Tochter des russischen Ultranationalisten als Märtyrerin gefeiert
Russische Politiker:innen nahmen am Dienstag (23. August) bei einem Gottesdienst Abschied von Darya Dugina, der Tochter eines der bekanntesten ultranationalistischen Ideologen Russlands.
Russische Politiker:innen nahmen am Dienstag (23. August) bei einem Gottesdienst Abschied von Darya Dugina, der Tochter eines der bekanntesten ultranationalistischen Ideologen Russlands.
Sie würdigten sie als Märtyrerin, deren Tod die in der Ukraine kämpfenden russischen Streitkräfte inspirieren sollte.
Dugina, die Tochter des Ultranationalisten Alexander Dugin, wurde am Samstag bei einem Autobombenanschlag außerhalb von Moskau getötet. Der russische Geheimdienst FSB beschuldigt infolgedessen ukrainische Geheimdienste, hinter dem Mord an Dugina zu stecken, was Kiew jedoch bestreitet.
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Am heutigen Mittwoch sind es bereits sechs Monate, seitdem der von Russland als „spezielle Militäroperation“ bezeichnete Krieg in der Ukraine begann, während der kürzliche Tod Duginas in der politischen Elite Moskaus den Ruf nach Rache laut werden lässt. Die US-Botschaft in Kiew warnte daher vor einer erhöhten Gefahr eines russischen Militärschlages.
„Ich halte das für ein barbarisches Verbrechen, für das es keine Vergebung geben kann“, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow.
„Ich hoffe, dass die Ermittlungen schnell abgeschlossen werden, und je nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen kann es natürlich keine Milde für die Organisatoren, diejenigen, die dies in Auftrag gegeben haben, und die Täter geben“, sagte er gegenüber Reporter:innen.
Im Moskauer Fernsehzentrum fand eine große Trauerkundgebung statt, bei der hochrangige Politiker:innen, Nationalist:innen und Freund:innen an Duginas dunklem Holzsarg vorbeizogen, um sich zu verabschieden, Blumen niederzulegen und ihren Eltern ihr Beileid zu bekunden.
Ein großes Schwarz-Weiß-Foto der 30-jährigen Toten, die als Journalistin und Kommentatorin für nationalistische Medien arbeitete, hing an einer schwarzen Wand hinter ihrem Sarg, dazu wurde düstere Musik gespielt.
Ihr Vater, der 60-jährige Dugin, der seit Jahren für die Errichtung eines neuen russischen Imperiums eintritt, welches auch das Territorium von Ländern wie der Ukraine umfassen würde, erklärte den Trauernden, seine Tochter sei für Russland gestorben.
„Wenn ihr tragischer Tod jemanden berührt hat, hätte sie ihn gebeten, die heilige (russische) Orthodoxie, das Volk und das Vaterland zu verteidigen“, sagte Dugin, der sichtlich erschüttert war.
„Sie ist für Russland gestorben, im Mutterland und an der Frontlinie, die nicht in der Ukraine, sondern hier verläuft.“
Aufruf zur Einigkeit
Konstantin Malofejew, ein enger Freund der Familie und wohlhabender, ultranationalistischer Wirtschaftsmagnat, gab den Ton für viele der folgenden Würdigungen durch russische Politiker:innen an. Er bezeichnete die ermordete Frau als Märtyrerin, deren Tod es umso wichtiger mache, dass Russland sich gegen die Ukraine durchsetze.
„Die Leute, die gegen uns kämpfen, verstehen nicht, dass das russische Volk nicht nur aus denen besteht, die jetzt leben. Es besteht auch aus denen, die vor uns gelebt haben und nach uns leben werden. Und wir werden stärker werden durch das Blut unserer Märtyrer:innen.“
„Und dank des vorzeitigen Endes unserer geliebten Dascha (Darya) werden wir in diesem Krieg definitiv siegreich sein“, sagte er.
Russland wirft den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten vor, die Ukraine zu einem Stellvertreterkrieg gegen das Land zu benutzen, indem sie Kiew unter anderem mit Waffen und Geheimdienstinformationen versorgen. Der Westen dagegen behauptet, er helfe der Ukraine, sich gegen eine imperiale Landnahme durch Moskau zu verteidigen.
Die Parlamentsvorsitzenden der drei größten kremlfreundlichen Parteien hielten eine Rede, in der sie Dugina als Patriotin würdigten und versprachen, dass diejenigen, die ihre Ermordung angeordnet und durchgeführt haben, ihre gerechte Strafe erhalten werden.
Leonid Slutsky, Vorsitzender der nationalistischen LDPR-Partei, versprach, dass Straßen und Plätze nach Dugina benannt werden würden, und rief zur Einheit auf.
„Ein Land, ein Präsident, ein Sieg“, sagte Slutsky gegenüber den Trauernden.
Auch von einem von Russland unterstützten Führer in der Ostukraine wurde eine Beileidsbekundung verlesen, und Sergej Mironow, Vorsitzender der Partei Gerechtes Russland im Parlament, rief zur Zerstörung des „Regimes“ in Kiew auf, wie er es nannte.
„Der Sieg wird das beste Denkmal für Dascha sein“, sagte Mironow.