Starkes E-Commerce Wachstum fordert China und USA heraus

Der Ausblick für den europäischen Onlinehandel scheint sich zum Positiven zu wenden. Eine große Herausforderung sind dennoch weiterhin der starke Wettbewerb aus den USA und China und nötige Investitionen.

EURACTIV.com
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Die bescheidene Wachstumsverbesserung im Laufe des Jahres 2023 im Vergleich zu 2022 führte in den 38 untersuchten Staaten zu einem Umsatzanstieg von 864 Milliarden Euro auf 887 Milliarden Euro. [shutterstock/Tanawat Chantradilokrat]

Der Ausblick für den europäischen Onlinehandel scheint sich zum Positiven zu wenden. Eine große Herausforderung sind dennoch weiterhin der starke Wettbewerb aus den USA und China und nötige Investitionen.

Ein Bericht über den europäischen Onlinehandel, der am Donnerstag (10. Oktober) von Ecommerce Europe und EuroCommerce veröffentlicht wurde, zeichnet ein ermutigendes Bild für den Sektor. Für das laufende Jahr wird ein Wachstum von acht Prozent erwartet – gegenüber drei Prozent im Jahr 2023 und zwei Prozent im Jahr 2022 – „was auf eine Erholung des Verbrauchervertrauens und der Ausgaben in ganz Europa zurückzuführen ist“, wie es in dem Bericht heißt.

Die bescheidene Wachstumsverbesserung im Laufe des Jahres 2023 im Vergleich zu 2022 führte in den 38 untersuchten Staaten zu einem Umsatzanstieg von 864 Milliarden Euro auf 887 Milliarden Euro.

Ein Anstieg der Inflation – ausgelöst durch den Anstieg der Rohstoffpreise nach der völkerrechtswidrigen Invasion Russlands in der Ukraine – war der Hauptgrund für den Rückgang des Einzelhandels- und Vertriebsmarktes im Jahr 2022. Der Preisdruck scheint sich jedoch seit 2023 wieder erholt zu haben.

Laut der Studie „deutet ein Vergleich der Schlagzeilen des letzten Jahres mit den heutigen Daten darauf hin, dass sich die Inflation allmählich stabilisiert und die Inflationsrate für 2024 weiter auf eine normalere Rate von 2,7 Prozent sinken wird“. Dies erklärt das starke Wachstum des E-Commerce, das für dieses Jahr prognostiziert wird.

Starke Konkurrenz

In den letzten Jahren haben europäische Onlinehändler mit zunehmender Konkurrenz durch ausländische Unternehmen zu kämpfen. In den USA ist der E-Commerce-Riesen Amazon der größte Konkurrent sowie die seit neusten aufstrebende chinesischen Plattformen wie Temu oder Tmall.

Angesichts der sehr wettbewerbsfähigen Preise und niedrigeren Lieferkosten ihrer chinesischen und US-amerikanischen Konkurrenten verlagern europäische E-Commerce-Unternehmen ihren Fokus auf eine höhere Produktqualität, einen lokalisierten Kundenservice und eine nachhaltige Entwicklungspolitik. Sie weisen jedoch auf einen ihrer Meinung nach mangelnden fairen Umgang bei der Anwendung der EU-Wettbewerbsregeln hin.

„Der digitale Handelssektor braucht klare Signale von Entscheidungsträgern, die die Rolle des E-Commerce als Motor für die Wiederbelebung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit anerkennen müssen“, sagte Luca Cassetti, Generalsekretär von E-Commerce Europe, gegenüber Euractiv.

„Wir müssen für alle in der EU tätigen E-Commerce-Akteure gleiche Wettbewerbsbedingungen und eine wirksame Durchsetzung der EU-Vorschriften sicherstellen, unabhängig davon, wo sie ansässig sind.“

Christel Delberghe, Generaldirektorin von EuroCommerce, schloss sich Cassettis Botschaft an: „Die Fähigkeit von Unternehmen, innovativ zu sein und sich an diese sich ändernden Bedingungen anzupassen, wird der Schlüssel zu ihrem Erfolg in diesem wettbewerbsorientierten Umfeld sein.“

„Ebenso wie die faire Anwendung des EU-Rechts durch die europäischen Behörden auf alle Unternehmen, die an Verbraucher in der EU verkaufen“, fügte sie in einer Stellungnahme gegenüber Euractiv hinzu.

Im Jahr 2023 wurde die Größe des E-Commerce-Marktes in China auf etwa 2,74 Milliarden Euro geschätzt. Diese Summe stellt den Markt in den USA mit 1,06 Milliarden Euro und den europäischen Markt mit 970 Millionen Euro in den Schatten, wie aus einem Bericht der französischen Marketingagentur RougeLink aus dem Jahr 2024 hervorgeht.

Herausforderungen im Bereich Innovation

Unterdessen versuchen europäische E-Commerce-Unternehmen, den EU-Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz (KI) zu nutzen, um neue Einkaufserlebnisse zu schaffen. Einen besonderen Fokus wollen sie auf den Kundendienst und die Produktrückgabe legen.

Die kombinierte Umsetzung von EU-Vorschriften und neuen Technologien ist jedoch mit erheblichen finanziellen Kosten verbunden und könnte die Wachstumschancen beeinträchtigen. Kleinere europäische E-Commerce-Unternehmen sind möglicherweise nicht in der Lage, diese Veränderungen im gleichen Umfang wie größere Unternehmen zu finanzieren.

Mehrere EU-Regierungen haben Initiativen zur Unterstützung digitaler Innovationen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) im E-Commerce ins Leben gerufen. Programme wie das „Digital Kit“ in Spanien und der „Digital Transition Fund“ in Irland sollen dazu beitragen, ihre Entwicklung zu beschleunigen.

Im E-Commerce verändert die Einführung von KI den Sektor auf mehreren Ebenen: personalisiertere Einkaufserlebnisse, bessere Lagerverwaltung und verbesserter Kundenservice dank integrierter Chatbots. Auf Websites für Mode und Inneneinrichtung tragen virtuelle und erweiterte Realität dazu bei, Produkte vor dem Kauf besser zu visualisieren.

Durch 5G und dem Internet der Dinge (IoT) wird auch die Logistik vereinfacht, um schneller zu werden und somit Kunden effizienter zu beliefern. Seit der COVID-19-Krise hat sich der E-Commerce-Sektor auch zunehmend auf Re-Commerce-Aktivitäten wie Aufarbeitung und Second-Hand-Verkäufe ausgeweitet, um der starken Nachfrage der Verbraucher gerecht zu werden.

[Bearbeitet von Anna Brunetti/Rajnish Sing]