Telekom-Riesen streiten über Glasfasernetze [DE]
Die Kommission bereitet derzeit neue Leitlinien zur Verbreitung von schnellen Glasfaserleitungen überall in der EU vor. Große Telekommunikationsbetreiber empfehlen unterdessen einen der Mobiltelefonbranche ähnlichen Ansatz, der auf konkurrierenden Netzen beruht. Ein solcher Schritt wird jedoch von neuen Marktteilnehmern abgelehnt, die sich gegen eine Duplikation von teurer Infrastruktur aussprechen.
Die Kommission bereitet derzeit neue Leitlinien zur Verbreitung von schnellen Glasfaserleitungen überall in der EU vor. Große Telekommunikationsbetreiber empfehlen unterdessen einen der Mobiltelefonbranche ähnlichen Ansatz, der auf konkurrierenden Netzen beruht. Ein solcher Schritt wird jedoch von neuen Marktteilnehmern abgelehnt, die sich gegen eine Duplikation von teurer Infrastruktur aussprechen.
Die Europäische Kommission wird ein Paket von Leitlinien erstellen, die in den kommenden Monaten diskutiert werden. Dies stellt einen Versuch dar, die internationale Konkurrenz einzuholen, welche die Next Generation Networks (NGNs) bereits flächendeckend einsetzen, wie EURACTIV erfahren hat. Das Ziel ist es laut europäischen Quellen, die sich mit dem Dossier befassen, bis Ende des Jahres eine Einigung über gemeinsame Regelungen zu erreichen.
NGNs waren nicht Teil der Überarbeitung des Rechtsrahmens für den Telekommunikationsmarkt, die im vergangenen November 2007 von der Kommission vorgeschlagen worden war, werden aber zunehmend als zentrales Element für die Entwicklung des Sektors in den kommenden Jahren betrachtet (siehe unser see our LinksDossier zur Überarbeitung des Rechtsrahmens für elektronische Kommunikation).
Catherine Trautmann, die französische sozialdemokratische Europaabgeordnete, die im Europäischen Parlament für das Dossier zuständig ist, betonte bereits mehrfach die Notwendigkeit, NGNs in die Reform der Telekommunikationsbranche einzubinden. Es wird weithin erwartet, dass das Parlament in einer Plenarabstimmung im Juli 2008 seine Unterstützung für ihren Bericht geben wird (EURACTIV vom 25. April 2008).
Für die großen Telekommunikationsbetreiber der EU sei die Tatsache, dass die Kommission dieses strategische Element nicht in ihre Überprüfung des Sektors aufgenommen hat, noch immer ein Rätsel, sagte Michael Bartholomew, der Direktor von ETNO, eines Verbandes, der ehemalige staatliche Unternehmen wie Telecom Italia und France Telecom vereinigt.
ETNO fordert daher die Kommission auf, sich auf neue Maßnahmen zu einigen, um Investitionen anzukurbeln und schlägt die Annahme eines Systems vor, das auf dem Modell basiert, das in der Mobilfunkbranche entwickelt wurde. Unter diesem Modell neigen Betreiber dazu, ihre eigenen Netze zu errichten statt die Infrastruktur gemeinsam zu nutzen – was Festnetztelefonunternehmen derzeit tun.
Parallele Netze seien zwar kostenintensiver, senkten jedoch die Preise für die Kunden, behauptet ETNO. Zudem sollen sie dabei behilflich sein, Gebiete abzudecken, die gegenwärtig keine Infrastruktur für Breitbandinternetverbindungen aufweisen. Neue Marktteilnehmer wie Tiscali oder Tele2 sind jedoch gegen dieses Konzept und ziehen es stattdessen vor, die Infrastrukturen der etablierten Betreiber mitzubenutzen.
Die geografische Segmentierung sei eine weitere entscheidende Maßnahme, die den Einsatz von NGNs in der Telekommunikationsbranche fördern könnte, sagen etablierte Betreiber bei ETNO.
In dieser Hinsicht ist Großbritannien in Europa führend. Die britische Regulierungsbehörde Ofcom hat den nationalen Markt bereits in eine Reihe regionaler Märkte mit einem verschiedenartigen Regulierungsbedarf auf Grundlage ihrer Wettbewerbssituation aufgeteilt (EURACTIV vom 15. Februar 2008).
Betreiber wollen, dass diese Maßnahme überall in der EU eingeführt wird, neue Marktteilnehmer jedoch halten sie für unnötig und sagen, deren Folge sei unvorhersehbar.