Tadic entschuldigt sich bei Kroatien
Der serbische Präsident Boris Tadic hat erstmals die kroatische Stadt Vukovar besucht, die 1991 von der jugoslawischen Volksarmee zerstört wurde. An der Stelle der Erschießung von mehr als 200 kroatischen Militärgefangenen und Zivilisten in Ovcara legte er einen Kranz nieder.
Der serbische Präsident Boris Tadic hat erstmals die kroatische Stadt Vukovar besucht, die 1991 von der jugoslawischen Volksarmee zerstört wurde. An der Stelle der Erschießung von mehr als 200 kroatischen Militärgefangenen und Zivilisten in Ovcara legte er einen Kranz nieder.
Boris Tadic wurde zum ersten serbischen Spitzenpolitiker seit dem Zerfall Jugoslawiens und dem Ende des kroatischen Konflikts 1991 bis 1995, der Vukovar besuchte und das Andenken der vor 19 Jahren getöteten Kroaten ehrte.
"Erneut möchte ich Worte der Entschuldigung aussprechen, mein Bedauern äußern und Möglichkeiten dazu schaffen, dass Serbien und Kroatien eine neue Seite ihrer Geschichte aufschlagen", sagte Tadic. Kroatiens Präsident Ivo Josipovic, der Tadic begleitete, legte ebenfalls einen Kranz nieder. Josipovic bezeichnete den Besuch Tadics als Zeichen dafür, dass "eine andere Politik des Friedens und der Freundschaft möglich ist".
Füle begrüßt Versöhnungsgeste
EU-Erweiterungskommissar Štefan Füle begrüßte die "Geste der Versöhunung" in einem Statement. Der "frische Schwung" in den Beziehungen zwischen Serbien und Kroatien könne dazu beitragen, offene bilaterale Angelegenheiten in einem "echten europäischen Geiste" zu lösen, so Füle. Die Zukunft Serbiens wie Kroatiens liege in der EU, in der die Versöhnung eine der Gründungsmerkmale sei.
In der Zeit vom 18. bis 21. November 1991 hatten die Serben mehr als 200 Menschen, hauptsächlich Patienten des Spitals von Vukovar, erschossen. Inzwischen wurden die sterblichen Überreste von 200 Menschen entdeckt, weitere 61 gelten als vermisst.
Das Internationale Tribunal für Ex-Jugoslawien in Den Haag und das Belgrader Gericht verurteilten 15 Teilnehmer des Verbrechens in Ovcara zu insgesamt 207 Jahren Haft.
Die Präsidenten von Serbien und Kroatien versprachen, dass alle Schuldigen des Verbrechens bestraft werden.
Tadic und Josipovic besuchten am Donnerstag die Siedlung Paulin Dvor in der Nähe der Stadt Osiek, in der die Kroaten im Dezember 1991 aus Rache 19 Serben, hauptsächlich Frauen und Greise, getötet haben.
Rechtsparteien äußern Empörung
Die meisten kroatischen Politiker begrüßen den Besuch von Tadic in Vukovar und bewerteten ihn als ein "historisches Ereignis". Einige kleinere Rechtsparteien äußerten indes ihre Empörung.
Auch ein Teil der serbischen Opposition kritisierte Tadic für den Beschluss, Vukovar zu besuchen und sich bei den Kroaten zu entschuldigen.
RIA Novosti / dto
Links / Dokumente
EU-Kommission: Statement by Commissioner Füle on reconciliation initiative Croatia-Serbia (5. November 2010)
EURACTIV.de: Kosovo – vorzeitige Neuwahlen im Dezember (3. November 2010)
EURACTIV.de: Stürzt das Kosovo in eine institutionelle Krise? (20. Oktober 2010)
EURACTIV.de: Kosovos Regierungskoalition zerbricht (18. Oktober 2010)
EURACTIV.de: Das "hässliche Entlein" des Westbalkans (7. Oktober 2010)
EURACTIV.de: Präsident des Kosovo tritt zurück (27. September 2010)
EURACTIV.de: Türkische Strategie im Westbalkan (21. September 2010)
Euractiv.de: Kostet Serbiens Außenminister die UN-Resolution sein Amt? (10. September 2010)
EURACTIV.de: UN-Resolution zum Kosovo – Serbien lenkt ein (9. September 2010)
EURACTIV.de: Tadic dementiert Berichte über Anerkennung des Kosovo (30. August 2010)