Südfrankreich: EU-Agrarsubventionen beflügeln Anbau von Kräutern

Die Zahl der Anträge auf ökologischen Korianderanbau ist dieses Jahr in der französischen Region Okzitanien stark gestiegen. Der ökologische Anbau wird mit großzügigen EU-Beihilfen gefördert. In der Branche wird nun zunehmend Kritik an der „Veruntreuung“ von Geldern laut.

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Koriander ist leicht anzubauen und qualifiziert sich für eine Förderung von 900 Euro pro Hektar, wenn sie für die Umstellung auf ökologischen Landbau verwendet wird. [chinahbzyg / Shutterstock]

Die Zahl der Anträge auf ökologischen Korianderanbau ist dieses Jahr in der französischen Region Okzitanien stark gestiegen. Der ökologische Anbau wird mit großzügigen EU-Beihilfen gefördert. In der Branche wird nun zunehmend Kritik an der „Veruntreuung“ von Geldern laut.

Der Markt für Bio-Koriander ist in Frankreich und Europa nach wie vor sehr klein. Dennoch haben sich die Anträge auf Umstellung auf ökologischen Anbau für diese Kulturpflanze 2024 in Südfrankreich (Okzitanien) versiebenfacht. Die Anbaufläche stieg von 1.800 auf 11.700 Hektar.

Die Pflanze ist leicht anzubauen und qualifiziert sich für eine Förderung von 900 Euro pro Hektar, wenn sie für die Umstellung auf ökologischen Landbau verwendet wird. In der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) hängt diese Art von Beihilfe von der Kulturpflanze ab und Sonderkulturen erhalten eine höhere Förderung.

Das Geld stammt aus dem Budget der Gemeinsamen Agrarpolitik, aber die Höhe der Subventionen wird auf nationaler und regionaler Ebene festgelegt. Aus diesem Grund sei dieses Phänomen in anderen Teilen Europas noch nicht beobachtet worden, erklärte der Dachverband für Bio-Lebensmittel und -Landwirtschaft IFOAM gegenüber Euractiv.

„Wenn sich die Produktionsflächen von einem Jahr zum nächsten vervielfachen, sollte die Europäische Kommission alarmiert sein“, meinte Philippe Camburet, Präsident der Fédération Nationale d’Agriculture Biologique (FNAB), gegenüber Euractiv.

Angesichts des kleinen Marktes für diese Kulturpflanzen schafft der Anreiz die Voraussetzungen für ein Überangebot. „Nichts wird geerntet, alles wird vernichtet“, warnte Camburet. Er wies auf das Problem einer möglichen „Veruntreuung“ von Beihilfen der Gemeinsamen Agrarpolitik hin.

Der Fédération Nationale d’Agriculture Biologique zufolge waren nur neun Prozent der Betriebe, die 2024 eine Umstellungsbeihilfe für Koriander beantragten, ausschließlich ökologisch. Dies deute eher auf einen „opportunistischen Ansatz“ konventioneller Landwirte als auf einen Wandel zum ökologischen Landbau hin.

Alle Duft-, Aroma- und Heilpflanzen (PPAM) – Thymian, Lavendel, Eisenkraut, Strohblumen, Rosmarin, Oregano, Salbei und andere – können potenziell in diesen Verfahren verwendet werden, hob die Organisation hervor.

Gewürzkrieg

Die Anträge auf Beihilfen für den Anbau von Duft-, Aroma- und Heilpflanzen belaufen sich in diesem Jahr auf 50 Millionen Euro. „Das entspricht der Summe aller anderen Anträge, die in allen Sektoren eingereicht wurden“, teilte die Fédération Nationale d’Agriculture Biologique mit.

Die französische Region Okzitanien musste einen Rückzieher machen und eine Obergrenze für die Beihilfen ankündigen. Ursprünglich waren maximal 20 Hektar pro Betrieb vorgesehen, doch diese Obergrenze wurde auf drei Hektar (sechs Hektar für junge Landwirte) gesenkt.

In Kombination mit Verzögerungen bei der Auszahlung der Umstellungsbeihilfe trug diese Entscheidung zur zunehmenden Unzufriedenheit in dem Sektor bei.

„Es handelt sich um eine Änderung der Regeln während der Laufzeit der Gemeinsamen Agrarpolitik“, erklärte der Landwirtschaftsverband Coordination Rurale Anfang September in einer Pressemitteilung.

Er forderte die Wiedereinführung der versprochenen Beihilfen, die für einige Betriebe fast 20.000 Euro pro Jahr betragen würden. Außerdem sollten die Erzeuger bis 2025 die Möglichkeit haben, aus der Umstellung auszusteigen.

Ökolandbauverbände kritisieren die Unzulänglichkeit der öffentlichen Soforthilfen angesichts der wiederholten Krisen, mit denen sie konfrontiert sind. Diese würden sie dazu zwingen, sich an alternative Quellen derartiger Hilfen zu wenden, um ausreichende Unterstützung zu erhalten.

Camburet betonte die Notwendigkeit, dass die Mitgliedstaaten Verantwortung übernehmen und die Kapazitäten der nationalen Verwaltungen stärken müssten. „Die Kommission könnte die Mitgliedstaaten dazu verpflichten, ausreichend Personal einzusetzen, um sich ein besseres Bild von den Anträgen [auf Beihilfen] und ihrer Durchführbarkeit zu machen“, schlug er vor.

[Bearbeitet von Angelo Di Mambro/Rajnish Singh/Kjeld Neubert]