Studie: Fliegen bleibt in der EU meist günstiger als Bahn

Greenpeace hat 109 internationale und 33 nationale Strecken in 31 Ländern untersucht. Ergebnis: Auf mehr als der Hälfte (54 %) der grenzüberschreitenden Verbindungen war Fliegen günstiger als Bahnfahren.

EURACTIV.com
Frankfurt Airport
Frankfurt Airport [ Photo: Boris Roessler/dpa (Photo by Boris Roessler/picture alliance via Getty Images]

Falls Sie dachten, grenzüberschreitende Zugreisen in Europa könnten endlich günstiger sein als Flüge – leider Fehlanzeige. Zwar holen die Züge preislich etwas auf, doch Fliegen bleibt meist die billigere Option.

Greenpeace hat 109 internationale und 33 nationale Strecken in 31 Ländern untersucht. Ergebnis: Auf mehr als der Hälfte (54 %) der grenzüberschreitenden Verbindungen war Fliegen günstiger als Bahnfahren. Im Inland sah es besser aus – hier waren in 70 Prozent der Fälle Züge die günstigere Wahl.

Die Preisunterschiede sind teils eklatant: Auf der Strecke Barcelona–London kostete ein Flugticket nur 14,99 €, während das günstigste Zugticket am selben Tag stolze 389 € verlangte – also 26-mal so viel. Ähnlich sah es auf den Strecken London–Bratislava (23-mal teurer per Zug), Paris–Kopenhagen (22-mal) und Madrid–Brüssel (11,5-mal) aus.

Ganz anders Zentral- und Osteuropa – vor allem die Baltischen Staaten und Polen – mit deutlich niedrigeren Bahnpreisen. Die Strecke Vilnius–Warschau war für Bahnreisende am günstigsten: 25 € für den Zug gegenüber 337 € fürs Flugticket. Auch Prag–Budapest, Berlin–Prag und Riga–Vilnius waren an fast allen untersuchten Tagen mit der Bahn billiger.

Litauen bietet die niedrigsten Bahnpreise, gefolgt von Polen (89 % der Strecken günstiger per Zug) und Slowenien (80 %). Am anderen Ende der Skala: Frankreich mit 95 % der Verbindungen günstiger per Flugzeug, gefolgt von Spanien (92 %), dem Vereinigten Königreich (90 %) und Italien (88 %).

Leichte Besserung, aber noch viel zu tun

Aber es gibt auch positive Entwicklungen: Der Anteil der Strecken, auf denen Züge die günstigste Option sind, ist seit 2023 um 14 Prozentpunkte auf 41 Prozent gestiegen. Grund sind weniger Billigflüge und langsamere Preissteigerungen bei der Bahn.

Greenpeace macht Steuerprivilegien für Airlines und hohe Kosten für Bahnbetreiber für die verzerrten Preise verantwortlich.

„Selbst während sich die Klimakrise zuspitzt, bevorzugt Europas Steuersystem weiterhin die klimaschädlichste Reiseart“, sagt Herwig Schuster, Verkehrsexperte bei Greenpeace Zentral- und Osteuropa.

Die NGO fordert EU-weite „Klimatickets“, bessere grenzüberschreitende Verbindungen und ein Ende der Subventionen für den Flugverkehr, damit die Bahn zur günstigsten Option wird. Laut einer Umfrage sind neun von zehn EU-Bürgern mit den aktuellen Reiseoptionen zwischen den Ländern unzufrieden.

„Diese Preise zeigen keinen funktionierenden Markt – sie zeigen ein manipuliertes System“, so Schuster.

(vib, jl)