Stufenplan zur 40-Prozent-Frauenquote
Mit einem Stufenplan soll die Frauenquote in Aufsichtsräten auf 40 Prozent erhöht werden. Auf einer Konferenz am Montag in Berlin wurde klar, dass europaweit noch großer Nachholbedarf besteht. Norwegen gilt weltweit als Vorbild für die Quotenbefürworter.
Mit einem Stufenplan soll die Frauenquote in Aufsichtsräten auf 40 Prozent erhöht werden. Auf einer Konferenz am Montag in Berlin wurde klar, dass europaweit noch großer Nachholbedarf besteht. Norwegen gilt weltweit als Vorbild für die Quotenbefürworter.
Europas Vorbild ist Skandinavien, speziell Norwegen, obwohl Norwegen gar nicht Mitglied der EU ist. In Norwegen müssen seit 2008 in jedem börsennotierten Unternehmen 40 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder Frauen sein. Sonst droht dem Unternehmen die Schließung.
Das Gesetz in Norwegen war 2003 eingeführt worden. Heute stellen Frauen in den börsennotierten Unternehmen Norwegens bereits 38 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder. Der Anteil hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als vervierfacht.
Schweden auf Platz zwei
Im globalen Vergleich hat Norwegen damit mit Abstand die größte Frauenquote im Aufsichtsrat, gefolgt von Schweden, wo zwei von zehn Aufsichtsräten Frauen sind.
Im europäischen Vergleich liegt der Anteil etwa bei acht Prozent, wie das European Professional Women´s Network schätzte.
Allerdings haben in Norwegen viele kleine Unternehmen, die nicht börsennotiert sind, ihre Statuten geändert, um den strengen Regeln zu entgehen.
Österreichs ehrgeizige Frauenministerin
Mit einem langfristigen Stufenplan will nun auch Österreichs Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) die Frauenquote in Aufsichtsräten auf 40 Prozent erhöhen. Vorerst solle es bei einer Selbstverpflichtung – wenn auch mit einer jährlichen Berichtspflicht – bleiben, um dem konservativen Koalitionspartner eine Zustimmung zu erleichtern, sagte die Ministerin am Rande der Konferenz in Berlin vor Korrespondenten.
Für Unternehmen des Bundes schlägt die sozialdemokratische Politikerin vor, "so lang Frauen für freiwerdende Stellen zu nominieren, bis wir den vierzigprozentigen Anteil erreicht haben". Konkret soll in einer ersten Stufe bis Ende 2013 eine Quote von 25 Prozent erreicht sein, 2018, soll das Ziel mit den 40 Prozent erreicht sein.
Jedes Jahr ist von den Unternehmen ein Fortschrittsbericht vorzulegen, in dem mit Begründungen erklärt werden muss, warum beispielsweise das Ziel nicht erreicht werden konnte.
Die Selbstverpflichtung gilt vorerst bis 31. Dezember 2013. Sollte bis dahin nicht mindestens die 25-prozentige Quote erreicht sein, dann strebt die Ministerin eine Novelle des Aktien-GmbH-Rechts an.
„Geschlechter-“ statt „Frauenquote“
Heinisch-Hosek betont, dass es sich nicht um eine Frauenquote, sondern um eine Geschlechterquote handelt. Sollte also der Anteil der Frauen in einem Aufsichtsrat dominieren, so gilt die 40-Prozent-Qutoe auch zugunsten der Männer.
Die deutsche Amtskollegin, die neue Familien- und Frauenminister Kristina Schröder (CDU), ist zwar prinzipiell als quotenskeptisch bekannt, dennoch könnte sie einschwenken. Die Berliner Konferenz am Montag wurde von der Initiative „Frauen in die Aufsichtsräte“ (FidAR) veranstaltet.
Deutschland: weiblicher Anteil der Aufsichtsräte nur 7,5 Prozent
Andere Länder nehmen sich Norwegen zum Vorbild. Und zumindest die Grünen würden die Quote gern nach Deutschland importieren. Nach einer Statistik des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) besetzen Frauen hierzulande nur 7,5 Prozent der Aufsichtsratsmandate in den 200 größten Unternehmen.
Unter den 192 Vorstandsmitgliedern in DAX-30-Unternehmen findet sich keine einzige Frau.
Telekom will Pionierrolle einnehmen
Die Deutsche Telekom wird als erstes großes Unternehmen eine Frauenquote einführen, gab das Unternehmen am Montag bekannt, und verspricht sich davon auch einen höheren Gewinn. Bis Ende 2015 sollen 30 Prozent der oberen und mittleren Führungspositionen im Unternehmen mit Frauen besetzt sein. Bislang hat die Telekom 18 Prozent der mittleren und oberen Positionen mit Frauen besetzt – in Deutschland sind es zwölf Prozent, im Ausland 24 Prozent.
Ewald König
Link:
Initiative Frauen in die Aufsichtsräte e.V.: http://www.fidar.de/