Terror in Europa: Gazprom drosselt Nord Stream 1-Lieferungen drastisch
Angesichts der drastischen Kürzung der Gaslieferungen von Gazprom an die EU-Länder hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Moskau vorgeworfen, die Störungen bei der Gasversorgung zu nutzen, um - wie er es nannte - "Europa in Angst und Schrecken zu versetzen."
Angesichts der drastischen Kürzung der Gaslieferungen von Gazprom an die EU-Länder hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Moskau vorgeworfen, die Störungen bei der Gasversorgung zu nutzen, um – wie er es nannte – „Europa in Angst und Schrecken zu versetzen.“ Er forderte die EU auf, schärfere Sanktionen gegen Russland zu verhängen.
Gazprom teilte mit, dass es die täglichen Gaslieferungen nach Europa über die Nord Stream 1-Pipeline ab Mittwoch (27. Juli) auf 33 Millionen Kubikmeter pro Tag – etwa 20 Prozent der Kapazität der Pipeline – reduzieren werde.
In einer Erklärung vom Montag gab das russische Staatsunternehmen bekannt, dass es den Betrieb einer der letzten beiden laufenden Turbinen aufgrund des „technischen Zustands des Motors“ einstelle.
Die Lieferungen aus der Portowaja-Kompressorstation werden am Mittwoch ab 7:00 Uhr Moskauer Zeit gedrosselt, so das Unternehmen.
Die Bundesregierung erklärte, es gebe keine technische Begründung für die Ankündigung von Gazprom.
„Es gibt nach unseren Informationen keinen technischen Grund für eine Reduktion der Lieferungen“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.
Auch der deutsche Konzern Siemens Energy, der für die Wartung der Turbine zuständig ist, erklärte in einer Stellungnahme gegenüber AFP, dass es „zum jetzigen Zeitpunkt keinen Zusammenhang zwischen der Turbine und den durchgeführten beziehungsweise angekündigten Gasdrosselungen“ gebe.
Die Ankündigung von Gazprom erfolgte, nachdem Russland letzte Woche die kritischen Gaslieferungen nach Europa durch Deutschland über der Nord-Stream-Pipeline nach 10 Tagen Wartungsarbeiten wiederhergestellt hatte, allerdings nur mit 40 Prozent der Kapazität der Gasleitung.
Deutschland, das stark von russischem Gas abhängig ist, hat Moskau vorgeworfen, Energie als „Waffe“ einzusetzen.
Der Kreml behauptet, die Ursache für die Unterbrechung der Gaslieferungen läge in Wartungsproblemen und den westlichen Sanktionen, während die Europäische Union Russland der Energieerpressung bezichtigt.
Gazprom hat in den letzten Wochen die Gaszufuhr nach Deutschland über die Ostseepipeline Nord Stream 1 unterbrochen und dies mit dem Ausfall einer Siemens-Gasturbine begründet, die in Kanada repariert wurde.
Am Montag hatte Gazprom mitgeteilt, dass es die Unterlagen für die verspätete Lieferung der Turbine erhalten habe. Allerdings wies der russische Gasriese darauf hin, dass es noch eine Reihe von Problemen gebe, unter anderem im Zusammenhang mit den EU- und britischen Sanktionen.
Siemens bestreitet die Behauptungen von Gazprom
Doch Siemens bestritt das Argument.
„Die Lieferung der Turbine könne sofort starten. Siemens Energy hatte bereits Anfang letzter Woche alle erforderlichen Dokumente für die Ausfuhr von Deutschland nach Russland vorliegen und Gazprom darüber auch informiert“, so der deutsche Konzern in seiner Erklärung.
„Was allerdings fehlt, sind erforderliche Zolldokumente für den Import nach Russland. Gazprom als Kunde ist verpflichtet, diese zu liefern“, heißt es weiter.
EU-Gassparplan um für Winter vorbereitet zu sein steht
Die Europäische Kommission schlug am Mittwoch vor, ein neues Ziel für die EU-Länder einzuführen, um…
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Das Kräftemessen findet inmitten der wütenden Spannungen über Russlands Intervention in der Ukraine statt. Die EU-Staaten haben Russland vorgeworfen, als Vergeltung für die westlichen Sanktionen wegen der Offensive die Gaslieferungen zu drosseln.
Russland erhöht den Druck auf die Gaspipelines
Der staatliche ukrainische Pipelinebetreiber erklärte, dass Gazprom ohne jegliche Vorwarnung den Druck in einer Pipeline, die durch die Ukraine verläuft, um russisches Gas nach Europa zu liefern, drastisch erhöht habe, was zu weiteren Sorgen im Energiebereich führte.
Solche Druckspitzen könnten zu Notfällen wie beispielsweise Leitungsbrüchen führen, und die Pipelinebetreiber sind verpflichtet, sich gegenseitig im Voraus darüber zu informieren, sagte das ukrainische Unternehmen. Gazprom war für einen Kommentar nicht sofort zu erreichen.
Die Europäische Union hat den Mitgliedsstaaten vorgeschlagen, die Nachfrage nach Gas zu reduzieren, um die Wintervorräte zu sichern.
Ein völliger Stillstand der Importe oder eine drastische Verringerung des Gasstroms von Ost nach West könnte katastrophale Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft haben: Fabriken könnten stillgelegt und Haushalte gezwungen werden, die Heizung herunterzudrehen.
Einige Länder haben sich gegen den EU-Plan zur Reduzierung der Gasnachfrage ausgesprochen. So hat Warschau am Montag seine Einwände gegen eine 15 prozentige Senkung des Erdgasverbrauchs geäußert.
„Wir können dem nicht zustimmen“, sagte die polnische Klimaministerin Anna Moskwa.
„Es ist schwierig für Länder, grünes Licht für eine obligatorische Gasreduzierung zu geben, ohne zu wissen, was im nächsten Winter passieren wird“, fügte sie hinzu, zitiert von der Agentur PAP.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Moskau in seiner nächtlichen Videoansprache am Montag vor, die Beschränkungen der Gaslieferungen zu nutzen, um Europa in Angst und Schrecken zu versetzen, und forderte die Europäische Union auf, schärfere Sanktionen gegen Russland zu beschließen.
„All dies wird von Russland absichtlich getan, um es den Europäern so schwer wie möglich zu machen, sich auf den Winter vorzubereiten. Und das ist ein offener Gaskrieg, den Russland gegen ein geeintes Europa führt“, sagte er.
„Und es ist ihnen egal, was mit den Menschen passiert, wie sie leiden werden, unter dem Hunger durch die Blockade der Häfen oder unter der Kälte und Armut im Winter. Oder unter der Besatzung. Das sind nur verschiedene Formen des Terrors“, fügte er hinzu.
Präsident Wladimir Putin hat den Westen Anfang des Monats gewarnt, dass die Sanktionen zu einem massiven Anstieg der weltweiten Energiepreise führen könnten.
[Bearbeitet von Georgi Gotev]