotalEnergies wegen des Vorwurfs irreführender Geschäftspraktiken eingeleitet, wie das investigative Medium Mediapart am Donnerstag berichtete.

Der französische multinationale Konzern steht schon seit Jahren unter Beschuss von Umwelt-NGOs, doch es ist das erste Mal, dass er wegen „Greenwashing“-Praktiken, also falschen Versprechungen zur Nachhaltigkeit des Unternehmens, formell strafrechtlich verfolgt wird.

Wie zwei französische Gerichte gegenüber Mediapart bestätigten, wurde die Untersuchung im Dezember 2021 eingeleitet. Sie folgte auf eine Klage der Umwelt-NGOs Wild Legal, Sea Shepherd France und Darwin Climax Coalitions vom Oktober 2020, in der dem Ölriesen vorgeworfen wird, direkt für erhebliche Luftverschmutzung und „Umweltlügen“ verantwortlich zu sein.

Im Frühjahr 2022 reichten dieselben Organisationen eine weitere Klage wegen sogenannten „Ökozids“ ein – ein neu eingeführter Tatbestand im französischen Recht, der sich auf vorsätzliche und absichtliche Umweltschäden bezieht.

Die Gerichte haben sich noch nicht dazu geäußert, ob aufgrund dieser zweiten Klage formelle Ermittlungen eingeleitet werden.

Eine andere Gruppe von Nichtregierungsorganisationen reichte im Januar 2020 eine Klage gegen TotalEnergies ein, in der sie forderte, das Unternehmen müsse „alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren“. Im September letzten Jahres schlossen sich die Städte New York City und Paris der Klage an.

TotalEnergies wird regelmäßig von Umweltschützer:innen für die aus ihrer Sicht zerstörerischen Auswirkungen seiner Aktivitäten auf die Umwelt kritisiert.

Kürzlich geriet der Konzern wegen seines umstrittenen Projekts einer Ölpipeline zwischen Uganda und Tansania unter heftigen Beschuss. Das Europäische Parlament verabschiedete im September 2022 eine nicht bindende Resolution, die sich gegen das Pipeline-Projekt aussprach.

Der ugandische Präsident Yoweri Museveni hatte damals erklärt, wenn TotalEnergies auf das Europäische Parlament höre, würde man einen anderen Partner für die Zusammenarbeit finden.

Im Jahr 2021 kam ein Artikel der wissenschaftlichen Zeitschrift Global Environmental Change zu dem Schluss, dass TotalEnergies und der amerikanische Konkurrent ExxonMobil bereits in den 1970er Jahren wussten, dass ihre Aktivitäten zur Förderung fossiler Brennstoffe zur globalen Erwärmung beitragen könnten.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vergangene Woche verwies UN-Generalsekretär Antonio Guterres hierauf und sagte, dass einige Ölfirmen hätten „große Lügen verbreitet.“

„Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, fügte er hinzu.