Steigende Energiepreise setzen Franzosen unter noch mehr Druck
In einer am Mittwoch (7. September) veröffentlichten Umfrage beleuchten Secours Populaire und Ipsos die prekäre Situation, in der die ärmsten Haushalte Frankreichs aufgrund der steigenden Energiekosten leben.
In einer am Mittwoch (7. September) veröffentlichten Umfrage beleuchten Secours Populaire und Ipsos die prekäre Situation, in der die ärmsten Haushalte Frankreichs aufgrund der steigenden Energiekosten leben.
Der Krieg in der Ukraine hat die Energiekosten in die Höhe getrieben, was für die schwächsten Haushalte zu Problemen führt. So stiegen die Energiepreise im August in der Eurozone um 38,3 Prozent.
„Es gibt einen Anstieg bei den Lebensmittel-, Transport- und Energierechnungen. Die hohe Inflation trifft vor allem die Schwächsten“, erklärte Malika Tabti, nationale Sekretärin von Secours Populaire, auf der Konferenz zur Präsentation der Umfrageergebnisse.
Für diese Umfrage wurden zwischen dem 1. und 5. Juli 2022 1010 Franzosen und Französinnen ab 16 Jahren befragt.
Die Ergebnisse sind eindeutig: 45 Prozent der französischen Bevölkerung haben Schwierigkeiten, ihre Transportkosten zu bezahlen, was einem Anstieg von 15 Prozentpunkten im Vergleich zu 2021 entspricht. Rund 41 Prozent der Befragten gaben an, ihre Energierechnung nur schwer bezahlen zu können, ein Anstieg um fünf Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
Pierre Latrille von Ipsos warnt: „Dies ist ein außergewöhnliches Jahr. Die Indikatoren haben sich sehr stark verschlechtert. Diese Ergebnisse geben nicht einen Funken Hoffnung.“
Edith, eine 47-jährige Mutter, sagt, sie habe täglich damit zu kämpfen die Kosten für Lebensmittel, die Versorgung ihrer Kinder und ihre Gas- und Stromrechnungen zu bewältigen.
„Wenn man Probleme hat, seine Rechnungen zu bezahlen, bedeutet das nicht, dass man sie nicht bezahlen kann. Aber es bedeutet, dass man bei anderen Ausgaben Abstriche machen muss. Transport, Heizung und Strom sind nicht reduzierbare Ausgaben“, sagte Camille Defard, Forscherin für europäische Energiepolitik am Jacques Delors Institut.
Die Bilanz ist düster: Laut der Umfrage gaben 65 Prozent der Befragten an, mindestens eine Person in ihrer Familie oder in ihrem Freundeskreis zu kennen, die von Armut betroffen sei (ein Anstieg von 10 Prozent im Vergleich zu 2021).
„So etwas haben wir noch nie erlebt“, sagte Latrille.
Um den französischen Haushalten zu helfen, hat die Regierung eine Reihe von Maßnahmen eingeführt, darunter einen Rabatt auf Brennstoffe – den im Juli angekündigten sogenannten „Tarifschutz“ -, der den Anstieg der Energiepreise auf 4 Prozent begrenzt.
Doch am Montag (5. September) kündigte der französische Präsident Emmanuel Macron auf einer Pressekonferenz an, dass diese Initiative nicht ewig oder „für viele Monate“ fortgesetzt werden könne. Dadurch könnten einkommensschwache Haushalte noch stärker in Bedrängnis geraten.
Der Präsident rief außerdem erneut zu Energieeinsparungen auf und empfahl, die Temperatur in Häusern und Wohnungen in diesem Winter auf 19 Grad Celsius zu begrenzen, indem man „die Heizung ein wenig niedriger als gewöhnlich“ einstellt.
„Dies ist eine notwendige Maßnahme, aber sie wird nicht für alle gelten“, erklärt Defard, „eine Reihe von Haushalten hat leider immer noch nicht die Mittel, um im Winter richtig zu heizen.“
Europaweites Phänomen
Innerhalb Europas ist Frankreich bei weitem nicht das einzige Land, das sich in einer derart besorgniserregenden Situation befindet.
„In allen Ländern sind die am meisten gefährdeten Haushalte zuerst betroffen. Für Menschen, die schon vorher unter Energiearmut litten, ist die Situation heute wegen des Krieges in der Ukraine noch dramatischer“, so Defard.
Um den Haushalten bei der Bewältigung der Inflation zu helfen, haben mehrere Regierungen Notmaßnahmen ergriffen. So kündigte der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz am Sonntag (4. September) an, dass Rentner:innen und Student:innen Energiegutscheine im Wert von 300 Euro beziehungsweise 200 Euro erhalten werden.
In Spanien ist seit dem 1. September und für die nächsten vier Monate das Reisen mit der Bahn kostenlos, um so den Autoverkehr zu verringern.
Italien hat im August eine Reihe von Maßnahmen im Gesamtwert von 17 Milliarden Euro zur Unterstützung von Haushalten und Unternehmen beschlossen, darunter die Verlängerung der Steuerermäßigung von 30 Cent pro Liter Kraftstoff und eine Erhöhung der untersten Renten um 2 Prozent.
„Alle Regierungen haben mit Nachdruck auf das soziale [Krisen-]Risiko reagiert“, so Defard.
Vor diesem Hintergrund der aktuellen Debatte werden die EU-Energieminister:innen am Freitag (9. September) in Brüssel zu einer außerordentlichen Ratssitzung zur Inflation zusammenkommen.
„Auch die Kommission versucht, die ihr zur Verfügung stehenden Mittel zu nutzen“, schloss Defard.
[Bearbeitet von Alice Taylor]